Zwischen Staatsoberhaupt und Tyrann: ARTE überrascht zum 200. Todestag von Napoleon Bonaparte

Christina Strobl
·Lesedauer: 4 Min.
Am 5. Mai jährt sich der Tod von Napoleon Bonaparte zum 200. Mal.  (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)
Am 5. Mai jährt sich der Tod von Napoleon Bonaparte zum 200. Mal. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)

Am 5. Mai 1821 ist Napoleon Bonaparte auf der Insel St. Helena gestorben. Zu seinem 200. Todestag widmet ARTE dem Kaiser der Franzosen nun einen ganzen Themenschwerpunkt. Dabei wird auf gängige Klischees kaum Rücksicht genommen.

St. Helena, 5. Mai 1821: Er ahnt es bereits, wird sich von Stunde zu Stunde sicherer: Seine Tage sind gezählt. In einem letzten Bestreben die Kontrolle zu behalten, diktiert er einen allerletzten Brief: "Herr Gouverneur, Kaiser Napoleon ist heute, am ... nach langer und schwerer Krankheit, verstorben, was ich Ihnen anzuzeigen die Ehre habe." Die Nachricht soll dem Gouverneur der Insel, Sir Hudson Lowe, überbracht werden, sobald er seine Augen für immer geschlossen haben würde.

Napoleon Bonaparte ist aus der Weltgeschichte nicht wegzudenken. Heute gilt er nicht nur als großer Feldherr und mächtiges Staatsoberhaupt, sondern auch als Menschenschlächter, Tyrann und Unterdrücker. Anlässlich seines 200. Todestages zeigt ARTE gleich zwei Dokumentationen, die ein neues Bild des "Kaisers der Franzosen" zeichnen sollen: Am Samstag, 1. Mai, um 20.15 Uhr, lädt Regisseur Mathieu Schwartz mit seinem Werk "Napoleon. Der Tod hat sieben Leben" die Zuschauer zu einer Reise in die Vergangenheit ein und zeichnet so ein Porträt über einen Mann, der sein Leben lang glaubte, vom Schicksal auserkoren worden zu sein.

Laut seines Biografen Johannes Willms litt Napoleon unter einem zunehmendem Realitätsverlust. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)
Laut seines Biografen Johannes Willms litt Napoleon unter einem zunehmendem Realitätsverlust. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)

Selbstinszenierung bis zum Tod

Die Dokumentation lässt miterleben, wie Napoleon dem Tod mehrmals die Stirn bot und wie er nicht nur Frankreich prägte, sondern auch Deutschland. Denn Napoleon überlebte nicht nur die österreichischen Geschosse auf der Ponton-Brücke bei Ronco all'Adlige (1796) und ein Attentat, während des Staatsstreichs 1799, der ihn schließlich zum Alleinherrscher von Frankreich machte - und das mit nur 30 Jahren. Der Feldherr überstand weitere Anschläge, geschichtsschreibende, blutige Schlachten und einen Selbstmordversuch 1814. Nur ein Jahr später wurde er schließlich von der französischen Regierung auf die südatlantische Insel St. Helena verbannt. Als er sich dessen gewiss war, dass er bald sterben würde, inszenierte sich der "Herrscher der Franzosen" ein letztes Mal als Märtyrer, bis er schließlich am 5. Mai 1821 seinem Krebsleiden erlag. Das Leben Napoleon Bonapartes, es wird in der 90-minütigen Dokumentation zum Schicksal einer ganzen Nation stilisiert.

Nachdem Napoleon 1796 auf der Ponton-Brücke bei Ronco all'Adige die Geschosse des österreichischen Feindes überlebte, galt er als unbesiegbar.  (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)
Nachdem Napoleon 1796 auf der Ponton-Brücke bei Ronco all'Adige die Geschosse des österreichischen Feindes überlebte, galt er als unbesiegbar. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)

Verbales Duell über die Zukunft Europas

Um einen anderen Schlüsselmoment in Napoleons Leben dreht sich das Doku-Drama "Napoleon - Metternich: Der Anfang vom Ende", das am Samstag, 8. Mai, um 20.15 Uhr, gezeigt wird. Austragungsort des schicksalhaften Wortgefechts war das prunkvolle Marcolini-Palais in Dresden, in dem sich am 26. Juni 1813 der französische Kaiser Napoleon und der österreichische Außenminister Metternich versammelten. In einem verbalen Duell soll über nicht weniger, als über die Zukunft Europas entschieden werden. Doch der Dialog scheitert und Europas Zukunft hängt am seidenen Faden.

Am Grand Lac de Laffrey südlich von Grenoble stellte sich Napoleon 1815 den Soldaten Ludwigs XVIII.  (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)
Am Grand Lac de Laffrey südlich von Grenoble stellte sich Napoleon 1815 den Soldaten Ludwigs XVIII. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)

"Es ist ein Irrtum, dass man denkt alle Franzosen sind pro Napoleon"

Bis heute gehen die Meinungen über Napoleon Bonaparte weit auseinander, wobei sich der Glaube, dass die Franzosen ihren Kaiser bis heute verehren und als Held feiern, international hartnäckig hält. Doch der Regisseur der beiden Dokumentationen, Mathieu Schwartz, entkräftet Klischees und Vorurteile: "Es ist ein Irrtum, dass man denkt, alle Franzosen sind pro Napoleon", denn heute werde hauptsächlich kontrovers diskutiert, und auch Forscher sind sich nicht immer über das Wesen Napoleons Taten einig.

Aufgrund dessen entschied sich Schwartz dazu, beide Seiten zu beleuchten, um auch beide nachvollziehen zu können. Dies sei auch das Besondere an den beiden Neuveröffentlichungen, denn weder "Der Tod hat sieben Leben", noch "Napoleon - Metternich: Der Anfang vom Ende", sind eindeutig für oder gegen den "Herrscher der Franzosen". ARTE zeichnet ein ausgewogenes Bild zwischen Napoleon, dem mächtigen Staatsoberhaupt und Napoleon, dem Tyrannen.

Mathieu Schwartz lässt die Zuschauer in die Vergangenheit reisen und schöpft dafür aus ARTEs gesamten Repertoire. Gemeinsam mit ARTE France, ZDF/ARTE und der Zentrale ARTE G.E.I.E in Straßburg produziert Schwartz das erste Werk der Initiative "Grand accord documentaire", mit der der deutsch-französische Sender auf historische Dokumentationen setzt, die die Geschichte Europas digital für alle Interessierte zugänglich macht.

Der ARTE-Themenschwerpunkt zu Napoleon Bonapartes 200. Todestag startet am Samstag, 01. Mai, um 20.15 Uhr, mit der Dokumentation "Napoleon. Der Tod hat sieben Leben" und findet seinen Ausklang mit dem Doku-Drama "Napoleon - Metternich: Der Anfang vom Ende" auf ARTE.

Noch kurz vor seinem Tod versuchte Napoleon sich zum Märtyrer zu stilisieren. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)
Noch kurz vor seinem Tod versuchte Napoleon sich zum Märtyrer zu stilisieren. (Bild: ARTE / Tournez S'Il Vous Plaît Production)