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"Beat-Club" und "Musikladen"-Moderatorin: Was macht eigentlich Uschi Nerke?

Uschi Nerke (Bild) moderierte den "Beat-Club" von 1965 bis zur letzten Sendung im Jahr 1972.  (Bild: Radio Bremen / Jutta Vialon)
Uschi Nerke (Bild) moderierte den "Beat-Club" von 1965 bis zur letzten Sendung im Jahr 1972. (Bild: Radio Bremen / Jutta Vialon)

Als Moderatorin des "Beat-Club" und des "Musikladen" gehörte sie zu den beliebtesten TV-Persönlichkeiten der 60er- und 70er-Jahre: Uschi Nerke feiert am 14. Januar ihren 80. Geburtstag.

Alles begann mit einer Entschuldigung: Bevor der "Beat-Club", die damals neue Musikshow von Radio Bremen, am 25. September 1965 erstmals live auf Sendung ging, trat der spätere Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben vor die Kameras: "Sie aber meine Damen und Herren, die Sie Beat-Music vielleicht nicht mögen, bitten wir um Verständnis", warnte er. Tatsächlich entwickelte sich die Pioniersendung zum Straßenfeger: Durchschnittlich 63 Prozent der Deutschen unter 30 schalteten ein, wenn angesagte Acts vom Schlage Sonny & Cher, The Lords und Deep Purple aufspielten. Von Anfang an dabei: die damals 21-jährige Uschi Nerke, die die Show in selbst entworfenen und genähten Minikleidern moderierte und selbst zum Teenie-Idol avancierte. Auch wenn sie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr im Fernsehen zu sehen war: Musik spielt für Nerke, die am 14. Januar ihren 80. Geburtstag feiert, immer noch eine große Rolle in ihrem Leben.

Geplant war die TV-Karriere nicht: Die in Hamburg aufgewachsene Nerke absolvierte eigentlich ein Architekturstudium an der Hochschule Bremen. Sie trat aber auch als Sängerin auf, nahm einige Schlager auf und war in kleineren TV-Shows zu sehen, wo sie schließlich von Rudi Carrell entdeckt wurde. Carrell, beeindruckt von ihrem Talent, empfahl sie Mike Leckebusch, dem zukünftigen Produzenten des "Beat-Clubs" bei Radio Bremen, als Moderatorin. Und dort wurde sie zur Stammkraft: Während ihre männlichen Co-Moderatoren beim "Beat-Club" häufig wechselten, blieb Nerke bis zur letzten Ausstrahlung der Sendung im Jahr 1972 das Gesicht der Sendung. Auch bei der Nachfolgesendung, dem ebenfalls von Radio Bremen produzierten "Musikladen", moderierte sie von 1972 bis 1978 an der Seite von Manfred Sexauer.

Moderatorin Uschi Nerke und Produzent Mike Leckebusch (vorne) verhalfen dem "Beat-Club" zu seinem Erfolg. (Bild: Radio Bremen / Jutta Vialon)
Moderatorin Uschi Nerke und Produzent Mike Leckebusch (vorne) verhalfen dem "Beat-Club" zu seinem Erfolg. (Bild: Radio Bremen / Jutta Vialon)

Uschi Nerke: Klönen mit Roger Daltrey

Was viele nicht wissen: Nerke moderierte immer nur nebenbei, im Hauptberuf war sie Architektin, hatte zehn Jahre lang sogar ein eigenes Büro. Heute lebt sie mit ihrem zweiten Ehemann in einem Haus im Süden von Hamburg. Als sie der NDR dort anlässlich ihres 75. Geburtstag besuchte, zeigte sie sich stolz über die Wirkung ihrer ersten Sendung: "Der 'Beat-Club' war für die Entwicklung der Jugend sehr, sehr wichtig", erzählte Nerke, "Wir wurden dadurch alle freier und mutiger."

Auch sie selbst kannte kaum Berührungsängste: Auch vermeintliche Tabuthemen wie Sexualität wurden in der Musikshow von ihr angesprochen - und natürlich zahlreiche Weltstars. Besonders gern erinnert sie sich an Jimi Hendrix: "Auf der Bühne ließ er die Sau raus. Aber er war der höflichste und netteste junge Mann, dem ich je begegnet bin." In einem Gespräch mit der "WAZ" sprach sie 2008 über weitere Highlights: "Wir haben ja viele Bands aufgenommen und dann die Filme in der Live-Sendung eingespielt", erzählte Nerke, "zum Beispiel habe ich in London mit dem Who-Sänger Roger Daltrey eine ganze Nacht auf dem Fensterbrett der Hotelhalle gesessen, Wir haben unser Bierchen geschlürft und geklönt und geklönt." Über die Sendung seien zudem echte, jahrelange Freundschaften mit einigen Musikern entstanden, etwa mit "San Francisco"-Interpret Scott McKenzie oder Albert Hammond ("It Never Rains In Southern California").

In den letzten Jahren widmete sich Nerke einer weiteren Leidenschaft, 2012 veröffentlichte sie ein Buch namens "Bei mir wäre ich gerne Tier", in dem sie von ihrem kleinen Privatzoo berichtete: Eine bunte Mischung aus Katzen, Graupapageien, Hunden und Ziegen lebte zeitweise mit ihr unter einem Dach. Doch die Musik ließ sie nie los: Nerke nahm auch selbst wieder eigene Songs auf, arbeitete bis 2013 als Radiomoderatorin und tritt bis heute bei Oldiefestivals auf: "Ich bin bis heute immer noch dabei", sagte sie in einem Interview mit dem "Seniorenmagazin Hamburg": "Allerdings ist es jetzt etwas ruhiger geworden, und das ist auch gut so."

Von 1972 bis 1978 moderierte Uschi Nerke gemeinsam mit Manfred Sexauer den "Musikladen".  (Bild: Peter Bischoff/Getty Images)
Von 1972 bis 1978 moderierte Uschi Nerke gemeinsam mit Manfred Sexauer den "Musikladen". (Bild: Peter Bischoff/Getty Images)