Zerocalcare: "Wenn du dich mit meinen Schwächen identifizieren kannst, gehört dir die Geschichte"

Zerocalcare: "Wenn du dich mit meinen Schwächen identifizieren kannst, gehört dir die Geschichte"

Der italienisch-französische Comiczeichner Zerocalcare macht Station in Lyon. Anlass sind die Ausstellung „Von Rebibbia nach Kobane“ mit seinen Zeichnungen und das dort ansässige Comicfestival "Lyon BD", das noch bis zum 12. Juni geht.

Zerocalcare ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Comiczeichner, Cartoonautoren und Blogger Italiens. 2011 schaffte er den Durchbruch mit seinen autobriografischen Alltagsgeschichten. Seine Arbeiten sind ironisch, sarkastisch und politisch. Doch bestimmte Themen lässt er lieber außen vor.

"Ich bin noch nie in der Ukraine gewesen. Ich kenne die Realität dort nicht. Alles, was ich weiß, habe ich aus der Zeitung, wie alle anderen auch. Der Grund, warum ich nichts über die Ukraine gemacht habe, ist, dass ich zuerst mit den Menschen dort sprechen will, statt nachzuplappern, was ich lese, und damit weitere Gerüchte säe", sagt er.

Es geht in den Geschichten um meine Unsicherheiten, meine Schwächen und meine Paranoia.

Seine Alltagsgeschichten spielen im römischen Viertel Rebibbia, sind gespickt mit den Kultfiguren der 80er Jahre und geschrieben in einem sehr lokalen italienischen Dialekt, der in vielen Teilen des Landes für Stirnrunzeln sorgt - der aber der Beliebtheit Zerocalcares im In- und Ausland keinen Abbruch tut.

"Es geht in den Geschichten um meine Unsicherheiten, meine Schwächen und meine Paranoia. Sie lassen sich nicht wirklich geographisch orten. Sobald sich Menschen mit diesen Unsicherheiten identifizieren können, gehört ihnen die Geschichte. Doch wenn sie umgekehrt nichts dergleichen spüren, obwohl sie in Rom und dort in Rebibbia leben und Jahrgang 1983 sind so wie ich, dann können sie halt nichts mit meinen Geschichten anfangen."

Bekannt wurde Zerocalcare auch dank seiner ersten Netflixserie "An der perforierten Linie abreißen". Gerade ist seine zweite in der Mache. "Die wird ganz anders werden", verspricht er. "Es wird keine Fortsetzung; eine schlechte Kopie von "An der perforierten Linie abreißen" wäre wohl das schlimmste, was ich machen könnte."

Die Ausstellung "Von Rebibbia bis Kobane" ist noch bis Ende August im italienischen Kulturinstitut in Lyon zu sehen.

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