Mobile Kliniken: Organraub auf Sinai-Halbinsel

Hunderte von afrikanischen Flüchtlingen sollen auf der Sinai-Halbinsel an den Folgen gewaltsamen Organraubes gestorben sein. Einer Dokumentation des amerikanischen Nachrichtensenders „CNN“ zufolge wurden den noch lebenden Opfern Nieren, Leber und andere Organe entnommen. Als Drahtzieher gelten korrupte ägyptische Ärzte und Beduinen, die die Flüchtlinge über die Grenze nach Israel schmuggeln.

Hunderte afrikanische Flüchtlinge, überwiegend aus dem Sudan, Äthiopien oder Eritrea fielen dem US-Nachrichtensender „CNN“ zufolge auf dem Weg über die Sinai-Halbinsel nach Israel skrupellosen Organhändlern zum Opfer. Davon berichten nicht nur jene Flüchtlinge, die es bis ans Ziel geschafft haben. Die „New Generation Foundation for Human Rights" und die italienische Organisation „EveryOne Group" lieferten Beweisfotos, die „CNN“ am Samstag in einer TV-Dokumentation zeigte. Darauf sind Leichen zu sehen, deren Körper große Narben an Stellen aufweisen, an denen sich lebenswichtige Organe wie Nieren und Leber befinden.

Einer Sprecherin der israelischen Hilfsorganisation „Ärzte für Menschenrechte" zufolge haben in einer Klinik in Tel Aviv 27 Flüchtlinge Aussagen zu dem vermuteten Organraub gemacht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Ägypten zudem kürzlich in einem Bericht als Knotenpunkt für den Organhandel bezeichnet – doch Beweise oder eine offizielle Bestätigung von Seiten der Behörden gibt es bisher nicht.

Der Leiter der ägyptischen Menschenrechtsorganisation, Hamdi al-Azzazi, berichtete gegenüber dem Nachrichtensender von ägyptischen Ärzten, die mit Operationszelten und Kühlboxen angereist seien. „Eine Privatklinik in Kairo schickt mobile Krankenhäuser, die mit modernster Technologie ausgestattet sind, an einen Ort in der Wüste in Mittel-Sinai, wo Untersuchungen an Afrikanern vorgenommen werden, bevor sie die passenden Spender aussuchen – dann führen sie die Operation durch“, so al-Azzazi. „Die Organe sind nicht mehr zu gebrauchen, wenn sie tot sind. Sie betäuben sie zuerst und entfernen dann ihre Organe, dann lassen sie sterben und werfen sie zu Hunderten anderen Körpern in einen tiefen ausgetrockneten Brunnen.“

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Wie ein namentlich nicht genannter Beduine gegenüber „CNN“ sagte, fange der Preis je Organ bei 20.000 Dollar (rund 14.890 Euro) an. „Organhandel steht an zweiter Stelle der gewinnbringendsten Gewerbe, direkt nach dem Waffenhandel“, erklärte der frühere Rechtsmediziner Dr. Fakhri Saleh. „Es bringt mehr Geld als Drogenhandel und Prostitution“.

Als Drahtzieher der brutalen Machenschaften gelten korrupte ägyptische Ärzte und Beduinen, die die afrikanischen Flüchtlinge über die Grenze nach Israel schmuggeln. So wurden unter anderem die Sawarka, einer der größten Beduinen-Stämme Sinais, im Zusammenhang mit Organhandel genannt.

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