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Älter werden ist für Verlierer: Das sind die Kino-Highlights der Woche

Kippen in "Enkel für Fortgeschrittene" zur Not auch harten Alkohol, von links: Gerhard (Heiner Lauterbach), Aydin (Ercan Durmaz), Karin (Maren Kroymann) und Philippa (Barbara Sukowa). (Bild: Studiocanal / Claussen+Putz / Frank Dicks)
Kippen in "Enkel für Fortgeschrittene" zur Not auch harten Alkohol, von links: Gerhard (Heiner Lauterbach), Aydin (Ercan Durmaz), Karin (Maren Kroymann) und Philippa (Barbara Sukowa). (Bild: Studiocanal / Claussen+Putz / Frank Dicks)

"Dalíland", "Feminism WTF" und Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa und Maren Kroymann als Senioren-Trio infernale in "Enkel für Fortgeschrittene": Das sind die Kino-Neustarts am 7. September.

2020 riss die Corona-Pandemie ein großes Loch in die Kinokassen. Finanziell blieb das Jahr 70 Prozent hinter den Umsätzen des Vorjahres zurück. Umso bemerkenswerter erscheinen die 540.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die für die Komödie "Enkel für Anfänger" in die Kinos strömten. 4,4 Millionen Euro spielte der Film, der wenige Woche vor dem ersten Lockdown startete, ein - Platz 13 in den deutschen Kino-Jahrescharts. Nun melden sich Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa und Maren Kroymann mit der Fortsetzung "Enkel für Fortgeschrittene" zurück.

Außerdem neu im Kino: Sir Ben Kingsley begibt sich mit einer mitreißenden Darbietung auf die Spuren des Jahrhundertkünstlers Salvador Dalí. Derweil seziert Katharina Mückenstein, die in Österreich eine MeToo-Welle auslöste, in "Feminism WTF" den Feminismus.

Karin (Maren Kroymann, links), Philippa (Barbara Sukowa) und Gerhard (Heiner Lauterbach) gehen gemeinsam durch dick und dünn. (Bild: Studiocanal / Claussen+Putz / Frank Dicks)
Karin (Maren Kroymann, links), Philippa (Barbara Sukowa) und Gerhard (Heiner Lauterbach) gehen gemeinsam durch dick und dünn. (Bild: Studiocanal / Claussen+Putz / Frank Dicks)

Enkel für Fortgeschrittene

"Das Rentner-Trio ist zurück": Mehr als drei Jahre, nachdem Maren Kroymann, Barbara Sukowa und Heiner Lauterbach mit "Enkel für Anfänger" die deutschen Kinosäle eroberten, melden sich die charismatischen Senioren auf der großen Leinwand zurück. Ließ sie Regisseur Wolfgang Groos ("Kalte Füße", "Faking Hitler") dereinst noch als Aushilfs-Großeltern an den Tücken des Alters, hyperaktiven Kindern und komischen Eltern abarbeiten, bekommen sie nun eine neue Aufgabe, um sich von der Alltagstristesse des Seniorendaseins abzulenken.

Karin (Kroymann) ist jüngst von ihrem Abenteuer in Neuseeland zurückgekehrt - und lässt sich mit Philippa (Sukowa) und Gerhard (Lauterbach) gleich auf das nächste ein. Gemeinsam heuern die drei in einem Schülerladen an. Dort müssen sie sich mit Hausaufgabenhilfe, trotzigen Kindern und pubertären Jugendlichen herumschlagen. "Mit Zusatzaufgaben fängt es an, und später sind es unbezahlte Überstunden", legt die hippieske Anarchistin Philippa bei einem ihrer jungen Schützlinge einen zumindest diskutablen pädagogischen Maßstab an - inklusive kostenloser Lebensweisheiten.

Auch Gerhards pädagogisches Feingefühl ist gelinde gesagt ausbaufähig. Statt dass der Arzt Schülerin Yasmin (Kayra Efe) bereitwillig hilft, sieht er sich dazu gezwungen, ihre Bitte ("Los, alter, weißer Mann, helf' mir bei Bio!") oberlehrerhaft in grammatikalisch korrekte Bahnen einzuordnen. Doch trotz der offenkundigen Unterschiede nähert sich das eigenwillige Generationenprojekt im Laufe der Komödie aneinander an.

Der störrische Misanthrop Gerhard, der freiheitsliebende Hippie Philippa und die zumeist besonnene Hausfrau Karin alleine würden schon alleine genügend komödiantisches Potenzial bieten. Das ändert sich auch im zweiten Film von Regisseur Wolfgang Groos nicht. Weil Drehbuchautor Robert Löhr noch dazu mit großer Freude die Altersunterschiede des Trios und seiner jungen Pendants auskostet, erwartet Kinofans auch in "Enkel für Fortgeschrittene" eine vergnügliche Komödie - trotz des ein oder anderen Klischees.

