Zschäpe-Verteidiger hält Mandantin für vermindert schuldfähig

Im NSU-Prozess wollen die Verteidiger von Beate Zschäpe von einem Gutachter eine verminderte Schuldfähigkeit der Hauptangeklagten belegen lassen. Der Freiburger Psychiater Joachim Bauer habe nach mehreren Sitzungen mit Zschäpe eine sogenannte dependente Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, sagte ihr Verteidiger Mathias Grasel am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht München. Grasel beantragte die Ladung Bauers als Zeugen und die Zulassung seines Gutachtens als Beweisstück.

Zschäpe war von dem vom Gericht eingesetzten Gutachter Henning Saß für voll schuldfähig erklärt worden, außerdem sah Saß auch die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung gegeben. Der anerkannte Gerichtspsychiater hatte sein Gutachten auf Grundlage des Prozessverlaufs erstellt, eine direkte Begutachtung hatte Zschäpe abgelehnt.

Im Februar war bekannt geworden, dass die Zschäpe-Verteidigung nach dem für ihre Mandantin negativen Gutachten Bauer beauftragt hatten. Grasel sagte, dieser habe Zschäpe in mehreren Sitzungen insgesamt zwölf Stunden lang befragt und ein 48-seitiges Gutachten erstellt.

Die Anhaltspunkte für die nach Angaben der Verteidigung zu einer verminderten Schuldfähigkeit führende Persönlichkeitsstörung sind demnach Angaben Zschäpes zum Leben mit ihrer Mutter und ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die in ihren Aussagen vor Gericht nicht zur Sprache kamen. Auch "fortgesetzte schwere körperliche Misshandlungen" durch Böhnhardt sollen dem Antrag zufolge eine Rolle spielen.

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