Zeitung: Fachkräftemangel in der Altenpflege überschätzt

Berlin (dapd). In Deutschland fehlen einem Medienbericht zufolge weniger Altenpfleger als bislang angenommen. Die jüngste Prognose des Statistischen Bundesamtes, die aktuell 34.000 fehlende Alten- und Krankenpfleger bundesweit angibt, basiert laut Recherchen der Zeitung "Die Welt" (Samstagausgabe) auf unzutreffenden Annahmen. Wie eine Wissenschaftlerin des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden bestätigte, gehe die Berechnung davon aus, dass alle Pflegebedürftigen komplett von examinierten Alten- und Krankenpflegern versorgt würden. Tatsächlich müssen jedoch laut gesetzlicher Vorgaben in den meisten Bundesländern lediglich 50 Prozent aller Pfleger in Altenpflegeheimen die dreijährige Ausbildung absolviert haben, der Rest können angelernte Hilfskräfte sein.

Unabhängige Wirtschaftswissenschaftler gehen demnach davon aus, dass der tatsächliche Fachkräftemangel in der Altenpflege derzeit weit geringer ist. "Deutschlandweit beobachten wir bisher noch keinen Fachkräftemangel", sagte Dennis Ostwald, Geschäftsführer des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR in Darmstadt, der Zeitung. Eine Lücke sei derzeit zwar in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern zu beobachten. In anderen Bundesländern dagegen bestehe derzeit eher ein Über- als ein Unterangebot mit Pflegefachkräften. "In Baden-Württemberg etwa kommen auf rund 41.000 Pfleger rund 1.800 als offen gemeldete Stellen. Angesichts dieses kleinen Anteils schon von einem Mangel zu sprechen, wäre sicher nicht angebracht", sagte Ostwald.

dapd

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