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ARD-Sportreporter überrascht mit harter Selbstkritik: "Ich rede leider zu viel"

Bei vier Fußball-Weltmeisterschaften (Foto: 2022 in Katar) war Tom Bartels als Kommentator dabei. Er kommentierte auch das siegreiche WM-Finale 2014, als Deutschland Champion wurde. (Bild: 2022 Getty Images/Alexander Hassenstein)
Bei vier Fußball-Weltmeisterschaften (Foto: 2022 in Katar) war Tom Bartels als Kommentator dabei. Er kommentierte auch das siegreiche WM-Finale 2014, als Deutschland Champion wurde. (Bild: 2022 Getty Images/Alexander Hassenstein)

Dass Sportreporter auch mal in der Kritik der Fans stehen, ist nichts Neues. Dass sich aber einer selbst kritisch unter die Lupe nimmt, durchaus. Aber Tom Bartels, Ass am ARD-Sportmikrofon, hat's getan. Er gesteht: "Ich rede definitiv zu viel."

Tom Bartels (58) ist, solange er sich erinnern kann, Sportfan. Anfang der 90er-Jahre machte der gelernte Bankkaufmann seine Leidenschaft zum Beruf und begann in der Sportredaktion des Westdeutschen Rundfunks. Seit 1996 kommentierte er am Mikrofon Großereignisse. Erst Champions-League-Spiele und Skispringen, 2006 war er dann beim "Sommermärchen" für RTL bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft am Mikro.

Der Mann hat also schon viel für Fans über den Sport geredet. Nach seinem Dafürhalten aber vor allem eins: zu viel. Im Podcast "Spielmacher - Der EM-Talk mit Sebastian Hellmann und 360Media" übte er im Gespräch mit Sky-Moderator Sebastian Hellmann harsche Selbstkritik.

Tom Bartels sitzt seit fast 30 Jahren bei Sportereignissen am Kommentatoren-Mikrofon. Nicht immer zur eigenen Zufriedenheit, wie er jetzt gestand. (Bild: 2016 Getty Images/Ralf Juergens)
Tom Bartels sitzt seit fast 30 Jahren bei Sportereignissen am Kommentatoren-Mikrofon. Nicht immer zur eigenen Zufriedenheit, wie er jetzt gestand. (Bild: 2016 Getty Images/Ralf Juergens)

Tom Bartels: Sogar seine Frau kritisiert seinen Redeschwall

"Ich rede leider auch zu viel. Ich rede definitiv zu viel", gestand er im Sport-Talk. Ein Phänomen, das ihn sogar bis nach Hause verfolge. Nachdem er zuletzt ein Skispringen kommentiert hatte, habe sogar seine Frau Kritik geübt: "Meine Frau hat gesagt, es hat ihr eigentlich alles gefallen, aber ich habe viel zu viel geredet." Das habe ihm regelrecht die Sprache verschlagen. Am Tag danach habe er "für mich gefühlt die Hälfte gesprochen".

Bartels hat das "Problem" wohl analysiert. Die Erkenntnis teilte er im Podcast mit. Vor allem zu Saisonbeginn, im Sommer beim Fußball und im Frühwinter beim Skispringen, seinen Fachgebieten, ertappe er sich dabei, am Mikro besonders ausführlich zu werden. "Vielleicht weil dann der Gedanke kommt, du musst erst mal wieder allen zeigen, dass du ja total im Thema bist", mutmaßte er.

2012 machten 7 Minuten Schweigen Tom Bartels groß

"Aber das ist kontraproduktiv", stellte er fest. Er selbst ärgere sich auch über Kollegen, wenn die permanent redeten, meinte Bartels. Er ahnt aber selbst, wie schwer das ist. "Ich muss mich eigentlich bei allem, was ich tue, zwingen, weniger zu sprechen."

Dabei hat Bartels den Fußball-Fans gerade mit dem Mut zum Schweigen einen der schönsten Fußball-Momente beschert. Es geschah bei der Fußball-EM 2012, die in Polen und der Ukraine stattfand. Beim Gruppenspiel überrollten die Spanier Irland. Schon in der 83. Minute standen der Endstand von 4:0 und damit das Ausscheiden der Iren fest. Trotzdem stimmten 20.000 irische Fans das Lied "Fields of Athenry" an, das die inoffizielle Hymne der irischen Fußball- und Rugby-Mannschaft ist.

Tom Bartels stellte die Kommentierung des Spiels komplett ein und hörte minutenlang schweigend dem irischen Fangesang zu. Nur so war es möglich, dass der Gänsehautmoment in reinster Form in die deutschen Wohnzimmer gelangte. Es war einer der emotionalsten Höhepunkte der Fußball-Europameisterschaft 2012. Dafür, dass er ihn mit seinem Schweigen ermöglicht hatte, erhielt Bartels deutschlandweit großes Lob.

"Mach ihn!" Tom Bartels schuf beim WM-Sieg 2014 ein akustisches Juwel für die Ewigkeit

Andererseits schuf Bartels auch eine Sequenz für die Fußball-Ewigkeit, weil er redete. Ähnlich wie "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen ... Rahn schießt ... Tor, Tor, Tor, Tor!" aus der Radio-Reportage von Herbert Zimmermann zum 3:2-Siegtor Deutschlands beim "Wunder von Bern" 1954 gegen Ungarn, schuf Bartels am 13. Juli 2014 ein akustisches Juwel, als er Deutschland Siegtreffer zum 1:0 gegen Argentinien und zum WM-Titel kommentierte, atemlos und mit sich überschlagender Stimme: "Schürrle ... Der kommt an. Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Mario Götze! ... Das ist doch Wahnsinn!"

Schön weiterreden, Herr Bartels.