Zur Bewältigung der Krise setzen deutsche Autobauer auf den Export

Stuttgart/Reutlingen (dapd). Die großen Autohersteller schlagen derzeit zwei unterschiedliche Richtungen ein. Während vor allem die deutschen Premiumhersteller im dritten Quartal beim Absatz deutlich zulegen und teilweise Verkaufsrekorde erzielen, kämpfen die auf Europa fokussierten Hersteller wie Opel, PSA Peugeot Citroën oder Fiat mit teils hohen Verlusten und sogar Existenzsorgen. Das wird in einer Studie deutlich, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young am Freitag veröffentlichte.

Der Untersuchung zufolge verzeichneten die 17 größten Autokonzerne der Welt im dritten Quartal des Jahres trotz der Absatzkrise in Europa ein Umsatzplus von insgesamt 13 Prozent. Ihre Gewinne seien in diesem Zeitraum um 21 Prozent gestiegen. Die branchenweit höchste Gewinnmarge erzielte demnach erneut BMW. Mit 11,4 Prozent sei die Ebit-Marge der Münchner, also das Verhältnis des operativen Gewinns zum Umsatz, die höchste aller untersuchten Konzerne.

USA bleiben Wachstumsgarant der Branche

Insgesamt profitieren laut der Studie vor allem die global aufgestellten Hersteller vom Wachstum in den USA. Dort sind den Angaben zufolge von Juli bis einschließlich Oktober 15 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft worden als im Vorjahreszeitraum. In China habe das Plus bei neun Prozent gelegen. Vor diesem Hintergrund bewertet Peter Fuß, Automobilexperte bei Ernst & Young, die Absatzchancen der deutschen Automobilhersteller auch im kommenden Jahr als positiv. "In Europa wird es weiter abwärtsgehen - aber dank der Absatzzuwächse in China und den USA dürften die deutschen Hersteller vorerst ohne größere Blessuren durch die Krise kommen", sagte er.

Daraus spricht ein Optimismus, den auch die großen deutschen Automobilhersteller zu teilen scheinen. So hält der Verband der Automobilindustrie (VDA) trotz der Autoabsatzkrise in Europa an seiner optimistischen Marktprognose fest. Die Dynamik der Wachstumsmärkte in Nordamerika und Asien werde dazu beitragen, "dass weltweit der Pkw-Absatz um vier Prozent auf über 68 Millionen Neuwagen steigen wird", hatte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Donnerstagabend vor Industrievertretern in Reutlingen gesagt. 2013 werde angesichts der Folgen der Staatsschuldenkrise allerdings ein herausforderndes Jahr für die Branche.

Werksschließungen in Europa unvermeidlich

Als größten Trumpf im Kampf um Marktanteile auf dem Weltmarkt sieht Wissmann die Exportausrichtung der deutschen Premiummarken. "Nur noch gut jeder vierte Pkw, den wir exportieren, geht derzeit in die Eurozone", sagte er. Deshalb werde der Abbau von Handelsschranken immer wichtiger: "Überhöhte Zölle und Abgaben sowie technische und administrative Handelshemmnisse müssen weiter konsequent abgebaut werden", forderte der VDA-Präsident.

In Westeuropa hingegen ist der Pkw-Absatz der Studie zufolge um neun Prozent eingebrochen. Ernst&Young-Experte Fuß hält deswegen auch Standortschließungen für unvermeidlich. "Die europäischen Volumenhersteller müssen jetzt dringend alles tun, um die Kapazitäten massiv herunterzufahren - das schließt auch komplette Werksschließungen mit ein", sagte der Experte.

dapd

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