ZDF-Reporter Nils Kaben kritisiert Toni Kroos: "Ich erwarte umgekehrt auch Respekt"

Toni Kroos von Real Madrid sorgte nach dem Champions-League-Finale für einen Interview-Eklat im ZDF. (Bild: 2022 Getty Images/Angel Martinez)
Toni Kroos von Real Madrid sorgte nach dem Champions-League-Finale für einen Interview-Eklat im ZDF. (Bild: 2022 Getty Images/Angel Martinez)

"Ach du liebe Güte, was ist denn jetzt los?" Nils Kaben hat in einem Interview ausführlich Stellung bezogen zum Inteview-Eklat mit Toni Kroos nach dem Champions-League-Finale. Der ZDF-Reporter kritisierte mangelnden Respekt des Fußballstars - und eine falsche Erwartungshaltung an Journalismus.

Für Teile des deutschen Fernsehpublikums schien dieser Moment fast aufregender gewesen zu sein als die 90 Minuten Champions-League-Finale zuvor: Im Anschluss an den 1:0-Sieg von Real Madrid gegen den FC Liverpool lieferte sich der frisch gebackene Endspielsieger Toni Kroos mit ZDF-Reporter Nils Kaben einen Schlagabtausch, der das Zeug zur Legendenbildung hat.

Nun hat sich Nils Kaben, der Urheber der vermeintlichen "Scheißfragen" vom Pariser Stade de France, erstmals ausführlich über die für ihn ebenso überraschende wie unangenehme Szene geäußert. "Mein erster Gedanke war: Ach du liebe Güte, was ist denn jetzt los?", erklärte er sich im Gespräch mit dem "Spiegel". Er habe sofort reflektiert: "Habe ich eine blöde Bemerkung gemacht, die rechtfertigt, dass jemand so heftig reagiert?"

Nils Kaben gehört zu den erfahrensten Sportreportern des ZDF. (Bild: ZDF / Götz Brandt )
Nils Kaben gehört zu den erfahrensten Sportreportern des ZDF. (Bild: ZDF / Götz Brandt )

"Reaktion, die ich von einem Sieger einfach nicht erwartet hätte"

Er selbst hat sich inzwischen eine Antwort auf die Frage gegeben: Die Reaktion des Mittelfeldspielers sei überzogen gewesen. Das hätten ihm auch die ZDF-Kollegen vor Ort bestätigt: "Wir sind ganz deutlich zu dem Schluss gekommen, dass man sich als Spieler so nicht benehmen sollte. Da hätte ich mich als Journalist schon schwer danebenbenehmen müssen, damit der Interviewgast einfach geht." Kaben: "Eine sachliche Frage zum Spielverlauf so ins Persönliche zu kippen, geht nicht." Dabei sei er eigentlich mit einem "guten Gefühl" in das Interview gegangen. "Aber dann kam seine Reaktion, die ich von einem Sieger einfach nicht erwartet hätte."

Gestört hatte sich Toni Kroos vor allem an Nils Kabens Frage: "War es überraschend für Sie, dass Real ganz schön in Bedrängnis geraten ist?" Unvermittelt fuhr der frühere deutsche Nationalspiele und nunmehr fünffache Champions-League-Gewinner aus der Haut: "Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen, ehrlich. Und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen!" Im Vorbeigehen, schon abseits der TV-Kamera, war für das ZDF-Fußballpublikum noch der Einlass zu vernehmen, man merke an negativen Fragen, dass der Interviewer aus Deutschland komme.

Die Fans repräsentieren "ist nicht unsere Aufgabe"

"Die Frage kann ich besser formulieren. Ganz klar", räumte Kaben nun im "Spiegel"-Gespräch ein. Er selbst habe seine Formulierung jedoch "gar nicht als Kritik empfunden, oder als negativ konnotiert". Er habe vielmehr auf die mentale Stärke der Spieler von Real Madrid anspielen wollen. "Die Spieler können sicher sein, dass ich respektvoll mit ihren Leistungen umgehe, auch, wenn sie mal verlieren", bekräftigte der 54-jährige erfahrene Journalist. Er habe Kroos eingangs zum Sieg gratuliert, "wie es sich gehört. Aber ich erwarte umgekehrt auch Respekt."

Dass ihm der Interview-Eklat noch lange nachhängen werde, hofft Nils Kaben nicht. Allerdings stellte er fest, dass durch die Social-Media-Präsenz vieler Fußballstars deren Blick auf die Aufgaben von Journalismus getrübt sein könnte: "Wenn dann jemand Drittes dazukommt wie die Presse, dann scheint mir die Erwartung gewachsen zu sein, dass wir Medien ihre Fans repräsentieren sollen. Aber das ist nicht unsere Aufgabe." Bestenfalls sei der Vorfall mit Toni Kroos "ein Missverständnis unter viel Adrenalin gewesen".

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