Zyperns Tourismusbranche leidet an den Folgen des Ukraine-Kriegs

Vor dem Krieg in der Ukraine hat Zypern jedes Jahr etwa 800.000 Touristinnen und Touristen aus Russland und der Ukraine begrüßt. Durch das Flugverbot der EU leidet die zyprische Reisebranche, die sich auf den russischen Markt spezialisiert hatte.

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie kamen täglich Hunderte von russischen und ukrainischen orthodoxen Gläubigen nach Zypern in das Kloster Kykkos, um die mit Silber überzogene Marienikone zu verehren. Der Überlieferung nach wurde sie vom Evangelisten Lukas aus Bienenwachs und Mastix hergestellt und von der Jungfrau selbst als getreues Abbild ihres Bildes gesegnet.

Durch den Krieg und das Flugverbot der Europäischen Union für russische Flüge sind die geschätzten russischen und ukrainischen Urlauberinnen und Urlauber praktisch auf Null gesunken. Im Rekordjahr 2019 machten sie ein Fünftel aller Touristinnen und Touristen in dem Inselstaat im Mittelmeer südlich der Türkei aus.

Vassos Xidias ist Besitzer der Taverne "Vassos", die am Hafen von Ayia Napa Meeresfrüchte verkauft. Die Einnahmen seines Geschäfts sind in diesem Jahr um bis zu 50% gesunken, weil er den russischen Markt verloren hat. Jetzt würden man herausfinden, inwieweit Zypern dies durch den europäischen Markt und andere Märkte ausgleichen kann, so Xidias. Es sei ein Glücksspiel und man müsse die kommenden vier Monate der Tourismussaison abwarten, sagte der Tavernen-Besitzer.

Der Tourismus macht auf Zypern 10% des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Corona-Pandemie und der anhaltende Krieg in der Ukraine haben erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmen des Sektors.

Der stellvertretende Tourismusminister Zyperns, Savvas Perdios, schätzt, dass sich die Verluste durch russische und ukrainische Besucher in diesem Jahr auf etwa 600 Millionen Euro belaufen werden, wobei man vor dem Krieg davon ausging, dass sich die Besucherzahlen denen von 2019 annähern würden. "Aber was die Einnahmen angeht, werden die Folgen für unsere Tourismusindustrie geringer sein als der Prozentsatz an fehlenden Reisenden Denn die meisten Touristen aus Russland buchten Pauschalreisen. Die Ausgaben pro Person und Tag sind bei Reisenden aus Russland geringer als in vielen anderen Märkten", erklärte Perdios.

Zypern hat eine der kürzesten Flugverbindungen von Russland zu allen Urlaubszielen im Mittelmeerraum, aber das EU-Flugverbot hat diesen Vorteil zunichte gemacht. Trotz der Unruhen sagen die Behörden, dass Zypern dank seiner Voraussicht und Planung, neue Märkte zu finden, noch bevor Russland in die Ukraine einmarschiert ist, einen beträchtlichen Teil der verlorenen Einnahmen ausgleichen wird. Um die Verluste zu verringern versucht Zypern nämlich bereits seit Monaten Feriengäste aus EU-Staaten anzulocken. Inzwischen gibt es wesentlich mehr Direktflüge nach Zypern aus Deutschland, Frankreich und aus skandinavischen Ländern. Länder, in denen im Durchschnitt mehr pro Tag ausgegeben wird, als in Russland.

Während es vor zwei Jahren noch keine Direktflüge von Frankreich nach Zypern gab, werden in diesem Jahr wöchentlich 20 Flüge stattfinden. Die Zahl der wöchentlichen Flüge aus Deutschland und den skandinavischen Ländern ist in diesem Jahr auf 50 bzw. 30 gestiegen - mehr als im Jahr 2019.

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