Zahl der Straftaten in Deutschland deutlich zurückgegangen

Polizist im Einsatz

Weniger Wohnungseinbrüche und Gewaltverbrechen, dafür mehr Kinderpornografie und Computerkriminalität: Die am Dienstag vom Bundeskriminalamt veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für das vergangene Jahr insgesamt knapp 5,4 Millionen Delikte aus. Das entspricht einem Rückgang um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei der Kinderpornografie gab es ein Plus von 65 Prozent. "Wir haben deutlich genauer hingeschaut und dadurch mehr Straftaten vom Dunkelfeld ins Hellfeld gerückt", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer zu diesem Plus.

Zur Gesamtzahl der 5,4 Millionen Delikte heißt es in der PKS, eine vergleichbar geringe Anzahl erfasster Fälle habe es letztmalig im Berichtsjahr 1992 gegeben. Abzüglich der ausländerrechtlichen Verstöße waren es knapp 5,3 Millionen. Bei der Gesamtzahl der Diebstähle weist die Kriminalbilanz einen Rückgang von 5,9 Prozent auf 1,8 Millionen aus. Die Wohnungseinbrüche gingen um 10,6 Prozent zurück und erreichten den niedrigsten Stand seit 1987.

Die Zahl der Tatverdächtigen lag mit insgesamt knapp 1,9 Millionen um 1,8 Prozent niedriger als 2018. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an allen Tatverdächtigen betrug wie im Vorjahr etwa 30 Prozent, heißt es in der Statistik. Die Aufklärungsquote aller Delikte lag bei 56,2 Prozent und damit knapp unter dem Höchststand von 2018 von 56,5 Prozent.

Beim sexuellen Missbrauch von Kindern war eine deutliche Zunahme zu verzeichnen, und zwar um 10,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank dabei die "Gewaltkriminalität" geringfügig um 2,3 Prozent. Bei der Computerkriminalität gab es ein Plus von 11,3 Prozent.

Die Zunahme von knapp 65 Prozent bei der Kinderpornografie führt das Bundeskriminalamt im Wesentlichen auf die Verbreitung via Internet zurück. Die Zusammenarbeit mit der halbstaatlichen US-Nichtregierungsorganisation NCMEC, die im Internet nach kinderpornographischem Material sucht und Funde an die Strafverfolgungsbehörden weitergibt, führte zu mehr Hinweisen und Ansatzpunkten für Ermittlungen.

"Zur besseren Verhinderung dieser Taten müssen Kinder und Jugendliche besser geschützt und über mögliche Gefahren aufgeklärt werden", forderte Seehofer. Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig wertet den Anstiege als Beleg dafür, dass die bisherigen Anstrengungen von Politik und Gesellschaft "noch lange nicht ausreichen und viel zu schleppend voranschreiten".

Der Anstieg bei der Kinderpornografie werfe "Licht auf eine schäbige Ecke unserer Gesellschaft", beklagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, (GdP) Jörg Radek. Zugleich offenbarten diese Taten die breiten Möglichkeiten der Täter, im Internet ihre widerlichen Taten zu begehen.

Auch der Deutsche Richterbund bezeichnete die Zahlen als "alarmierend". Sie zeigten aber auch, "dass die Behörden das große Dunkelfeld zunehmend aufhellen können", erklärte Geschäftsführer Sven Rebehn.

Seehofer zeigte sich aber insgesamt zufrieden mit der Kriminalitätsentwicklung. "Von Jahr zu Jahr verzeichnet die Polizei weniger Straftaten", erklärte er. 2009 habe es noch fast sechs Millionen Straftaten gegeben. "Unsere Polizei arbeitet gut und effektiv." Die Gesetzesverschärfungen schreckten ab und würden helfen, Straftaten konsequent zu verfolgen.

Nach Ansicht von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) zeigt der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen, dass hier die harte Gangart wirke, die mit Strafverschärfungen, erweiterten Ermittlungsmöglichkeiten und einem konsequenten Vorgehen der Polizei eingeschlagen worden sei.