Zum Tod von Michael Collins: Erinnerung an Gänsehaut-Moment im All

Stefica Budimir-Bekan
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Er war ganz alleine in der Kommandokapsel im Funkschatten des Mondes – komplett abgeschnitten von der Menschheit: Michael Collins, der "vergessene dritte Astronaut", der zwar zum Mond flog, ihn aber nie betrat. Anlässlich seines Todes erinnern wir uns an den wohl einsamsten Moment seines Lebens.

UNDATED FILE PHOTO - Apollo 11 astronauts (L-R) Neil Armstrong, Michael Collins and Edward
Neil Armstrong, Michael Collins und Edward "Buzz" Aldrin flogen gemeinsam zum Mond (Bild: Reuters)

Buzz Aldrin und Neil Armstrong – diese Namen kennt jeder, wenn es um die Mondlandung geht. Doch es gab noch einen dritten: Michael Collins, der in der Kommandokapsel Columbia Warteschleifen um den Mond drehte, als der Funkkontakt zur Erde abbrach. Für die darauffolgenden 48 Minuten war er komplett von allem Leben abgeschnitten. Ein unheimliches Gefühl!

Am Mittwoch ist der "vergessene dritte Astronaut" im Alter von 90 Jahren gestorben, wie seine Familie und die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilten. Collins habe an Krebs gelitten und "seine letzten Tage friedlich im Kreis seiner Familie verbracht", hieß es in einer Mitteilung der Familie. "Wir werden ihn schrecklich vermissen. Aber wir wissen auch, wie glücklich er sich gefühlt hat, das Leben zu leben, das er gelebt hat. Wir werden seinem Wunsch nachkommen, dieses Leben zu feiern und nicht zu trauern."

Mit 90: Ex-Astronaut Michael Collins ist tot

Collins, der vermutlich einsamste Mensch der Welt

Mittendrin im Geschehen, aber doch komplett alleine: So muss sich Michael Collins gefühlt haben, als seine beiden Astronautenkollegen Aldrin und Armstrong bei der "Apollo 11"-Mission den Mond betraten und er in der Kommandokapsel zurückblieb. Rund eine halbe Milliarde Zuschauer auf der Erde bejubelten am 20. Juli 1969 die Mondlandung vor ihren Fernsehern und feierten die zwei Astronauten. An Collins erinnerte sich kaum jemand, sogar der damalige Präsident Nixon vergaß bei seiner Live-Schaltung vom Weißen Haus zum Mond, ihn zu erwähnen. 

Apollo 11 astronaut Michael Collins speaks at a panel discussion on the 50th anniversary of the launch in Cocoa Beach, Florida, U.S., July 16, 2019. REUTERS/Joe Skipper
Michael Collins 2019 50 Jahre nach der Mondlandung (Bild: Reuters)

Doch einsam sei er trotzdem nicht gewesen, betonte Collins immer wieder. "Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von Apollo 11 hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen." Und recht hatte er: Er war der Chauffeur. Ohne ihn wäre eine Mondlandung nie möglich gewesen.

In seiner Autobiografie von 1974 "Carrying the Fire – An Astronaut's Journey" erinnert sich Michael Collins an den Gänsehaut-Moment im All, der ihn ein Leben lang begleitete. Er schrieb: "Ich möchte ein Gefühl der Einsamkeit nicht komplett verneinen. Es ist da, verstärkt von der Tatsache, dass der Funkkontakt zur Erde abrupt abgebrochen ist, und zwar in dem Moment, in dem ich hinter dem Mond verschwunden bin. Ich bin jetzt alleine, komplett alleine, und komplett von allem Leben abgeschnitten." 

Furcht oder Einsamkeit habe er aber nicht gefühlt, stattdessen hätten ihn "Bewusstsein, Freude, Befriedigung und Vertrauen, fast schon Jubel" erfüllt. Weiter heißt es: "Ich mag das Gefühl. Außerhalb meines Fensters kann ich die Sterne sehen – und das ist alles. Da, wo der Mond war, ist einfach eine dunkle Leere; die Anwesenheit des Mondes wird allein durch die Abwesenheit der Sterne bestimmt. Um das Gefühl mit etwas auf der Erde zu vergleichen, alleine auf einem Ruderboot mitten im Pazifischen Ozean in einer stockfinsteren Nacht – das kommt meiner Situation am nächsten."