Bildungsstreik gegen Taliban: "Ohne meine Schwester gehe ich nicht zur Schule"

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Zahlreiche Schüler solidarisieren sich in Afghanistan mit ihren Schwestern und anderen Schülerinnen (Bild: Twitter)
Zahlreiche Schüler solidarisieren sich in Afghanistan mit ihren Schwestern und anderen Schülerinnen (Bild: Twitter)

In Afghanistan scheint die Bildung für Mädchen unter den Taliban weiter massiv bedroht zu sein. Zwar haben die Islamisten bisher noch kein Verbot ausgesprochen, doch am Freitag rief das Taliban-Erziehungsministerium ausdrücklich nur männliche Schüler und Lehrer zur Rückkehr an die weiterführenden Schulen auf. Bereits während ihrer ersten Herrschaft durften Mädchen nur die Grundschule besuchen.

Gegen die Ankündigung regte sich schnell Protest. Berichten zufolge verweigerten zahlreiche Schüler aus Solidarität mit ihren Mitschülerinnen den Schulbesuch. Einige von ihnen sind online auf Fotos mit Protestschildern zu sehen, auf denen “Ohne meine Schwester gehe ich nicht zur Schule” steht. 

“Ich bin heute nicht zur Schule gegangen, um meinen Widerspruch gegen die Taliban auszudrücken und gegen ihr Verbot des Schulbesuchs für Mädchen zu protestieren”, sagte ein ältere Schüler dem “Wall Street Journal”. “Frauen machen die Hälfte der Gesellschaft aus. Das zeigt, dass sich die Taliban nicht geändert habe. Ich werde nicht zum Unterricht kommen, bevor nicht auch die Mädchenschulen geöffnet sind.”

Die Taliban versuchen seit ihrer Machtübernahme, ein gemäßigteres Auftreten zu vermitteln. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid bestritt dann auch, dass ein Schulverbot für Mädchen geplant sei. Jedoch müsse zuerst ein “sicheres Transportsystem” für den Schulweg geschaffen werden, sagte er CNN. Mit ähnlichen Begründungen zur Sicherheit wurde den Frauen nach der Machtübernahme der Taliban zunächst der Weg zur Arbeit untersagt, sehr viele konnten bis heute nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

An den Universitäten verordneten die Taliban eine Trennung der Geschlechter, viele Hochschulen behelfen sich derzeit mit einer Teilung der Hörsäle durch einen Vorhang, Studentinnen und Studenten müssen das Gebäude zu unterschiedlichen Zeiten betreten und verlassen. An den Schulen des Landes war getrennter Unterricht bereits zuvor üblich. 

Sorgen bereitet auch die Taliban-Forderung, dass Frauen nur noch von anderen Frauen oder älteren Männern unterrichtet werden. Kritiker warnen deshalb vor Engpässen beim Lehrpersonal, die im besonderen Maße die Frauen treffen dürften. 

Zudem zeichnet sich bereits eine drastische Einschränkung ihrer Berufswahlmöglichkeiten ab. So gab es eine Entlassungswelle in der Verwaltung, das Ministerium für Frauenangelegenheiten wurde in der vergangenen Woche gleich ganz abgeschafft und durch das berüchtigte “Tugendministerium” ersetzt. Auch in anderen Bereichen herrscht auch ohne offizielle Anordnung der Taliban bereits ein De-Facto-Arbeitsverbot für Frauen.

Video: Frauen protestieren in Kabul gegen Arbeitsverbot

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