Hamas-Exilchef im Konflikt mit Israel kompromisslos

Maschaal spricht Israel das Existenzrecht ab

Bei den Feiern der radikalislamischen Hamas anlässlich ihrer Gründung vor 25 Jahren hat sich Exilchef Chaled Maschaal kompromisslos im Konflikt mit Israel gezeigt. In einer Rede im Gazastreifen sprach er Israel das Existenzrecht ab und erteilte Zugeständnissen bei Verhandlungen über das Gebiet eines Palästinenserstaates eine Absage. Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) rief Maschaal zur Einheit auf.

"Palästina ist vom Mittelmeer bis zum Jordan und vom Norden bis zum Süden unser Land und unsere Nation", sagte Maschaal in Gaza-Stadt vor rund 100.000 Anhängern. "Wir können keinen Zollbreit und keinen Teil davon abgeben", fuhr er fort. "Wir können außerdem weder die Legitimität der Besetzung Palästinas noch Israel selbst anerkennen." Der 56-Jährige war am Freitag im Gazastreifen eingetroffen und hatte damit nach eigenen Angaben erstmals seit 37 Jahren wieder palästinensischen Boden betreten.

"Die Befreiung Palästinas, ganz Palästinas, ist ein Recht, eine Pflicht und ein Ziel", sagte Maschaal an der Seite seines Stellvertreters Mussa Abu Marsuk sowie von Hamas-Regierungschef Ismail Hanija. Die PLO, deren "Einheit" er forderte, bezeichnete Maschaal als "Bezugspunkt" für alle Palästinenser.

Die von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geleitete Dachorganisation verschiedener politischer und militärischer palästinensischer Gruppen strebt die Errichtung eines unabhängigen Palästinenserstaates an. Die stärkste Fraktion in der PLO ist die Fatah von Abbas, die das Westjordanland regiert. Die Fatah allerdings steht mit der radikalen Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, im Konflikt.

Die "Teilung" der Palästinenser "gehört der Vergangenheit an", sagte Maschaal dazu. "Heute ist ein Tag des Sieges und des Stolzes." Schon im Dezember 2011 hatte Maschaal in Kairo erklärt, die außerhalb der PLO stehenden Bewegungen, neben der Hamas auch der Islamische Dschihad, seien "auf dem Weg des Beitritts zur PLO".

Die Hamas war 1987 im Zuge des ersten bewaffneten Aufstands der Palästinenser, der Ersten Intifada, gegründet worden. Ihre Anhänger kamen am Samstag mit grünen Fahnen, Mützen und anderen Emblemen der Hamas auf dem Katiba-Platz zusammen.

Hinter der Tribüne waren Porträts des von Israel 2004 getöteten Hamas-Chefs Scheich Ahmed Jassin sowie des ebenfalls von Israels Streitkräften getöteten Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschaabari zu sehen. Al-Dschabaari war zum Auftakt des jüngsten bewaffneten Konflikts im Nahen Osten am 14. November in seinem Auto in Gaza-Stadt von einer Rakete getroffen worden.

Die Feierlichkeiten zum 25. Gründungsjubiläum der Hamas waren vorgezogen worden, um zugleich der palästinensischen Unruhen am 8. Dezember 1987 zu gedenken, die den Beginn der Ersten Intifada markierten. Die Veranstaltung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Hunderte Polizisten und dutzende Mitglieder der Essedin-al-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas, säumten den Platz. Verkaufsstände mit Getränken und Speisen versorgten die Menschen, viele hatten ihre Gebetsteppiche mitgebracht.

Der 56-jährige Maschaal gehört zu den Gründungsmitgliedern der islamistischen Bewegung, die seit 2007 den Gazastreifen regiert. Seit 1996 steht Maschaal dem Politbüro der Hamas vor. Zuletzt trug er in Kairo entscheidend dazu bei, dass der achttägige Konflikt mit Israel am 21. November mit einem Waffenstillstand endete.

Quizaction