Zwei Kaffee, bitte!: Die Rechtsmedizinerin, deren Leichen noch leben

Susanne Hengesbach hat Sybille Schedwill auf einen Kaffee getroffen.

Wie reagieren Menschen – was erzählen sie, wenn man sie auf der Straße anspricht und zum Kaffee einlädt? Manchmal überlege ich, wie es mir mit dieser Rubrik wohl in einer anderen Stadt ergehen würde; wo ich mich etwa in Berlin oder Hamburg postieren müsste und wie lange es dauerte, bis jemand anbiss. Das ist ja das Gute in Köln: Eine Stunde auf der Breite Straße, und man kann sich in der Regel sogar einen Promi aus der Menge herauszufischen.

Sybille Schedwill kommt mit dem Fahrrad des Wegs, und ich habe Glück, dass ihr Terminplan nicht gegen eine Tasse Kaffee spricht. „Schwarz ohne alles.“ Fernsehzuschauer können die 53-Jährige seit 1991 kennen, dem Jahr, als „Der Große Bellheim“ ausgestrahlt wurde. Darin hatte die gebürtige Heilbronnerin damals ihr TV-Debüt. Seitdem hat sie in rund 70 Fernseh- und Kinofilmen mitgewirkt und ist aktuell regelmäßig in TV-Serien zu sehen.

Recherche für Rolle einer Rechtsmedizinerin

Im Dortmunder „Tatort“ spielt sie die Rechtsmedizinerin Greta Leitner, hat im Gegensatz zu ihrem Kölner Serienkollegen Joe Bausch, der ja tatsächlich ein Mediziner ist, allerdings bisher wenig Nahberührung mit einer Leichen. „Aber es ist total spannend“, sagt sie über diesen Einsatzbereich, auch wenn sie bisher noch nicht am berühmten Edelstahltisch hospitiert, dafür jedoch „schon einige Dokus zu diesem Thema angeschaut“ habe. Und sie habe mit Rechtsmedizinern telefoniert, um zu erfahren, wie die Dinge an einem Tatort ablaufen. „Wie geht man da vor, was untersucht man als erstes, wie verhält es sich mit Leichenstarre und Totenflecken.“

In ihren Augen ist der Arbeitsalltag eines Rechtsmediziners auch deswegen so interessant, weil der ja nicht nur mit Leichen zu tun habe, sondern auch mit Fällen von Kindesmisshandlung oder häuslicher Gewalt. „Wenn es sich ergibt, werde ich fragen, ob ich mal einen Tag mitgehen kann.“

Wegen Kernsarnierung wird in Köln gedreht

An ihrem nächsten Drehtag werde sie ebenfalls ein für sie noch fremdes Terrain betreten: Das Krankenhaus in Longerich. Da die Klinik in Leverkusen, die bisher als Kulisse für die Serie „Bettys Diagnose“ benutzt worden sei, gerade kernsaniert werde, müssten die restlichen Folgen der nunmehr fünften Staffel in Köln gedreht werden. Schedwill spielt in dieser immer freitags um 19.25 Uhr ausgestrahlten ZDF-Serie die Pflegedienstleiterin Mechthild Puhl. Arztserien sind unglaublich erfolgreich, stelle ich fest. „Ja, ich weiß auch nicht warum“, entgegnet Schedwill. „Wahrscheinlich, weil die so lebensnah sind.“

Keine Abschreckung durch schwierigere Bedingungen oder fehlende finanzielle Absicherung

Mitten im Leben ist Schedwill dann, wenn das Semester wieder beginnt. dann pendelt sie zwischen Köln und Hannover, wo sie als Dozentin für Schauspiel tätig ist. Ob sie das hin und her nicht als anstrengend empfinde, frage ich. „Mich inspiriert das. Schauspieler sind ja ein fahrendes Volk“, fügt sie lächelnd hinzu. „Können Sie Ihren Studenten heute noch guten Gewissens empfehlen, diesen Weg zu gehen“, frage ich mit Blick auf die schwieriger werdenden Bedingungen gerade im Theaterbereich, fehlende finanzielle Absicherung und die Tatsache, dass Leistung immer weniger honoriert wird.

Wer sich wirklich berufen fühle, der werde sich nicht abschrecken lassen, erwidert mein Gegenüber. Schon gar nicht durch Argumente wie: „Mach doch erstmal eine Banklehre, dann hast du etwas sicheres.“

Ihr Vater habe früher auch gepredigt, sie solle erst eine Steuerberater-Ausbildung absolvieren, danach könne sie „immer noch ein bisschen spielen“. Schedwill lacht. „Ich wäre die schlechteste Steuerberaterin aller Zeiten geworden.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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