Copilot informierte sich über Suizid und Cockpittüren

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Gedenken an Opfer des Germanwings-Absturzes in Frankreich

Nach der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen verdichten sich die Hinweise, dass Copilot Andreas L. das Flugzeug in Suizidabsicht gegen eine Felswand steuerte. In den Tagen vor dem Absturz informierte er sich im Internet über Suizid-Möglichkeiten und über Sicherheitsvorkehrungen von Cockpittüren, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mitteilte. Die inzwischen gefundene zweite Blackbox des Flugzeugs ist nach Angaben der französischen Behörden vermutlich auswertbar.

Bisher war nur die erste Blackbox ausgewertet worden - der Stimmrekorder mit Aufzeichnungen aus dem Cockpit. Daraus hatten die Ermittler geschlossen, dass der deutsche Copilot Andreas L. den Airbus A320 offenbar absichtlich in den französischen Alpen abstürzen ließ. Den Kapitän der Maschine hatte der 27-Jährige, der früher wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizid-Gefahr behandelt worden war, demnach aus dem Cockpit ausgesperrt. Alle 150 Menschen an Bord kamen bei der Katastrophe ums Leben.

In der Wohnung von L. fanden die Ermittler dessen Tablet-Computer, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nun mitteilte. Der Browserverlauf sei für die Woche vor dem Absturz am 24. März nicht gelöscht worden. Daher konnten die von dem 27-Jährigen eingegebenen Internet-Suchbegriffe nachvollzogen werden.

Der am Absturztag krankgeschriebene L. recherchierte demnach zum einen nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Zum anderen habe er sich über Arten der Selbsttötung und Umsetzungsmöglichkeiten informiert. An "mindestens einem Tag" habe er sich auch über mehrere Minuten mit Cockpittüren und deren Sicherheitsvorkehrungen beschäftigt.

Die Ermittler erhoffen sich von der Auswertung der zweiten Blackbox nun wichtige, technische Erkenntnisse über "die letzten Minuten dieses Flugs", wie der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, sagte. Der Zustand des Geräts lasse "auf eine Möglichkeit der Auswertung hoffen". Der Flugdatenschreiber mit 500 Parametern unter anderem zur Geschwindigkeit, zur Flughöhe und zum Autopiloten sei am Nachmittag von einer Polizistin entdeckt worden. Die Blackbox sei "völlig verschüttet" und vermutlich durch ein Feuer "ganz schwarz" gewesen.

Laut dem Staatsanwalt von Marseille konnten inzwischen 150 verschiedene DNA-Profile aus den 2285 DNA-Proben von der Absturzstelle isoliert werden. "Das bedeutet nicht, dass wir die 150 Opfer identifiziert haben", hob Robin hervor. Die DNA-Profile müssten nun mit Proben abgeglichen werden, die die Familien übergeben hätten. Diese Arbeit werde nächste Woche beginnen. Er versicherte, dass die Familien sofort informiert würden, sobald eine Identifikation klar sei, was aber noch "drei bis fünf Wochen" dauern könne.

Nach Angaben von Robin wurden auch 42 "sehr beschädigte" Handys an der Absturzstelle gefunden. Die Möglichkeit einer Auswertung bewertete der Staatsanwalt "skeptisch". Mehrere Medien hatten über ein Handy-Video zu den letzten Augenblicken an Bord der Maschine berichtet.