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Ist Bayern nur noch dritte Kraft?

„Heute haben die beiden besten Mannschaften der Liga gegeneinander gespielt“, verkündete Deniz Undav nach dem Viertelfinal-Duell im DFB-Pokals seines VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen (2:3).

Und Rekordmeister FC Bayern? Aktuell nur maximal dritte Kraft in Deutschland? In der Bundesliga-Tabelle stehen die Münchner zehn Punkte vor Undavs VfB, von der oft gesehenen Dominanz früherer Jahre ist das Team von Trainer Thomas Tuchel allerdings ein Stück entfernt.

Wie steht es also ums Kräfteverhältnis in der Bundesliga? Wo sind Tabellenführer Leverkusen und Sensationsteam Stuttgart besser? SPORT1 analysiert im Daten-Check mit Sportec Solutions, ob die Konkurrenten Bayern wirklich schon den Rang abgelaufen haben.

OFFENSIVE

Im Angriff sind die Bayern nach wie vor das beste Team der Liga – und es ist nicht knapp.

Nahezu alle wichtigen Kategorien führen die Münchner an, teils mit deutlichem Vorsprung vor Leverkusen und vor allem Stuttgart.

Ob bei klassischen Statistiken wie Toren (59), Schüssen (359), Treffern aus dem Spiel heraus (46) und nach Standards (13) oder analytischeren Kennzahlen wie den xGoals (54,9) – überall ist Bayern die Nummer 1.

Der FCB glänzt nicht nur mit Masse (pro Schnitt zwei Schüsse mehr als Leverkusen, 4 mehr als Stuttgart), sondern ist auch effektiver als beide Konkurrenten. Der Rekordmeister braucht nicht nur die wenigsten Torschüsse pro Tor (6,8 gegenüber von 6,9 beim VfB und 7,1 bei Bayer), sondern liegt auch bei der Effektivität im Vergleich zu den xGoals weit vorne.

Bayern machte bisher 4,1 Tore mehr, als die Kennziffer ihnen zutraute. Leverkusen ist mit 3,5 Treffern über dem Wert ähnlich gut, Stuttgart liegt als einziges Team aus dem Trio mit -1,1 sogar unter der erwarteten Anzahl.

Trotz teils holpriger Spiele zeigen die Zahlen nüchtern auf: Der FCB erspielt sich die meisten Chancen und nutzt diese dann auch noch effektiver als seine Konkurrenten.

Nur in einer nennenswerten Offensiv-Kategorie sind tatsächlich Leverkusen und Stuttgart die beiden besten Bundesliga-Mannschaften: Der VfB traf 12-mal nach gegnerischen Ballverlusten, Leverkusen 11-mal. Hier ist Bayern mit 9 Treffern nach Kontern aber ebenfalls nah dran – trotz des Handicaps, mit mehr eigenem Ballbesitz weniger Chancen dafür zu haben.

DEFENSIVE

Was Bayern für den Angriff ist, ist Bayer in der Abwehr – das beste Team der Bundesliga.

Nur 14 Gegentore bedeuten nicht nur Bundesliga-Bestwert, sondern auch eingestellten Vereinsrekord. Schon 10-mal spielte das Team von Xabi Alonso zu Null (Bundesliga-Bestwert, schon einmal häufiger als letzte Saison).

Bayern liegt bei den erwarteten Gegentoren (18 gegenüber 18,8) sogar noch vor Leverkusen und weist von allen drei Teams die beste Zweikampfquote auf (52,9 vor 51,7 beim VfB und sogar „nur“ 50,7 bei Bayer).

Spitzenreiter Bayer liegt in den meisten defensiven Kategorien aber vorne. Nur ein Gegentor nach Konter (Bayern und VfB je 3), nur zwei nach Ballverlust (Bayern 6, Stuttgart sogar 8) und insgesamt nur neun aus dem Spiel heraus kassierte Treffer gegenüber 14 bei Bayern und 19 bei Stuttgart liefern deutliche Hinweise darauf, was Leverkusen und München diese Saison unterscheidet: Bayer verteidigt disziplinierter und weniger fehleranfällig als der Rekordmeister.

Stuttgarts Defensive kann mit beiden Konkurrenten nicht mithalten. So bekam der VfB nicht nur in Spitzenspielen wie in Leipzig (1:5) oder gegen Bayern (0:3) die Grenzen aufgezeigt, sondern ist in den meisten Statistiken auch das schwächste der drei Top-Teams.

FAZIT

Der FC Bayern ist aktuell nicht mehr die Nummer 1 in Deutschland, obwohl er rund um Harry Kane die beste Offensive der Bundesliga stellt, sogar die zweitbeste der Geschichte (2021/2022 hatte der FCB zu diesem Zeitpunkt sogar schon 65 Tore auf dem Konto).

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Historisch gute Gegner und eine im Vergleich zu Leverkusen schwächere Defensive.

Bayer hat noch überhaupt nicht verloren und die drittbeste Bilanz der Bundesliga-Geschichte – da reicht die sechstbeste für Bayern gerade einmal zu Platz 2. Stuttgart wäre mit seinen 40 Punkten aus 20 Spielen in so mancher Spielzeit sogar Erster gewesen, aktuell reicht die beste Saison der Schwaben-Geschichte aber nur zu Rang 3. Zusammen kommt das Spitzentrio auf 142 Punkte – Rekord seit Einführung der 3-Punkte-Regel (1995/96).

Zur historisch starken Konkurrenz kommt aus Bayern-Sicht dann noch ein Leverkusen, das unter Alonso diese Saison defensiv kaum Fehler macht und dadurch fast fünf Tore weniger kassiert, als durch xGoals eigentlich gedroht hatten. Bayern kann da nicht mithalten, der VfB noch weniger.

Undavs Aussage lässt sich somit nicht ganz bestätigen. Der VfB ist vom Top-Duo auch in vielen spielanalytischen Kennzahlen noch ein Stück entfernt. Leverkusen wiederum muss in der Rückrunde seine erstaunliche Effizienz gerade in der Defensive bestätigen, um Bayern den Nummer-1-Status dauerhaft abzujagen.