Mit großer Hingabe verkörpert Sir Ben Kingsley den Jahrhundertkünstler Salvador Dalí. (Bild: SquareOne Entertainment)
Mit großer Hingabe verkörpert Sir Ben Kingsley den Jahrhundertkünstler Salvador Dalí. (Bild: SquareOne Entertainment)

Dalíland

Um von anderen als Gott und Genie bezeichnet zu werden, dazu braucht es einzigartiges Talent gepaart mit großem Charisma. Um sich jedoch auch selbst mit derartigen Superlativen zu charakterisieren, ist wohl eine ordentliche Portion Narzissmus unumgänglich. Auf Salvador Dalí trifft beides zu. Der Maler gehörte im 20. Jahrhundert zu den wichtigsten Künstlern weltweit. Weniger an sein Werk, sondern eher an seine Persönlichkeit und die Beziehung Dalís zu seiner Ehefrau und Muse Gala nähert sich Regisseurin Mary Harron ("American Psycho") nun im Biopic "Dalíland" an.

Herauskommt ein schillerndes, manchmal auf dem schmalen Grat zur Überdrehtheit wandelndes Drama. Wie sollte das auch anders sein bei einem Jahrhundertkünstler, der für seine extravaganten Partys ebenso bekannt war wie für seine wegweisenden Gemälde? Der Film setzt 1974 ein, als Dalí (einmal mehr brillant: Sir Ben Kingsley) mit seiner Entourage im New Yorker St. Regis Hotel absteigt. Um die mitunter exotischen Wünsche des Malers zu erfüllen und ihn kreativ anzuregen, wird der junge Galerieassistent James (Christopher Briney) abgestellt: "Du musst dafür sorgen, dass er malt."

Trotz aller Vorwarnung kann James zwischen Krone, Glamour und Luxus kaum glauben, wo er landet. Baff konstatiert er: über Dalì: "Er bewohnt sein eigenes Universum." Ausufernde Feierlichkeiten (Dalí: "Ich brauche viele wunderschöne Ärsche.") gehören dazu ebenso wie die oft herrische Gala (Barbara Sukowa), die die brüchige Welt im Hintergrund zusammenhält - und mit der man es sich nicht verscherzen sollte, wie James bald erfährt: "Gala hat die Macht. Was immer du tust, du darfst sie nicht brüskieren." Doch als Gala einen jungen Musical-Darsteller anlacht, drohen neben ernsten Ehe-Problemen auch bis dato nie gekannte finanzielle Engpässe.

Ohne seine Frau und Muse Gala (Barbara Sukowa) kann Salvador (Sir Ben Kingsley) seine brillanten Fähigkeiten nicht entfalten. (Bild: SquareOne Entertainment)
Ohne seine Frau und Muse Gala (Barbara Sukowa) kann Salvador (Sir Ben Kingsley) seine brillanten Fähigkeiten nicht entfalten. (Bild: SquareOne Entertainment)

Feminism WTF

Die erste Welle der MeToo-Bewegung war in Hollywood knapp fünf Jahre her, als ein Instagram-Post weit weg von der Traumfabrik ein ganzes Land in Aufruhr versetzte: In einem Post berichtete die österreichische Filmregisseurin Katharina Mückenstein im Juni 2022 von Sexismus, Machtmissbrauch und sexualisierten Übergriffen in der österreichischen Filmbranche. Was folgte, waren hunderte Berichte und Wortmeldungen von Frauen, denen es ähnlich gegangen war und die bis dato geschwiegen hatten.

Nun nimmt sich Mückenstein im Dokumentarfilm "Feminism WTF" eines kontrovers diskutierten Themas an: Feminismus. Mit dem Film will die Filmemacherin ein Lehrstück zum intersektionalen Feminismus liefern. Soll heißen: Es geht nicht nur um Sexismus, sondern um eine Überkreuzung mehrerer Diskriminierungen, denen Frauen auch aufgrund von Rasse, Hautfarbe, sexueller Orientierung und sozialer Herkunft unterworfen sind.

"Es war mir ein großes Anliegen, diese Erfahrung, dass der Feminismus eine sehr differenzierte und auch widersprüchliche Denkschule ist, für Menschen, die an feministischen Ideen interessiert sind, ohne unzählige Bücher zum Thema gelesen zu haben, zu übersetzen", beschreibt Mückenstein ihre Intention. Und "Feminism WTF" scheint einen Nerv zu treffen: Nach Festivalstopps unter anderem beim DOK.fest in München gewann der Dokumentarfilm bei der Grazer Diagonale den Publikumspreis. Nun gilt es, auf den Kinoleinwänden die Botschaft des Films rüberzubringen - "The Future Is Feminist".

Regisseurin Katharina Mückstein nimmt im Dokumentarfilm "Feminism WTF" Feminismus filmisch unter die Lupe. (Bild: Elsa Okazaki)
Regisseurin Katharina Mückstein nimmt im Dokumentarfilm "Feminism WTF" Feminismus filmisch unter die Lupe. (Bild: Elsa Okazaki)