Die MRSA-Panik

Zeitjung
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Krankenhaus-"Killer"- Keim MRSA: Ein Lebewesen, das die Medienbeherrscht wie kein anderes. Wo die Rationalität der Panik weicht, ist Raum für Angst. Dabei muss man sich als gesunder Mensch über dieses Bakterium nicht den Kopf zerbrechen. Vielleicht nur noch einmal beim Lesen des folgenden Artikels. Yahoo! Nachrichten klärt die wichtigsten Fragen und Antworten:

In der deutschen Medienlandschaft gibt es nahezu keine Sendung oder Zeitung, die sich noch nicht mit dem Thema „Krankenhauseime" befasst hat. Zwar gibt es bisher noch keine offizielle „Krankenhauskeim-MRSA-App", doch für Panik und Angst ist schon genug gesorgt. Für Patienten, Betroffene und Interessierte fällt es deswegen zunehmend schwerer, in der dargebotenen Informationsmenge die für sie relevanten Fakten herauszufischen.

Fakt ist: MRSA - die Abkürzung steht für „Methicillin (ein Antibiotikum) resistenter Staphylokokkus Aureus" - ist ein Bakterium, das jetzt und in Zukunft in der Medizin immer mehr an Bedeutung gewinnt. Zwar gibt es fast wöchentlich neue Studien und Publikationen über das Bakterium, das mittlerweile zum beliebten Forschungsobjekt avanciert ist, doch diese hoch wissenschaftlichen Erkenntnisse helfen dem Einzelnen oft nicht weiter. Deswegen hier die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick:

Wer oder was ist MRSA?

MRSA ist ein Bakterium, das die Fähigkeit besitzt, gegen fast alle Antibiotika auf dem Markt resistent zu sein. Mit anderen Worten: Durch falsche Antibiotika-Gabe in der Vergangenheit und andere biologische und evolutionäre Faktoren hat dieses winzige Bakterium „gelernt", die Wirkung von Antibiotika auszuschalten. Werden andere Bakterien von den Wirkstoffen in den Tabletten getötet oder am Wachstum gehemmt, so wächst MRSA unbehelligt weiter.

Eine Gefahr für gesunde Menschen?

Der in den Medien oft als „Killer-Keim" dargestellte Staphylokokkus (eine Bakterien-Art) ist nicht etwa nur im Krankenhaus zu finden und auf keinen Fall für alle Menschen gefährlich oder sogar tödlich. MRSA ist ein Hautkeim, der sich theoretisch durch die Übertragung von anderen Menschen oder Tieren jeden Tag auf der eigenen Haut befinden kann. Wichtig zu wissen ist dabei aber Folgendes: Bei einem gesunden Menschen kann sich der „böse" Keim nicht einfach ausbreiten, weil die intakte Haut oder Schleimhaut einen natürlichen Schutz gegen MRSA und andere Bakterien darstellt. Man spricht hier von einer „Kolonialisierung", also das Tragen von MRSA auf der Haut ohne Infektion (Eindringen des Bakteriums in den Körper).

Kann man MRSA aus dem Supermarkt mitbringen?

Nach Aussagen des EUREGIO-Projekts - ein Zusammenschluss von deutschen und niederländischen Behörden zur Bekämpfung der Ausbreitung von MRSA - ist die Übertragung von MRSA bei einmaligem Kontakt kaum möglich und die Wahrscheinlichkeit der Kolonialisierung oder Infektion steigt wirklich erst mit häufigem und intensiveren Zusammentreffen zwischen Mensch und Bakterium.

Deswegen stellt die Übertragung von Pflegepersonal und Ärzten im Krankenhaus das größte Risiko dar. Folglich ist eine Händedesinfektion nach Krankenhausrichtlinien zwar eine einfache und billige aber überaus wirksame Methode, die Ausbreitung von Krankenhauskeimen zu beschränken.

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Für Geschwächte gefährlich

Richtig kritisch wird es aber erst dann, wenn man bestimmte Risikofaktoren besitzt. Diese Risikofaktoren sind nicht nur für die Frage entscheidend, ob man sich mit MRSA infiziert, sondern auch wie die Infektion verläuft. In besonders schweren Fällen geht das Robert-Koch-Institut von 15.000 Todesfällen jährlich aus, die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene spricht sogar von 40.000 Toten. Diese Zahlen wirken zwar auf den ersten Blick hoch, geht man jedoch von 17 Millionen Krankenhauspatienten insgesamt pro Jahr aus (sowie von laut Robert-Koch-Institut 15.000 Todesfällen), sterben hingegen „nur" noch 0,08 Prozent der Krankenhauspatienten an MRSA.

Außerdem kommt es wie oben erwähnt nur dann zu diesen dramatischen Fällen, wenn Menschen besonders geschwächt sind und Vorerkrankungen besitzen. Risikofaktoren für eine Infektion mit MRSA sind also beispielsweise Immunschwäche, Operationen, chronisch offene Wunden oder häufige und lange Antibiotika-Einnahme.

Therapie und Umgang mit Infizierten

Auch wenn man in der Medizin beim MRSA oft vom „multiresistenten" Bakterium spricht, so gibt es trotzdem noch einige wenige Antibiotika, die man gegen den Keim einsetzen kann: Durch diese Reserveantibiotika wie Vancomycin oder Linezolid kann es abhängig vom Immunstatus des Patienten zur erfolgreichen Therapie einer MRSA-Infektion kommen.

Wie gesagt: Für gesunde Menschen kann man das Risiko für eine MRSA-Infektion als gering erachten. Nach Angaben von Euregio in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Gesundheit in NRW ist es deswegen auch nicht schädlich, mit MRSA-infizierten Angehörigen in einem Raum zu sein. Auch Händeschütteln oder Umarmungen werden als risikoarm erachtet - trotzdem sollte man sich wie im immer die Hände waschen oder desinfizieren.

MRSA ist wie andere Klinikkeime ein Bakterium, das in der Atmosphäre des Krankenhauses für manche Menschen gefährlich werden kann. Dies liegt aber nicht an der vermeintlichen Gefahr, die von MRSA ausgeht, sondern vielmehr an den schwer kranken und geschwächten Patienten, die im Krankenhaus geballt versammelt sind. Trotzdem darf man vor Krankenhäusern und den dort lebenden Organismen keine übertriebene Angst entwickeln. Ein Klinikaufenthalt ohne Komplikationen ist absolut unbedenklich und ungefährlich.

Das Thema MRSA darf sicherlich nicht verharmlost werden, denn es beschert den Betroffenen viel Leid und stellt ein potentielles Risiko für ohnehin schon geschwächte und alte Menschen dar. Trotzdem sollte versucht werden, bei dem Hygiene-Problem MRSA eine differenzierte Anschauung zu behalten und nicht Angst und Panik walten zu lassen. Für weitere Informationen rund um das Thema MRSA und Krankenhausinfektionen wird die Internetseite des Robert-Koch-Institutes empfohlen.

Felix Gussone / ZEITjUNG

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