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Bericht: Türkei zielt auf zivile Infrastruktur in Nordsyrien

Nicht nur im Gazastreifen, auch im Nordosten Syriens verschärft sich eine Krise. Das jedenfalls befürchtet Human Rights Watch.

Istanbul/Damaskus (dpa) - Menschenrechtler haben der Türkei vorgeworfen, sie habe bei Angriffen auf kurdische Stellungen verheerende Schäden an der kritischen Infrastruktur im Nordosten Syriens angerichtet.

«Während die Aufmerksamkeit der Welt weiterhin auf den verheerenden Konflikt in Gaza gerichtet ist, verschärft sich im Nordosten Syriens unter dem Radar eine weitere Krise», teilte Human Rights Watch (HRW) mit. Die Türkei ziele dort aus der Luft und mit Drohnen auf die Lebensgrundlagen der Menschen. «Vorsätzliche Angriffe auf zivile Infrastruktur sind ein Kriegsverbrechen», warnten die Menschenrechtler.

Die Türkei gibt an, keine zivilen Ziele anzugreifen. Die von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und Organisationen vor Ort widersprechen dem.

Angriffe seit mehreren Monaten

Gemeinden im Nordosten Syriens seien von Strom, medizinischer Versorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen getrennt, hieß es in dem HRW-Bericht weiter. Im Oktober vergangenen Jahres habe Ankara etwa Wasser- und Elektrizitätswerke sowie eine Ölanlage angegriffen. Krankenhäuser, Bäckereien und Wasserversorgungsanlagen seien wegen der türkischen Angriffe nicht mehr in Betrieb.

Auch Farhad Schami, Sprecher der SDF in Syrien, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Trükei versuche, die Infrastruktur der Region zu treffen. Die derzeitigen Angriffe dauerten seit zwei Monaten an.

Alle Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Ankara geht regelmäßig in Militäreinsätzen gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG vor. Der Konflikt verlagerte sich nach Angaben der International Crisis Group seit 2019 von der Türkei in den Nordirak und nach Nordsyrien, nachdem das Militär die PKK-Kämpfer immer weiter zurückgedrängt hatte. Die Türkei verstärkte ihre militärischen Einsätze, nachdem im Januar mehrere türkische Soldaten bei einem Angriff auf einen türkischen Militärstützpunkt im Nordirak getötet worden waren.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan attackiert Israel immer wieder scharf wegen des Gaza-Kriegs infolge des Hamas-Massakers am 7. Oktober in Israel. Er beschuldigte das Land auch des Genozids an den Palästinensern. Kritiker werfen Erdogan wegen der türkischen Angriffe in Syrien und Irak Doppelmoral vor.

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