Advent, Advent, die Nase rennt

Jeder kennt sie, jeder hasst sie, jeder hatte sie: Eine Erkältung. Ob Medikamente wirklich helfen, warum Hühnersuppe vielleicht die beste Medizin ist, ob eine Erkältung wirklich etwas mit Kälte zu tun hat und warum wir lieber kranke Optimisten bleiben sollten erklärt Yahoo! Nachrichten.

Advent, Advent, die Nase brennt. Und rennt. Und läuft — schneller als der Glühwein die Kehle hinunter. Die kalte Jahreszeit hat uns nun endgültig im Griff und mit den eisigen Temperaturen häufen sich niesende U-Bahn-Fahrgäste und schniefende Verkäufer hinter der Käsetheke. Die Erkältungswelle ist über uns hereingebrochen. Zwar sind die Symptome lästig - gefährlich ist die Krankheit, an der fast jeder Menschen zwei- bis viermal im Jahr leidet, in der Regel aber nicht.

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Erkältung: Viren oder Bakterien?

In der Medizin spricht man von einer „Erkältung", wenn die oberen Luftwege mit Viren infiziert werden. Ein anderes Wort für Erkältung ist der „grippale Infekt" — nicht zu verwechseln mit der Grippe, die deutlich schlimmer verläuft und bedenklicher ist. Eine Erkältung wird sehr leicht durch Viren von Mensch zu Mensch übertragen. Dieser Übertragungstyp heißt „Tröpfcheninfektion". Ein ordentlicher Nieser ins Gesicht oder eine „schmutzige" Hand reichen oft aus, um selbst ein Opfer dieser „Rhinoviren" zu werden.

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Nach der Tröpfcheninfektion dauert es durchschnittlich zwei bis fünf Tage, bis die Krankheit sich entfaltet. Oft kommt es im Verlauf der Virusinfektion zusätzlich noch zu einer vorübergehenden Bakterienbesiedlung im Rachen oder dem Nasenbereich. Diese Bakterien können auch in die Bronchien wandern, um dort eine Bronchitis auszulösen oder in den Nasennebenhöhlen eine Entzündung begünstigen. Im Normalfall lautet die altbekannte Regel für die Dauer einer Erkältung: Drei Tage kommt sie, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie. Verkürzt werden kann ein grippaler Infekt nicht.

Medikamente lindern nur Symptome

Lediglich die Symptome lassen sich durch Medikamente lindern. Der Körper muss aber letztlich alleine mit den Viren kämpfen. Gegen Erkältungsviren existieren entgegen vieler falscher Ansichten nämlich KEINE Medikamente. Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, NICHT gegen Viren. Genauso wenig stimmt es auch, dass man nach einer durchgemachten Erkältung „immun" ist. Prinzipiell kann sich nach dem Abschließen einer Erkältung sofort der nächste grippale Infekt anschließen. Bei über 200 verschiedenen Erkältungsviren ist der beste Schutz vor Neuansteckung immer noch die Stärkung des Immunsystems durch vitaminreiche Ernährung, Bewegung und frische Luft.

Was hat Erkältung mit "kalt" zu tun?

Schon in der Kindheit wurde man gewarnt: „Zieh dich warm an, sonst wirst du krank!" Doch was hat Kälte eigentlich mit der Anhäufung der Erkältungen zu tun? Schließlich ist "kalt" ein Teil des Wortes, das das Krankheitsbild beschreibt. Es gibt zwar Hinweise, dass in einem dauerhaft unterkühlten Körper die Immunabwehr beeinträchtigt und somit die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion erhöht ist. Der eigentliche Grund für die Häufung der Erkältungen in der kalten Jahreszeit ist jedoch ein anderer: Je fieser die Umgebung draußen, desto lieber halten sich Menschen gemeinsam in geschlossenen Räumen auf. Dort haben die Viren dann leichtes Spiel, von Körper zu Körper übertragen zu werden. Auch ein einfacher Händedruck kann dabei genügen. Deswegen: Nach dem Naseputzen die Taschentücher schnell entsorgen und die Hände waschen. Schnupfenviren können nämlich problemlos mehrere Stunden auf Oberflächen überleben. Am besten wäre es, in dieser Zeit auf das Händeschütteln so gut es geht zu verzichten. Der Gesundheit wegen wird man es verzeihen.

