Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt laut neuer Statistik weiter auf hohem Niveau

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

Die Zahl von Gewaltdelikten in Beziehungen ist laut einer neuen Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Insgesamt wurden fast 142.000 solcher Gewalttaten polizeilich erfasst, knapp ein Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Statistik Partnerschaftsgewalt 2019 hervorgeht. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, stellten die Zahlen in Berlin vor.

"Die Zahlen sind nach wie vor steigend, auf hohem Niveau, und sie sind schockierend", sagte Giffey. 81 Prozent der Betroffenen waren Frauen, an fast jedem dritten Tag werde eine Frau in Deutschland von ihrem Partner getötet. Alle 45 Minuten werde statistisch gesehen eine Frau Opfer von vollendeter und versuchter gefährlicher Körperverletzung durch den Partner.

Laut der Statistik waren 79 Prozent der Täter männlich und 81 Prozent der Opfer weiblich. Rund ein Drittel der Tatverdächtigen war zwischen 30 und 40 Jahre alt, außerdem stand rund ein Viertel der Tatverdächtigen zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss. Ein weiterhin zentrales Problem sei, dass sich viele Betroffene nicht an die Polizei wendeten. Zwischen 75 und 80 Prozent der Betroffenen suchen sich laut aktuellem Kenntnisstand keine Hilfe.

"Jeder kann entscheiden, ob er wegsieht oder hinsieht", sagte Giffey. Um Opfer von Partnerschaftsgewalt besser zu unterstützen, habe ihr Haus eine Gesamtstrategie entwickelt. Diese bestehe unter anderem aus einem bundesweiten Hilfetelefon, einem runden Tisch für den Kampf gegen Partnerschaftsgewalt und einem Bundesförderprogramm zum Ausbau der Angebote in Beratungsstellen. Für dieses Förderprogramm stellt das Bundesfrauenministerium seit Jahresbeginn zusätzlich 120 Millionen Euro bereit. Außerdem sei für das kommende Jahr eine Dunkelfeldstudie geplant, sagte Giffey.

Auch BKA-Präsident Münch betonte die hohe Dunkelziffer bei Partnerschaftsgewalt. Trotz der aktuell gebotenen physischen Distanz sei es deshalb wichtig, dass Angehörige und Freunde aufmerksam blieben und sich bei Verdachtsmomenten an eine Beratungsstelle oder die Polizei wendeten. "Letztlich ist auch jeder Einzelne von uns dazu aufgefordert, die Augen vor der Partnerschaftsgewalt nicht zu verschließen und sie zu ahnden, wenn immer wir sie bemerken", sagte er.

Auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte besseren Schutz für Opfer von häuslicher Gewalt. Neben Verletzungen der Gesundheit und Freiheitsberaubung sollen zukünftig auch Angriffe auf die sexuelle Selbstbestimmung zu Kontaktverboten nach dem Gewaltschutzgesetz führen können. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf wolle sie noch in diesem Jahr ins Parlament einbringen.

Die Deutsche Kinderhilfe forderte, auch die Situation von Kindern stärker in den Blick zu nehmen. Die Kinderhilfe forderte in Fällen häuslicher Gewalt einen verbindlichen Melderegisterabgleich, um zu klären, ob in den betroffenen Haushalten Kinder leben. Es müsse ausnahmslos das Jugendamt eingeschaltet werden, um zu prüfen, inwiefern Kinder zusätzliche Unterstützung benötigten, verlangte die Organisation. Außerdem müssten in Frauenhäusern mehr Kapazitäten geschaffen werden, um auch die Kinder von betroffenen Frauen unterzubringen.

fho/cfm