UNO verurteilt tödlichen Angriff auf Stützpunkt von US-Soldaten im Nordirak

·Lesedauer: 3 Min.

Nach dem Raketenangriff auf einen von US-Truppen genutzten Luftwaffenstützpunkt im Nordirak hat die UNO vor einer neuen Spirale der Gewalt in dem Land gewarnt. "Solche abscheulichen und rücksichtslosen Taten sind eine ernste Bedrohung für die Stabilität", erklärte am Dienstag die UN-Sondergesandte im Irak, Jeanine Hennis-Plasschaert. Bei dem Angriff am Montagabend war ein ziviler Militärmitarbeiter getötet worden. Mehrere Iraker und ein US-Soldat wurden verletzt.

Es war das erste Mal seit fast zwei Monaten, dass Soldaten oder diplomatische Einrichtungen der Vereinigten Staaten im Irak beschossen wurden. Insgesamt wurden mehr als ein dutzend Raketen aus westlicher Richtung auf die Stadt Erbil angefeuert.

Drei Raketen schlugen auf dem Flughafen der Stadt ein, auf dem Soldaten der Koalition für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) stationiert sind. Die anderen Geschosse gingen auf Wohngebiete im Nordwesten von Erbil nieder. Fünf Zivilisten wurden dort nach Behördenangaben verletzt.

Auf dem militärischen Teil des Flughafens wurde ein Zivilist in den Diensten der US-Armee getötet, wie ein Sprecher der Militärkoalition sagte. Bei dem Toten handele es sich nicht um einen US-Bürger. Neun weitere Zivilisten, unter ihnen ein US-Soldat, wurden demnach verletzt. Der Flughafen wurde nach dem Angriff abgeriegelt, am Dienstagvormittag nahm er dann wieder seinen Betrieb auf.

Die bislang kaum bekannte Gruppe "Aulijaa al-Dam" (Blutwächter) reklamierte die Angriffe im Internet für sich. Im vergangenen Jahr entstanden gut ein Dutzend Gruppen dieser Art, Sicherheitsbeamte der USA und des Irak vermuten dahinter jedoch bekanntere pro-iranische Gruppierungen wie Kataib Hisbollah und Asaib Ahl al-Hak. Beide Gruppen lehnen die US-geführte Koalition vehement ab, die den Irak seit 2014 im Kampf gegen die IS-Miliz unterstützt.

US-Außenminister Antony Blinken verurteilte den Raketenangriff in Erbil. Er verlangte Ermittlungen und versprach, dass die für die Attacken Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Er habe dem Ministerpräsidenten der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Masrur Barsani, die volle Unterstützung der USA bei den Untersuchungen zugesichert, erklärte Blinken.

Die UN-Sondergesandte Hennis-Plasschaert mahnte alle Seiten zur "Zurückhaltung" und rief die Zentralregierung und die Behörden im Nordirak zur Kooperation bei den Ermittlungen auf.

Der irakische Präsident Barham Saleh bezeichnete den Angriff im Online-Dienst Twitter als "kriminellen Terrorakt", der eine "gefährliche Eskalation" für die Sicherheit in der Region bedeute. Barsani verurteilte die Attacke "auf das Entschiedenste".

Ähnlich äußerte sich die Bundesregierung. "Wir verurteilen die Raketenangriffe auf den Luftwaffenstützpunkt und die Stadt Erbil auf das Schärfste", erklärte das Auswärtige Amt. Deutschland stehe an der Seite des Irak "im Kampf gegen Terror und für nachhaltige Stabilisierung".

Seit Herbst 2019 waren im Irak dutzende Raketen- und Bombenangriffe auf Botschaften, Truppen und Einrichtungen westliche Länder verübt worden. Die USA haben wiederholt pro-iranische Milizen wie die schiitischen Hisbollah-Brigaden für die Anschläge verantwortlich gemacht.

Anfang Januar 2020 war der iranische Spitzengeneral Kassem Soleimani bei einem US-Drohnenangriff im Irak getötet worden. Wenige Tage später wurden iranische Raketen auf den Flughafen Erbil abgefeuert.

bfi/cp