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“Komm' bloß nicht zurück!“

Er zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten des Fußballs, boxt seine Meinung durch wie kaum ein Zweiter und sorgt regelmäßig für neue Schlagzeilen: José Mourinho wurde am Dienstagmorgen bei der AS Roma entlassen, dabei berichteten italienische Medien vor wenigen Tagen noch von einer möglichen Vertragsverlängerung.

Mourinho heißt nicht umsonst „The Special One“. Wenn sich der 60 Jahre alte Exzentriker nicht gerade mit Harry Potter vergleicht, dann diskutiert er wahrscheinlich gerade mit dem Schiedsrichtergespann. Auch die Presse bekommt seinen Groll gelegentlich ab, manchmal gar seine eigenen Spieler und zuletzt auch noch die Fans.

Das Ergebnis der lauthalsen Auseinandersetzungen mit den Schiedsrichtern? Sechs Rote Karten in den vergangenen beiden Spielzeiten - mehr als jeder andere in der Serie A. Zumeist sind die Fans geneigt, den Kult-Coach für seine Aktionen zu feiern, zuletzt beim 1:1-Unentschieden gegen Atalanta Bergamo Anfang Januar, als Mourinho den Unparteiischen anfauchte, die Aufforderung, sich auf die Bank zu setzen, nicht befolgte und dafür die Gelbe Karte sah.

Hat Mourinho den Bogen überspannt?

Später setzte der Portugiese noch einen drauf und stürmte in der Nachspielzeit das Spielfeld, wurde mit Gelb-Rot vom Platz gestellt und weigerte sich, auf die Tribüne zu gehen. Die Fans im Stadio Olimpico honorierten die Aktion mit minutenlangem Applaus und Mourinho-Sprechchören.

Doch es scheint so, als hätte der zweimalige Champions-League-Sieger den Bogen allmählich überspannt. Nachdem er die Roma-Fans in der Vergangenheit noch als „die Besten der Welt“ betitelt hatte, wandten sie ihm nach der Pokalpleite gegen Lazio Rom vor einer Woche den Rücken zu. Aus Sprechchören wurden Pfiffe und der Thron von „The Special One“ begann zu wackeln.

Auch Bayern-Flop Renato Sanches wurde zum Opfer von Mourinhos Handlungen: Nach seiner Einwechslung in Bologna (46.) im vergangenen Dezember nahm Mourinho den sichtlich irritierten Mittelfeldspieler nach gerade einmal 18 Minuten wieder vom Feld (64.).

Neben seinen eigenen Spielern blamiert oder verwundert Mourinho nicht selten auch die Medienwelt durch seine Marotten. Nach dem Sieg gegen gegen Sassuolo Calcio Anfang Dezember weigerte sich Mourinho, auf der anschließenden Pressekonferenz italienisch zu sprechen - obwohl er die Sprache fließend beherrscht -, und zog einen Dolmetscher hinzu.

Trotz seiner komplexen bis schwierigen Persönlichkeit ist Mourinho einer der erfolgreichsten Trainer im Weltfußball. In der Saison 2021/22 gewann er mit der Roma die erste Ausgabe der Conference League - im Jahr darauf zog er mit dem Hauptstadt-Klub ins Finale der Europa League ein.

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Roma-Urgestein folgt auf Mourinho

In der aktuellen Spielzeit blieb indes der sportliche Erfolg aus. Die Römer finden sich in der Tabelle lediglich auf Platz neun wieder und als Konsequenz der 3:1-Pleite beim AC Mailand wurde Mourinho schließlich entlassen. Roma-Urgestein Daniele De Rossi tritt die Nachfolge an.

Wo Mourinho als Nächstes anheuert - und ob es überhaupt weitergeht -, ist noch nicht bekannt. Bereits im vergangenen Jahr wurde er immer wieder mit der Saudi Pro League in Verbindung gebracht, beim TV-Sender Rai1 behauptete er im November sogar: „Ich denke, dass ich dort eines Tages coachen werde“.

Mourinho zurück nach England?

Oder zieht es Mourinho etwa zurück in die Premier League? Newcastle United, das unter Trainer Eddie Howe bereits seit Längerem strauchelt, wurde jüngst in den Medien genannt.

Das britische Magazin Mirror ist von der Idee jedoch nicht sonderlich angetan: „DON‘T COME BACK!“ (“Komm bloß nicht zurück“), titelte das Blatt am Dienstag.

Es wirkt, als sei „The Special One“ nur noch „The ausrangiert One“.