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Niesen nicht unterdrücken!

Wer besonders höflich sein möchte und das eigene Niese durch Zuhalten der Nase unterdrückt, sollte seine Nächstenliebe vielleicht ein wenig zurückschrauben. Ein Nieser ist dazu da, mit 160 km/h die Nase nach Außen hin zu säubern. Wird diesem orkanartigem Nasensturm durch Zuhalten des Geruchsorgans der Weg nach draußen versperrt, so schießt die Luftsäule in Richtung Ohr. So kann nicht nur das Trommelfell platzen, sondern auch Krankheitserreger ins Ohr oder die Nasennebenhöhlen gepresst werden. Besser ist hier: Mit voller Wucht in ein Taschentuch niesen.

Suppe von Mama oder harte Medis: Was hilft wirklich?

Dass schädigende Einflüsse wie Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum während einer Erkältung vermieden werden sollten, muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Bei der Vorbeugung oder Bekämpfung eines grippalen Infektes gibt es einfach Dinge, auf die man achten kann. Erstens: Viel Schlaf zur Stärkung des Immunsystems. Zweitens: Während der Erkältung Verzicht auf Sport, um den Körper nicht zu schwächen und eine Herzmuskelentzündung zu vermeiden. Drittens: Eine ausgewogene Ernährung, wobei Vitamin-C Präparate keinen nachgewiesenen Nutzen besitzen.

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Hühnersuppe — man mag es kaum glauben — wurde schon von den alten Ägyptern als Mittel gegen Erkältung geschätzt. Amerikanische Wissenschaftler von der Universität Nebraska haben mehrere tausend Jahre später nun wissenschaftlich bewiesen, dass Hühnersuppe Entzündungsprozesse in Nase und Hals bei Erkältungen eindämmen kann. So können die Zutaten einer frischen Hühnersuppe die Aktivität der weißen Blutkörperchen, die an Erkältungsprozessen beteiligt sind, begrenzen und sogar hemmen.

Hühnersuppe hilft wirklich

Diese weißen Blutkörperchen führen bei einer Erkältung an den Schleimhäuten in Nase und Rachen zu Schwellungen und lösen damit unter anderem Husten und Schnupfen aus. Der heiße Dampf der Suppe sorgt zusätzlich dafür, dass die Schleimhäute befeuchtet werden und das Sekret in Hals und Nase besser abfließt. Die hitzeempfindlichen Viren sollen die heiße Suppe übrigens glücklicherweise schlecht vertragen. Zu guter Letzt wird mithilfe der Hühnersuppe außerdem der hohe Flüssigkeitsbedarf des Körpers bei einem grippalen Infekt gestillt: 1,5 bis 2 Liter täglich sollten es laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) mindestens sein.

Pessimismus macht krank

Auch bei der schwersten Erkältung sollte man optimistisch bleiben. Psychologen der Roehampton University in London, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie der Techniker Krankenkasse (TK) haben in einer Studie nachgewiesen, dass optimistische Menschen in Stresssituationen weniger anfällig für Infekte der oberen Atemwege sein sollen als negativ denkende Zeitgenossen. Herausgefunden haben die Wissenschaftler das mithilfe von Studenten, die zuvor psychologisch bewertet wurden — je nach dem, ob sie in schwierigen Situationen „optimistisch" oder „pessimistisch" dachten.

In einer stressigen Prüfungsphase an der Universität, die auch für das Immunsystem eine Herausforderung darstellt, erkrankten die optimistischen Hochschüler weniger oft Erkältungen. Pessimistische Studenten hingegen, für die der Stress eine Belastung darstellte, hingegen schienen zu viel Energie in die Bewältigung dieses Stresses zu investieren — wahrscheinlich auf Kosten des Immunsystems. Sie litten deutlich häufiger an Infektionskrankheiten. Das heißt für uns: Auch im Winter immer schön glücklich bleiben!

Felix Gussone / ZEITjUNG

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