Zwei Tote bei mutmaßlichem Anschlag in Wiener Innenstadt

Jastinder KHERA
·Lesedauer: 3 Min.
Polizisten vor der Wiener Staatsoper
Polizisten vor der Wiener Staatsoper

Ein mutmaßlicher Anschlag in der Wiener Innenstadt hat europaweit für Entsetzen gesorgt. Die Angreifer töteten am Montagabend mindestens einen Menschen, mehrere weitere wurden verletzt, unter ihnen ein Polizist. Ein Tatverdächtiger sei erschossen worden, teilte die Wiener Polizei mit. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz sprach von einem "widerwärtigen Terroranschlag". Das Auswärtige Amt nannte die Tat "verstörend". Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilten die Attacke.

Nach Angaben der Polizei waren mehrere Angreifer mit Langwaffen an der Tat beteiligt. Es gebe sechs verschiedene Tatorte. Die ersten Schüsse wurden gegen 20.00 Uhr abgegeben. Viele Wiener verbrachten am Montagabend die letzten Stunden vor Beginn des neuerlichen Corona-Lockdowns noch in den Bars und Restaurants des ersten Bezirks.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig sagte örtlichen Medien, dass 15 Menschen ins Krankenhaus gebracht worden seien. Sieben von ihnen seien schwer verletzt worden. 

Ein AFP-Fotograf berichtete von einem großen Polizeiaufgebot in der Nähe der Staatsoper und unweit der Wiener Hauptsynagoge. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, erklärte im Onlinedienst Twitter, es seien "in unmittelbarer Nähe" der Synagoge Schüsse abgegeben worden. Ob der Stadttempel eines der Angriffsziele gewesen sei, sei aber noch unklar. Die Synagoge war demnach zum Zeitpunkt der Schüsse geschlossen und das Bürogebäude der Gemeinde nicht mehr besetzt.

Österreichs Innenminister Karl Nehammer sprach im Fernsehsender ORF von einem "augenscheinlichen Terroranschlag". Der Polizeieinsatz gegen die Täter dauerte nach seinen Angaben gegen 23.00 Uhr noch an. Nehammer rief die Einwohner der Hauptstadt auf, zu Hause zu bleiben.

"Unsere Polizei wird entschlossen gegen die Täter dieses widerwärtigen Terroranschlags vorgehen", kündigte Kanzler Kurz an. "Wir werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen und diese Angriffe mit allen Mitteln entschieden bekämpfen", fügte er hinzu. "Das ganze Land ist in Gedanken bei den Opfern, Verletzten und ihren Angehörigen, denen ich mein tiefes Mitgefühl ausdrücke."

Die Tat sorgte international für bestürzte Reaktionen. Es kämen "erschreckende, verstörende Meldungen" aus der österreichischen Hauptstadt, erklärte das Auswärtige Amt auf Twitter. "Auch wenn das Ausmaß des Terrors noch nicht absehbar ist: unsere Gedanken sind bei den Verletzten und Opfern in diesen schweren Stunden", hob das Ministerium hervor. Es fügte hinzu: "Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll." 

Das Auswärtige Amt rief deutsche Staatsbürger in Wien auf, an einem sicheren Ort zu bleiben, "bis es eine Entwarnung gibt".

Die EU verurteilte den mutmaßlichen Anschlag in Wien als "feigen" Angriff. Ratspräsident Charles Michel erklärte auf Twitter, die Tat habe sich gegen "das Leben und unsere menschlichen Werte" gerichtet. Die EU stehe an der Seite Österreichs. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich "schockiert und traurig über den brutalen Angriff in Wien". Europa stehe "in voller Solidarität an Österreichs Seite", erklärte auch sie auf Twitter.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hob hervor, dass "ein befreundetes Land" und "Europa" angegriffen worden seien. "Wir werden nicht zurückweichen", twitterte er. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte schrieb auf Deutsch und Italienisch auf Twitter, es dürfe in "unserem gemeinsamen europäischen Haus" keinen Platz für Hass und Gewalt geben.

Die tschechische Polizei kündigte als Reaktion auf die tödlichen Schüsse in Wien "stichprobenartige" Kontrollen an der Grenze zum Nachbarland an. Die Polizei stehe in Kontakt zu ihren österreichischen Kollegen, sagte Innenminister Minister Jan Hamacek. In Bayern gab es hingegen vorerst keine verstärkten Kontrollen an der Grenze zu Österreich, wie die Bundespolizeidirektion Potsdam auf AFP-Anfrage erklärte.

bfi/dja