Kolumbien leitet nach verheerendem Erdrutsch Untersuchung ein

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In Mocoa starben mindestens 323 Menschen

Nach dem verheerenden Erdrutsch im kolumbianischen Mocoa mit fast 300 Toten haben die Behörden des südamerikanischen Landes offiziell eine Untersuchung eingeleitet. Der staatliche Kontrolleur Edgardo Maya ordnete am Mittwoch Ermittlungen dazu an, ob die örtlichen Behörden sich an Bauvorschriften gehalten hätten. Dabei gehe es "nicht um Strafen", sagte Maya, sondern "um Prävention".

"Welchen Nutzen hätte es, jetzt Menschen zu bestrafen, nach so vielen Todesfällen", sagte Maya. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 290, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. 220 weitere Menschen werden dem Roten Kreuz zufolge noch immer vermisst. 186 Leichen konnten bislang identifiziert werden, wie das Rechtsmedizinische Institut des Landes mitteilte.

Unterdessen wurden Stimmen laut, die mehr Polizei und Militär forderten, um Plünderern das Handwerk zu legen. Der 33-jährige Luis Hernández aus dem Viertel San Miguel sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Alles, was die Schlammlawinen nicht mitgerissen haben, haben sich die Räuber unter den Nagel gerissen."

Auch mehrere Tage nach der Katastrophe suchten verzweifelte Überlebende unterdessen noch immer nach Angehörigen. "Seit gestern riecht es hier sehr schlecht, hier muss eine Leiche sein", sagte ein Mann, der in den Trümmern nach einem Verwandten suchte.

In der Nacht von Freitag auf Samstag hatten nach sintflutartigen Regenfällen Schlammlawinen weite Teile des Ortes verwüstet. Sie wälzten sich durch die Straßen und rissen ganze Häuser, Brücken, Autos und Bäume fort.

Insgesamt sind dem Roten Kreuz zufolge rund 45.000 Menschen von der Naturkatastrophe und ihren Folgen betroffen. Im Großraum Mocoa im Departamento Putumayo leben etwa 70.000 Menschen. Am schwersten betroffen sind die Armenviertel. Die dortigen Bewohner sind zum großen Teil Vertriebene des jahrzehntelangen Gewaltkonflikts zwischen Regierung, Guerilla und rechtsextremen Paramilitärs.

Der Nordwesten der südamerikanischen Pazifikküste wurde zuletzt wiederholt von schweren Überflutungen und Erdrutschen getroffen. Nach Angaben von Umweltexperten sind die Probleme menschengemacht: Neben dem Klimawandel trage die Abholzung der Wälder sowie eine ungenügende Stadtplanung dazu bei, dass bei jeder Überflutung eine Katastrophe drohe. Laut einer Studie der Staatlichen Universität von Kolumbien könnten sich derartige Katastrophen wie in Mocoa in hunderten weiteren Orten des Landes wiederholen.

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