Suche nach Verschütteten nach Hauseinsturz in Florida wird immer verzweifelter

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Sucharbeiten in Miami

Nach dem teilweisen Einsturz eines Wohnhochhauses in Florida vergangene Woche suchen die Einsatzkräfte in den Trümmern weiter nach Überlebenden. Seit Tagen konnten sie jedoch keinen Verschütteten mehr lebend bergen. Unterstützung bekamen die Bergungskräfte von einem israelischen Spezialisten-Team. Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf neun, dutzende weitere wurden noch vermisst.

Wie die Verwaltungschefin des Bezirks Miami Dade, Daniella Levine Cava, am Sonntag mitteilte, wurden vier weitere Leichen in den Trümmern gefunden. Zudem seien weitere menschliche Überreste entdeckt worden. Damit liege die Zahl der Todesopfer nun bei neun. Vier von ihnen seien inzwischen identifiziert und die Angehörigen benachrichtigt worden.

Levine Cava machte keine neuen Angaben zur Zahl der Vermissten. Am Samstagabend hatten die Behörden von über 150 Menschen gesprochen, deren Verbleib nach dem Unglück noch unklar sei.

Das zwölfstöckige Wohngebäude Champlain Tower in der Stadt Surfside nördlich von Miami Beach war in der Nacht zu Donnerstag eingestürzt. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie die Gebäudeteile binnen weniger Sekunden zusammenstürzten. Einige Bewohner konnten sich noch über die Treppen in Sicherheit bringen oder wurden von Balkonen gerettet. Es wird befürchtet, dass viele aber im Schlaf überrascht wurden. Die Behörden befürchten daher, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigen wird.

Die Suche in dem eingestürzten Gebäude kommt nur mühsam voran. Unterstützt von zwei großen Kränen und Spürhunde arbeiten die Teams in Schutzkleidung seit dem Einsturz trotz sengender Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit nonstop. Doch alle halbe Stunde müssen sie wechseln. Zeitweise hatte auch ein Feuer die Sucharbeiten erschwert, die Flammen konnten aber am Samstagabend unter Kontrolle gebracht werden.

Unterstützt werden die Rettungskräfte von Experten aus Mexiko und seit Sonntag auch aus Israel. Unter den Betroffenen des Unglücks sind auch viele Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde von Surfside - Israel hatte daher rasch Hilfe versprochen. Nach Angaben des für die Diaspora zuständigen israelischen Ministers Nachman Schai wurde eines der erfahrensten Rettungsteams nach Florida geschickt, das ähnliche Einsätze bereits in der ganzen Welt absolviert habe.

Bei den vier identifizierten Opfern handelt es sich um ein 79 und 83 Jahre altes Ehepaar, die 54-jährige Mutter eines 15-jährigen Jungen, der am Donnerstag aus den Trümmern gerettet worden war, und einen ebenfalls 54 Jahre alten Mann. Mindestens 18 der Vermissten kommen aus Lateinamerika, darunter aus Paraguay, Argentinien und Uruguay. Kanada sprach von mindestens vier "betroffenen" Kanadiern, ohne dies näher zu erklären.

An einer behelfsmäßigen Gedenkstätte in einer nahegelegenen Straße legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Angehörige hängten Bilder der Vermissten an einem Maschendrahtzaun auf.

Medienberichten zufolge war das Gebäude in der Nähe des Strands von Surfside 1981 gebaut worden. Laut den Behörden ist unklar, warum das Gebäude teilweise einstürzte. Ein von der Stadt Surfside veröffentlichtes Gutachten aus dem Jahr 2018 stellte aber schon damals "große strukturelle Schäden" sowie Risse und Abbröckelungen im Keller des Gebäudes fest. Demnach forderte der Experte Frank Morabito, die Schäden zeitnah zu beheben.

Der größte Teil der Schäden wurde "wahrscheinlich durch die jahrelange Einwirkung der korrosiven Salzluft an der Küste Südfloridas verursacht", hieß es damals in dem Bericht. Ohne Nachbesserungen "wird sich das Ausmaß des Betonverfalls exponentiell ausweiten".

US-Medien zufolge hat ein Bewohner bereits eine Sammelklage gegen die Eigentümer des Gebäudes eingereicht, um Entschädigung für die Opfer zu erhalten.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis sagte am Samstag, die Evakuierung eines nahe gelegen ähnlichen Gebäudes werde geprüft. Es gebe aber keine Hinweise auf unmittelbare Gefahr.

ans/mid

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