Zwei Tote und 30 Verletzte durch Polizeischüsse in Myanmar

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Angesichts der anhaltenden Proteste nach dem Militärputsch in Myanmar sind die Sicherheitskräfte am Samstag mit massiver Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen: In der zweitgrößten Stadt Mandalay wurden mindestens zwei Menschen erschossen, etwa 30 weitere Demonstranten wurden verletzt, wie Rettungskräfte der Nachrichtenagentur AFP sagten. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verurteilte die Gewalt und kündigte "angemessene Entscheidungen" an.

Die Sicherheitskräfte schossen mit scharfer Munition auf Demonstranten, die sich zu einer Kundgebung in Mandalay versammelten. Unter den Todesopfern befand sich den Rettungskräften zufolge auch ein Junge, dem in den Kopf geschossen wurde. Mehrere hundert Polizisten waren an dem Einsatz auf einer Werft beteiligt. Mindestens fünf Menschen seien außerdem von Gummigeschossen getroffen worden, sagte ein Fotograf, der sich vor Ort befand.

In dem südostasiatischen Land herrscht Aufruhr, seit die bisherige De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi am 1. Februar bei einem Militärputsch entmachtet wurde. Hunderttausende Menschen beteiligten sich seitdem an Straßenprotesten, mehrere hundert Menschen wurden festgenommen. Die Sicherheitskräfte setzten allerdings bis Samstag kaum scharfe Munition ein.

Hunderte Polizisten und Soldaten waren am Samstag an der Yadanarbon-Werft in Mandalay im Einsatz. Demonstranten schrien die Polizei an, dass sie verschwinden solle. Daraufhin feuerte die Polizei mit scharfer Munition. Sie setzte auch Gummigeschosse und Steinschleudern ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Eine Frau wurde von einem Gummigeschoss am Kopf getroffen. Auf einem Video, das live über Facebook ausgestrahlt wurde, klang es, als werde durchgehend geschossen. Erst am Freitag war eine junge Frau gestorben, die bei den Protesten gegen den Putsch am 9. Februar in Naypyidaw von einer Kugel in den Kopf getroffen wurde.

An den Protesten in Myanmar beteiligten sich in den vergangenen Wochen Hunderttausende. Die Junta verstärkte zuletzt ihren Druck auf die Demokratie-Bewegung. In weniger als drei Wochen gab es mehr als 550 Festnahmen, nur rund 40 der Festgenommenen kamen wieder auf freien Fuß. Große Teile der Bevölkerung sind noch von den Zeiten der früheren Militärherrschaft geprägt, die seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 fast 50 Jahre andauerte. Dennoch reißen derzeit die Aufrufe zum zivilen Ungehorsam nicht ab, an denen sich auch Ärzte, Lehrer und Bergleute beteiligen.

Im Namen der EU forderte ihr Außenbeauftragter Borrell auf Twitter ein sofortiges Ende der "Gewalt gegen friedlich demonstrierende Zivilisten". Bei einem Treffen der EU-Außenminister am Montag sollten die aktuellen Entwicklungen diskutiert und "angemessene Entscheidungen" getroffen werden, kündigte er an.

Allerdings erwarten Menschenrechtsaktivisten keine großen Auswirkungen der möglichen EU-Beschlüsse: "Einige militärische Chefs zu sanktionieren, ist von symbolischer Bedeutung", erklärte die Aktionsgruppe Burma Campaign UK. "Es ist wenig wahrscheinlich, dass sie wichtige Guthaben haben, die in der Europäischen Union eingefroren werden können." Visa-Verbote liefen deshalb lediglich auf ein "Verbot von Urlauben" für die Armeegeneräle hinaus.

ao/jes