Zehntausende Brasilianer protestieren gegen Sparmaßnahmen ihrer Regierung

Proteste gegen brasilianische Regierung in São Paulo

Zehntausende Menschen sind in Brasilien erneut gegen Sparmaßnahmen ihrer Regierung auf die Straße gegangen. Die Proteste am Freitag (Ortszeit) in mehreren Städten richteten sich unter anderem gegen die geplante Rentenreform. Demonstrationen fanden in São Paulo, Brasília, Rio de Janeiro, Belo Horizonte und weiteren Großstädten statt. Bereits Mitte März hatte es im ganzen Land Proteste vor allem gegen die Rentenreform gegeben.

Die Wut der Demonstranten richte sich auch gegen das Arbeitsrecht und "alle Angriffe" der Regierung von Präsident Michel Temer und seiner Verbündeten "auf die Arbeiter", sagte Marcella Azevedo von der Bewegung Frauen im Kampf der Nachrichtenagentur AFP in São Paulo. Für die Gewerkschaften sind die neuerlichen Proteste ein Warmlaufen vor dem für Ende April geplanten Generalstreik.

Laut einer Umfrage von Freitag haben nur noch zehn Prozent der Befragten eine positive Meinung von der konservativen Regierung, 55 Prozent halten ihr Tun für "schlecht oder kläglich".

Temer plant unter anderem, das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre hochzusetzen. Derzeit können viele Brasilianer bereits mit 54 Jahren in Rente gehen.

Temers vorrangiges Ziel ist nach eigenen Angaben eine starke Wirtschaft. Es störe ihn nicht, dass seine ohnehin niedrige Popularitätsrate durch die Einsparmaßnahmen weiter sinke, sagte er unlängst. Temers Regierung steht auch durch den Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras unter Druck, mehrere Regierungsmitglieder mussten deshalb bereits zurücktreten.

Der Mitte-Rechts-Politiker hatte im Mai 2016 die Nachfolge von Präsidentin Dilma Rousseff angetreten, nachdem die Staatschefin wegen geschönter Haushaltszahlen zunächst für 180 Tage vom Amt suspendiert wurde. Im August wurde Rousseff endgültig abgesetzt.

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