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Ein deutscher Mythos wird 75

Ein deutscher Mythos wird 75
Ein deutscher Mythos wird 75

Sie nannten ihn den „Alpenvulkan“ - und er tat viel, um diesem Ruf gerecht zu werden. Weit aufgerissene Augen, wilde Mimik und Gestik: Hans Zach zeigte immer vollen Einsatz, wenn er als Coach an der Bande stand.

Über Jahrzehnte hinweg definierte der gelernte Metzgermeister das Bild des deutschen Eishockeys, durch seine unverwechselbare Art und durch seine Erfolge: zwei deutsche Meisterschaften als Spieler, vier weitere als Trainer der Düsseldorfer EG und den Hannover Scorpions. Bis heute ist Zach der einzige deutsche Meistertrainer der DEL-Ära.

Am heutigen Samstag wird Zach 75 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes Leben zurück - das er immer noch mit viel Herzblut für seine alten Leidenschaften genießt.

Johann Zach, wie er eigentlich heißt, kam am 30. März 1949 in Bad Tölz zur Welt. Eine raue Kindheit als Metzgersohn prägte ihn fürs Leben, formte - ähnlich wie beim Ulmer Berufs- und Generationsgenossen Uli Hoeneß - einen Charakter, den seine späteren Schützlinge zu fürchten, aber auch zu respektieren lernten.

Hans Zach: Prägender Metzger-Hintergrund

„Die Erziehung meines Vaters“ habe ihm zu dem gemacht, was er sei, blickt Zach in einem Interview mit dem Münchener Merkur zurück: „Bei ihm galt: Ein Handschlag ist ein Handschlag. Er war gerecht. Die kleinen Bauern in der Gegend behandelte er großzügig, mit den großen verhandelte er hart.“

Der junge Hans bestand aus Faszination für den Beruf darauf, ebenfalls eine Metzgerlehre zu absolvieren. Obwohl immer klar war, dass der Familienbetrieb später an den 16 Jahre älteren, 2008 bei einer Anglerreise nach Alaska verstorbenen Bruder Martin gehen sollte - ebenfalls früherer Eishockey-Nationalspieler.

„Ich wollte Metzger werden, weil das die wilden Hunde waren“, sagt Zach. Das Eishockey-Talent führte den kleinen Bruder letztlich auf einen anderen Lebensweg.

Von der Jugend des EC Bad Tölz arbeitete sich der 1,75 Meter kleine, aber körperlich bullige Zach zum Liga-Torjäger und zum Nationalspieler empor, war 1980 Teil des deutschen Olympia-Teams in Lake Placid, wurde 1976 unter Trainer-Ikone Xaver Unsinn Deutscher Meister mit dem Berliner SC, 1982 Trainer mit dem SB Rosenheim.

Nach dem aktiven Karriereende ging Zach auch das zweite Leben als Trainer mit großem Ehrgeiz an, ließ sich an der Sporthochschule Köln als Diplom-Eishockeytrainer ausbilden, als Klassenbester des ersten Jahrgangs.

Titel und Tugenden

1990 engagierte die Düsseldorfer EG den damals aufstrebenden Jungcoach, er führte sie zu drei Meisterschaften in Folge, zweimal mit Finalsiegen über den großen Rivalen Kölner Haie (damals: Kölner EC).

Zwischen 1998 und 2004 war Zach Bundestrainer, leitete das DEB-Team nach einem Abstieg in die damalige B-WM wieder nach oben und in drei WM-Viertelfinals. Zach warf hin, als Kritik an seinen Trainingsmethoden und seiner Kaderauswahl zunahm. Skeptikern, die ihn vom Lauf der Zeit überholt sahen, bewies er 2010 mit seinem letzten Meistertitel bei den Hannover Scorpions, dass noch immer Feuer in ihm steckte. Nach einem letzten Intermezzo als Nothelfer bei den Adlern Mannheim 2014 war Schluss.

Zach war berühmt und berüchtigt als harter Hund, der seinen Spielern viel abverlangte - auch gutes Benehmen und soziale Tugenden waren ihm wichtig.

„Ich habe immer auf die sozialen Grundpunkte geachtet, die Spieler sollten Bitte- und Dankeschön zum Materialer sagen, wenn sie von ihm was brauchten und bekamen“, erinnert er sich: „Wir hatten stets ein gutes Klima in der Mannschaft. Und wir brauchten keine Geldstrafen, die habe ich überall abgeschafft. Es hat funktioniert. Wir waren pünktlich, weil der Bus zur vereinbarten Zeit auch losgefahren wäre, wenn ich gefehlt hätte.“

Im Rentnerleben (etwas) ruhiger

Zach forderte auch von sich selbst viel, im Job und auch in der Freizeit, in der er sich mit Radmarathons, extremen Bergtouren und einer mit großem Ehrgeiz und bis heute betriebenen Passion fürs Angeln verausgabte.

Dass Zach trotz allem seine körperlichen Grenzen erkannte, half ihm auch bei der für viele schwierigen Aufgabe, beruflich loszulassen: „In Hannover habe ich den Spielern noch vorführen wollen, wie man über Kästen springt - und mir einen Muskelriss geholt. Ich habe jetzt schon lange keine Schlittschuhe mehr, die habe ich verschenkt.“ Als Rentner lässt es Zach inzwischen (etwas) entspannter angehen, seine Alpen-Radtouren mit Frau Slada absolviert er inzwischen mit dem E-Bike.

Im vergangenen Jahr überstand Zach - auf dessen Grabstein eines Tages „Metzgermeister“ stehen soll - eine Herz-OP. Fünf Stents seien ihm eingesetzt worden, seitdem gehe es ihm aber wieder gut, berichtet er.

Den 75. Ehrentag verbringt Zach in passendem Rahmen: auf Gran Canaria, der Vulkaninsel.