Zehntausende Afghanen verlassen wegen Corona-Krise den Iran

Freiwillige verteilen in Herat Atemschutzmasken

Fast 70.000 Afghanen sind in den vergangenen drei Wochen wegen der Corona-Pandemie aus dem Iran zurückgekehrt. Um mit der wachsenden Zahl an Rückkehrern umgehen zu können und eine Gesundheitskatastrophe zu verhindern, seien mehr Personal und bessere Testmöglichkeiten notwendig, warnte ein Vertreter der Behörden der an den Iran angrenzenden Provinz Herat am Montag.

In der ersten Märzwoche verdoppelte sich offiziellen Angaben zufolge die Zahl der Rückkehrer an zwei Grenzübergängen im Vergleich zur Vorwoche. 90 Prozent kehrten demnach freiwillig nach Afghanistan zurück, zehn Prozent wurden ausgewiesen.

Viele Afghanen leben arbeitsbedingt dauerhaft im Nachbarland Iran. Da die Epidemie die Wirtschaft des durch US-Sanktionen ohnehin geschwächten Iran weiter lähmt, kehren viele nun in ihre Heimat zurück. Dies weckt Ängste vor einer deutlichen Ausbreitung des Virus in Afghanistan.

Der Iran ist eines der weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. 853 Menschen starben dort bislang nach offiziellen Angaben an der Lungenkrankheit Covid-19, knapp 15.000 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert. In Afghanistan wurden bisher 21 Infektionen registriert, die meisten davon in der Provinz Herat. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch höher liegen. In dem vom jahrelangen Konflikt gezeichneten Land gibt es nur unzureichende Testmöglichkeiten und ein schwaches Gesundheitssystem.

Die Behörden haben zudem Probleme, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Am Montag flohen dutzende Menschen von der Isolierstation eines Krankenhauses in Herat. Sie entkamen "mit Hilfe ihrer Verwandten, nachdem sie die Ärzte zusammengeschlagen und Fenster zerbrochen hatten", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die Polizei sei "keine Hilfe" gewesen, fügte er hinzu.

Nach Angaben des Krankenhausleiters Ebrahim Mohammadi flohen insgesamt 37 Menschen. Zwei seien zuvor positiv auf das Virus getestet worden. Für die restlichen Patienten stand das Testergebnis demnach noch aus. "Sie wurden ungeduldig, weil ihre Testergebnisse nach mehr als fünf Tagen immer noch nicht eingetroffen waren", sagte Mohammadi AFP.

Der Gouverneur der Provinz Herat, Abdul Kajum Rahimi, hatte am Samstag ein rasches Handeln der Regierung gefordert: "Wenn wir jetzt keine Maßnahmen ergreifen und zusammenarbeiten, werden wir eine noch schlimmere Situation erleben als der Iran." Gesundheitsminister Ferosuddin Feros kündigte am Montag an, dass die Regierung in Herat eine zusätzliche Gesundheitseinrichtung mit 300 Betten errichten werde. Damit stünden in Herat insgesamt 1000 Betten zur Verfügung.