Zentralafrikanische Republik liefert Ex-Milizenchef Yekatom an Den Haag aus

Der 43-Jährige bei seiner Festnahme Ende Oktober

Die Zentralafrikanische Republik hat den Abgeordneten und Ex-Milizenchef Alfred Yekatom an Den Haag ausgeliefert. Der 43-Jährige traf in der Nacht zum Sonntag im Haftzentrum des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in der niederländischen Hauptstadt ein, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Yekatom soll vor dem IStGH wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zwischen Dezember 2013 und August 2014 der Prozess gemacht werden.

Damals soll Yekatom, der auch unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt ist, eine Gruppe von rund 3000 Kämpfern angeführt haben. Dem früheren Milizenführer werden Mord, Folter, Vertreibung, die Rekrutierung von Kindersoldaten sowie Angriffe auf die Zivilbevölkerung und Attacken auf religiöse Stätten zur Last gelegt.

IStGH-Chefanklägerin Fatou Bensouda begrüßte die Auslieferung, die erste seit Beginn der Ermittlungen im September 2014. Sie sprach von einem wichtigen Schritt und kündigte an, die Suche nach "Wahrheit und Gerechtigkeit" in Zentralafrika voranzutreiben.

Die Überstellung Yekatoms nach Den Haag sei eine "starke Botschaft an die Anführer bewaffneter Gruppen", sagte Pierre Brunisso von der Internationalen Vereinigung der Menschenrechtsligen (FIDH). Er wertete das Schicksal des Ex-Milizenchefs als Warnung an "diejenigen, die darauf spekulieren, am Verhandlungstisch eine Amnestie zu erreichen".

Der ehemalige Armeeoffizier Yekatom war 2016 ins Parlament gewählt worden. Ende Oktober wurde er festgenommen, weil er bei der Wahl des Parlamentspräsidenten Schüsse abgefeuert hatte. Die USA hatten 2015 Sanktionen gegen Yekatom verhängt, weil ihm als Anführer der Anti-Balaka-Miliz gewalttätiges Vorgehen gegen muslimische Bevölkerungsgruppen, die Tötung von Zivilisten und die Rekrutierung von mehr als 150 Kindersoldaten zur Last gelegt wurden.

Die Anti-Balaka-Kämpfer sind mit den mehrheitlich muslimischen Séléka-Rebellen verfeindet. Nach einem Putsch der Séléka-Rebellen gegen Staatschef François Bozizé im März 2013 war Zentralafrika in eine Spirale der Gewalt gestürzt. Bei Kämpfen zwischen christlichen und muslimischen Milizen wurden tausende Menschen getötet und hunderttausende in die Flucht getrieben.

Die Zentralafrikanische Republik ist reich an Rohstoffen wie Diamanten und Uran. Die Bevölkerung lebt dennoch in extremer Armut und leidet unter der äußerst prekären Sicherheitslage. Trotz der Präsenz von fast 13.000 Blauhelmsoldaten im Rahmen der UN-Mission Minusca wird das Land weiterhin von Gewalt erschüttert.

Am Freitagabend wurde ein UN-Soldat aus Tansania bei einem Angriff auf einen Minusca-Stützpunkt im Westen Zentralafrikas getötet. In der Stadt Alindao im Zentrum des Landes lieferten sich christliche und muslimische Milizen am Donnerstag blutige Kämpfe. Ein Priester wurde bei lebendigem Leib verbrannt, insgesamt geht die UNO von fast 40 Toten aus.