Zuschuss der Stadt: Kölner Tierheime bekommen mehr Geld

Stadt vervierfacht Zuschuss für die Einrichtungen in Zollstock und Dellbrück.

Tierarzt Ralf Unna hat an diesem Morgen eine Katze auf dem OP-Tisch liegen, die gerade frisch eingeliefert wurde. Unna wird das betäubte Tier impfen, kastrieren und mit einem Chip versehen, sein Blut untersuchen und die Zähne putzen – Routineprogramm im Konrad-Adenauer-Tierheim in Zollstock.

Über tausend Tiere werden jährlich allein in Zollstock versorgt, mindestens noch einmal so viele sind es im Tierheim in Dellbrück. Ein Großteil von ihnen sind Fundtiere wie die Katze im OP oder sogenannte Verwahrtiere wie etwa die amerikanische Bulldogge, die vergangene Woche bei einer Drogenrazzia in Zollstock beschlagnahmt wurde und jetzt in der Krankenstation des Heims gesund gepflegt wird.

Tierheime sind auf private Spenden angewiesen

1,1 Millionen Euro kostet das die Tierheime pro Jahr. Geld, das diese bislang zum größten Teil durch private Spenden aufbringen mussten, obwohl sie mit der Betreuung der Fund- und Verwahrtiere kommunale Pflichtaufgaben wahrnehmen. Nun hat die Stadt ihre Kooperation mit den Tierheimen auf eine neue Basis gestellt. Statt wie bisher 200.000 Euro erstattet sie den beiden Heimen künftig 800.000 Euro jährlich.

Die neue Vereinbarung, über die Sozialdezernent Harald Rau am Montag informierte, hat eine Laufzeit von fünf Jahren und gilt rückwirkend zum 1. Januar 2016. Für die verschiedenen Tierarten sieht der Vertrag unterschiedliche Tagessätze vor: Dieser beträgt bei Hunden 21 Euro, bei Katzen zehn Euro und bei Kleintieren vier Euro. Ohne die Kompetenz der Tierheime und die vielen ehrenamtlichen Unterstützer könne die Stadt die Aufgabe nicht meistern, betonte Rau.

Tierheim bleibt im Grüngürtel

Karsten Plücker vom „Bund gegen Missbrauch der Tiere“ hob den Vorbildcharakter der Vereinbarung hervor. Da es bislang nicht gelungen sei, eine bundesweit einheitliche Regelung zur Finanzierung zu finden, seien alle Heime zu Einzelverhandlungen mit den jeweiligen Städten gezwungen. „Wir hoffen, dass Köln hierfür modellhaft stehen kann“, so Plücker.

Für das Zollstocker Tierheim bedeutet der Vertrag zugleich eine Sicherung des bisherigen Standorts im Grüngürtel. Der war aufgrund der Planungen für die neue Parkstadt Süd zeitweise infrage gestellt. Der Träger, der Kölner Tierschutzverein von 1868, hat bereits Pläne entwickelt, wie sich das Tierheim künftig zu dem neuen Stadtquartier hin öffnen wird. Gedacht sei etwa an einen öffentlich zugänglichen Weg durch das Tierheim-Gelände, so Vorstand Frank Schwemer, eventuell in Verbindung mit einer Art Streichelzoo.

Trotz des erheblich höheren Zuschusses aus der Stadtkasse werden die Tierheime auch künftig auf private Sponsoren und Erbschaften angewiesen sein. Denn für die von Privatleuten abgegebenen Tiere – etwa 30 bis 50 Prozent – ist die Stadt nicht zuständig. Zudem ist in den vergangenen Jahren ein erheblicher Sanierungsstau aufgelaufen. Auf bis zu 300000 Euro beziffert Vorstand Frank Schwemer die nötigen Investitionen allein für das kommende Jahr. So müssen Dächer saniert und Gehege umgebaut und vergrößert werden.

Die Quarantänestation kann derzeit als solche gar nicht genutzt werden, weil sie nicht den Bestimmungen entspricht. Auch hier muss nachgerüstet werden.

Der Vertrag zwischen Stadt und Tierheim

Die Tagessätze, die die Stadt künftig an die Tierheime in Zollstock und Dellbrück zahlen wird, beinhalten alle Kosten für Futter, Unterbringung, Pflege, tierärztliche Versorgung, anteilige Personalkosten sowie Gebäudeunterhaltung.

Die Kostenerstattung erfolgt maximal für sechs Monate bei Fundtieren, die innerhalb der Stadtgrenzen aufgegriffen werden. Maximal zwei Jahre zahlt die Stadt für Verwahrtiere, die zur Gefahrenabwehr oder aus Tierschutzgründen sichergestellt wurden.

Für Kampfhunde gilt eine Ausnahme: Hier zahlt die Stadt notfalls – wenn alle Vermittlungsbemühungen erfolglos sind – dauerhaft einen um 50 Prozent reduzierten Tagessatz.

Alle drei Jahre sollen die Tagessätze auf Basis des Verbraucherpreisindexes neu berechnet und angepasst werden. (jac)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta