Bizarrer Auftritt von Trump-Zeugin erinnert an Comedy-Show

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Die Bemühungen der Trump-Anwälte Wahlbetrug nachzuweisen, treiben immer skurrilere Blüten. Jetzt trat eine Zeugin auf die Bühne, die viele eher an eine Comedy-Show erinnerte.

Melissa Carone trat in Michigan als Zeugin für angeblichen Wahlbetrug auf. Neben ihr der notorische Trump-Anwalt Rudy Giuliani. (Bild: JEFF KOWALSKY/AFP via Getty Images)
Melissa Carone trat in Michigan als Zeugin für angeblichen Wahlbetrug auf. Neben ihr der notorische Trump-Anwalt Rudy Giuliani. (Bild: JEFF KOWALSKY/AFP via Getty Images)

Obwohl die zahlreichen Klagen der Trump-Regierung gegen angeblichen Wahlbetrug bisher noch absolut fruchtlos waren, versuchen es seine Anwälte weiter. Bisher sind bereits mehr als 30 Klagen von den Richtern abgewiesen worden, selbst der Trump sehr treue Bundesstaatsanwalt Bill Barr sprach inzwischen davon, dass es keinerlei Hinweise auf Wahlbetrug in größerem Ausmaß gebe. Sein persönlicher Anwalt Rudy Giuliani fällt durch seine angebliche Bitte auf, sich schon einmal im Voraus begnadigen zu lassen. Und durch merkwürdige Auftritte vor Gericht.

Zeugin wird zum viralen Hit

Zuletzt präsentierte Giuliani eine Zeugin vor dem für Wahlrecht zuständigen Michigan House Oversight Committee, die eine fernsehreife Darstellung ablieferte. Melissa Carone sollte eigentlich bezeugen, dass es zu organisiertem Betrug bei den Präsidentschaftswahlen am 3. November gekommen sei. Carone arbeitete für die Wahlcomputer-Firma “Dominon Voting Systems”. Am Wahltag sei es zu “totalem Betrug” gekommen, behauptete sie nun. Tausende Wahlzettel seinen mehrfach gezählt worden.

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Doch was Carone dann vor dem Komitee als Nachweis vorbrachte, war eher zum Schmunzeln. Man habe sie in einem Shuttle zum Wahllokal gebracht, empörte sie sich. Sie steigerte sich in unbewiesene Vorwürfe hinein und erinnerte mehr und mehr an eine Figur aus der beliebten Comedy-Sendung “Saturday Night Live” (SNL). In den USA ist die NBC-Produktion auch aufgrund ihrer kurzen Sketche sehr beliebt.

Doch zurück zur Anhörung. Dort machte Carone einfach weiter. Sie wiederholte die Klassiker der Trump-Kanons: Die Zählungen wären absolut falsch und vielfach wäre im Namen von Toten gewählt worden. Sie unterbrach sogar den Abgeordneten Steve Johnson bei seinen Fragen und wurde von dem als nicht gerade zurückhaltend bekannten Giuliani an ihrer Seite zurückgehalten.

Als Johnson erklärte, dass selbst bei Nachzählungen keine Abweichung von 30.000 Stimmen im Wahlbuch festgestellt werden konnte, erklärte Carone: “Was habt ihr Kerle damit gemacht? Habt ihr etwas verrücktes damit angestellt?” Johnson erwiderte: “Ich sage nur, dass die Nummern keine Abweichung von 30.000 Stimmen zeigen.” Carone daraufhin: “Ich würde sogar sagen, dass das Buch mit über 100.000 Stimmen daneben liegt.”

Überführt wurde Carone bisher definitiv einer Lüge: Sie gab an, dass sie aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit ihre Accounts bei Social Media löschen musste. Schnell fanden findige User allerdings ihre weiterhin aktiven Accounts.

Als Johnson die Aussagen Carones in Frage stellte, antwortete diese: “Ich weiß, was ich gesehen habe. Und ich habe etwas unterschrieben, dass ich wenn ich die Unwahrheit sage ins Gefängnis gehe. Haben Sie auch so etwas unterschrieben?”

Es war nicht Carones erster Aufritt. In den vergangene Wochen war sie immer wieder in rechten Medien zu Gast, um ihre Vorwürfe vorzubringen. Stets jedoch ohne jeglichen handfesten Beweis. Die Anhörung in Michigan machte sie allerdings erst zum viralen Trend. Denn zahlreiche User fühlten sich stark an Cecily Strongs SNL-Figur erinnert. Diese trägt den bezeichnenden Namen: “Mädchen bei dem du wünschtest, nie ein Gespräch auf der Party angefangen zu haben”. Ein User mischte die beiden sogar zu einem Remix.

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Doch der denkwürdige Auftritt von Melissa Carone dürfte noch lange nicht das Letzte gewesen sein, was man von den Trump-Anwälten zu sehen bekommt. Auch wenn Donald Trump immerhin einer Übergabe der Amtsgeschäfte an Joe Biden mittlerweile zugestimmt hat, wird er von seinem Narrativ so schnell nicht ablassen. Zu sehr nützt es ihm. Finanziell, weil er die für Rechtskosten gedachten Spenden mehr oder weniger frei für sich verwenden kann. Ideell, weil er mit der Erzählung des Wahlbetrugs nicht als Verlierer aus dem Weißen Haus scheidet und damit seine Basis weiter fest an sich bindet.

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