Zeitgleich zum George-Floyd-Urteil: Schwarze Teenagerin von Polizei erschossen

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.
Nach dem Tod der Teenagerin Ma'Khia Bryant versammelten sich Demonstranten in ihrer Heimatstadt Columbus. (Bild: Stephen Zenner/Getty Images)
Nach dem Tod der Teenagerin Ma'Khia Bryant versammelten sich Demonstranten in ihrer Heimatstadt Columbus. (Bild: Stephen Zenner/Getty Images)

Im Prozess um George Floyds Tod ist der Angeklagte schuldig gesprochen worden. Doch fast zeitgleich ist erneut eine Teenagerin durch einen US-Polizisten ums Leben gekommen.

Während die ganze USA angespannt in Richtung des Gerichtssaals in Minneapolis schaute, ist es schon wieder geschehen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem viele Menschen auf ein Stück Gerechtigkeit hofften, ist eine schwarze Teenagerin in Columbus im US-Bundesstaat Ohio von Polizisten erschossen worden. Und was am gestrigen Dienstag ein Moment der Erleichterung hätte werden sollen, wurde zu einer weiteren Nacht voller Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Die Polizei war in der Nachbarschaft der 860.000-Einwohner Stadt Columbus zu einem Streit gerufen worden, weil dort zwei junge Frauen in ein Handgemenge involviert waren. Einer der Beamten, die bisher nicht offiziell identifiziert wurden, zog seine Waffe und feuerte mehrere Schüsse. Eine der Teenagerinnen, bei der es sich um die erst 16-jährige Ma’Khia Bryant handelte, starb kurz darauf.

"Sie war ein gutes Kind"

Auf den Aufnahmen der Body-Cam eines Polizisten ist das Tatgeschehen nach zu verfolgen. Die Polizei von Columbus machte das grausame Videomaterial bei einer Pressekonferenz öffentlich. Auf den Aufnahmen sind die tödlichen Sdchüsse zu sehen und dass die 16-Jährige ein kleines Messer bei sich trug, das zu Boden fiel. Im Hintergrund ist ein Zeuge zu hören, der ruft: "Sie ist ein verdammtes Kind." Journalisten, die am Tatort eintrafen, fingen die Stimmung in der Nachbarschaft ein. In diesem auf Twitter geteilten Video der Reporterin Alexis Moberger ist die Tante der getöteten Teenagerin zu sehen, die aufgebracht mit den Medien spricht. "Sie war ein gutes Kind, sie war liebenswert.(...) Sie hatte es nicht verdient, wie ein Hund auf der Straße zu sterben", sagte sie den Journalisten.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

Nach der Polizei-Pressekonferenz stellte sich der Bürgermeister der Stadt hinter die Polizei. Nach Ansicht der Videoaufnahmen sei "klar, dass der Beamte aktiv wurde, um ein anderes junges Leben zu schützen," sagte Andrew Ginther. Durch das Zeigen der Body-Cam-Aufnahmen habe man für Transparenz sorgen wollen, so Ginther weiter. "Es ist ein tragischer Tag für die Stadt Columbus", fuhr der Bürgermeister fort, der die Situation als "furchtbar und herzzerreißend" bezeichnete. Eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls sei bereits eingeleitet worden.

Proteste in Columbus, Urteil in Minneapolis

Laut den Angehörigen hatte Ma’Khia selbst die Polizei gerufen, weil Mädchen vor ihrem Haus Streit gehabt hätten, berichtete die Nachrichtenseite Huffpost. Die Teenagerin starb um halb sechs Ortszeit im Krankenhaus, etwa zur gleichen Zeit wurde in Minneapolis das Urteil gegen den Polizisten Derek Chauvin gesprochen. Chauvin wurde von der Jury in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, der schwerste Vorwurf lautete Mord zweiten Grades an George Floyd im vergangenen Mai. Für diese Tat, die in etwa dem deutschen Totschlag entspricht, erwartet den Polizisten nun eine lange Haftstrafe von bis zu 25 Jahren.

Doch nach dem Tod von Ma'Khia Bryant war die Freude über das Urteil getrübt. In Columbus versammelten sich noch am Abend zahlreiche Menschen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Sie forderten Gerechtigkeit für Ma'Khia und riefen einen inzwischen weltweit bekannt gewordenen Ruf der "Black Lives Matter"-Bewegung: "Say her name" - "Sagt ihren Namen".

Video: Erleichterung in den USA nach Schuldspruch im Fall George Floyd