Mehr als 200 Menschen in Schlamm-Massen nach Erdrutsch in Kolumbien umgekommen

Soldaten suchen Opfer der Erdrutsche in Mocoa

Mehr als 200 Menschen sind bei einem verheerenden Erdrutsch in Kolumbien in den Schlamm-Massen ums Leben gekommen. Nach heftigen Regenfällen wurden in der Stadt Mocoa im Amazonasbecken ganze Wohnviertel unter Schlamm und Trümmern begraben. Es gebe rund 200 Tote und mindestens 203 Verletzte, erklärte das Rote Kreuz. Die Zahl der Vermissten war am Sonntag unklar, nachdem zunächst von rund 150 Vermissten die Rede war.

Sintflutartige Regenfälle hatten die Erdrutsche am Freitagabend ausgelöst. Betroffen war vor allem die 40.000-Einwohner-Stadt Mocoa: Die Schlammlawinen wälzten sich durch die Straßen und rissen ganze Häuser, zwei Brücken, Autos und Bäume fort. In 17 Stadtvierteln habe es schwere Schäden gegeben, erklärte der Leiter des Roten Kreuzes, César Urueña. 300 Familien seien von der Katastrophe betroffen. Auch am Sonntag war die Stadt noch ohne Strom und fließendes Wasser.

Es handele sich um eine Tragödie von unvorstellbarem Ausmaß, sagte die Gouverneurin der Region Putumayo, Sorrel Aroca. "Ganze Wohnviertel" im Katastrophengebiet seien verschwunden.

In der Region hatte es in den Tagen zuvor heftig geregnet. Die Regenmengen hatten den Fluss Mocoa und drei Zuflüsse über die Ufer treten lassen und die Erde ins Rutschen gebracht. Eine Mischung aus Wasser, Schlamm und mitgerissenen Trümmern ergoss sich über die Stadt.

"Lieber Gott, ich will mich gar nicht daran erinnern", sagte die Anwohnerin Marta Ceballos. Schreiende und weinende Menschen seien zu Fuß, mit Autos und Motorrädern geflohen oder im Matsch stecken geblieben. Sie selbst habe ihren ganzen Besitz verloren, berichtete die Straßenhändlerin. "Das Einzige, das ich zum Glück nicht verloren habe, sind mein Mann, meine Töchter und meine Neffen."

Präsident Juan Manuel Santos reiste am Samstag nach Mocoa. Er rief den Notstand aus, um schnelle Hilfe zu ermöglichen. Für Sonntag kündigte er einen weiteren Besuch im Katastrophengebiet an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte Santos ihre Anteilnahme. Sie sei bestürzt von den Bildern aus dem Katastrophengebiet "und dem unermesslichen Leid der Menschen vor Ort", erklärte Merkel in Berlin. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich erschüttert. Er habe die Bilder der schlimmen Überschwemmungen und Erdrutsche "mit Erschrecken" gesehen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte Hilfe der Bundesregierung zu.

Papst Franziskus zeigte sich "tief betrübt" über das Unglück und erklärte, er bete für die betroffenen Menschen.

Zur Zahl der Toten hatte es zwischenzeitlich Verwirrung gegeben. Das Rote Kreuz hatte am Sonntag kurzzeitig 234 Tote gemeldet, die Zahl aber später wieder auf etwa 200 korrigiert. Grund für die widersprüchlichen Zahlen seien Schwierigkeiten bei der Identifizierung der Leichen gewesen, hieß es.

Die kolumbianischen Behörden richteten einen Krisenstab ein. Militär, Polizei und Rettungskräfte suchten unermüdlich nach den Vermissten, deren Zahl am Sonntag unklar war. Dabei müssten hunderttausende Tonnen Schutt und Schlamm weggeräumt werden, sagte Carlos Iván Márquez von der Katastrophenschutzbehörde. Die Caritas schickte nach eigenen Angaben Katastrophenhelfer in die Region, um Lebensmittel und Decken zu verteilen.

Viele Menschen in der Region begriffen nur langsam, was ihnen widerfahren sei, sagte der 69-jährige Anwohner Hernando Rodríguez. "Viele Leute sind auf der Straße, viele Häuser sind zerstört", berichtete er. Die Bevölkerung sei nicht auf eine solche Katastrophe vorbereitet gewesen, und "wir wissen nicht, was wir jetzt tun sollen". Berichten zufolge plünderten durstige Menschen auf der Suche nach Trinkwasser bereits Geschäfte.

In Kolumbien hatten sich in den vergangenen Monaten mehrere tödliche Erdrutsche ereignet, zuletzt im November, als im südwestlichen El Tambo neun Menschen ums Leben kamen. Auch die Nachbarländer Peru und Ecuador wurden jüngst von schweren Unwettern heimgesucht. Verantwortlich ist das Klimaphänomen El Niño.

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