Facebook heißt hier RenRen: Social Media in China

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Facebook heißt hier RenRen: Social Media in China (Screenshot: RenRen)

Nachrichten posten, kommentieren oder Videos schauen bei Facebook, Twitter oder Youtube: Für uns ist das Alltag und ohne Beschränkungen möglich. In China sind die genannten Netzwerke gesperrt. Dennoch erlebt die Volksrepublik einen Social-Media-Boom.


Die westlichen Marktführer aus dem Social Web haben es schwer im kommunistischen China: Zensurbeschränkungen und Zugangssperren sind dort an der Tagesordnung. Dass sämtliche große Netzwerke wie Facebook und Twitter gesperrt sind, irritiert aber eigentlich nur Besucher aus dem Ausland. Innerhalb der chinesischen Landesgrenzen haben sich eigene Netzwerke entwickelt. Deren Erfolg liegt nicht zuletzt an der großen Zahl der Einwohner - und den entsprechenden Nutzerzahlen: Zwischen 400 und 500 Millionen Chinesen nutzen das Internet, über 300 Millionen davon sind in sozialen Netzwerken aktiv, wie die Marktforscher von eMarketer ermittelten. Insgesamt gibt es nach Angaben des Social Media Intelligence Anbieters ethority in China 171 Netzwerke, auf die sich die User verteilen. Eine dominante Plattform wie Facebook, die die meisten Nutzer in der restlichen Welt vereint, ist dabei allerdings nicht zu finden.

Vor allem Microblogging-Dienste — in China Weibos genannt — sind beliebt. „Das bekannteste ist Sina Weibo, man kann es durchaus mit dem Stellenwert von Twitter in den USA vergleichen", erläutert uns Markus Sekulla, Social-Media-Stratege und China-Experte. Auch hier sind die Nachrichten auf eine bestimmte Zeichenanzahl begrenzt. 250 Millionen Nutzer teilen und versenden eMarketer zufolge solche Kurznachrichten. „Ähnlich wie in Europa sind die klassischen Nutzer von Social Media in China die unter 40-Jährigen. Sie tauschen sich vor allen in den Weibos aus", ergänzt Sekulla.

Facebook-Double für die Mittagspause

Für die schnelle Konversation zwischendurch werden Chatservices wie QQ, das ähnlich wie das Instant Messaging Programm ICQ funktioniert, genutzt. „Natürlich gibt es auch Social Networks, die Facebook nicht ganz zufällig ähneln. Kaixing001 oder RenRen sind da vor allem zu nennen", weiß Markus Sekulla. RenRen hat laut eMarketer knapp 140 Millionen Nutzer und ist besonders bei Studenten sehr beliebt. Kaixing001 (116 Millionen Mitglieder) wird am liebsten von höheren Angestellten genutzt. Es ist mehr auf Online-Gaming ausgerichtet — und ein nachgefragter Zeitvertreib in der Mittagspause. Und natürlich gibt es auch Videosharing-Plattformen. Zum Beispiel Youku, das Pendant zu Youtube.

Auch, wenn die Mechanismen der Netzwerke denen westlicher Varianten gleichen: Der größte Unterschied liegt darin, dass offener Austausch, vor allem zu politischen Themen, nicht so einfach möglich, die Meinungsfreiheit durch 24-Stunden-Beobachtung stark beschränkt ist. Die Chinesen müssen kreative Möglichkeiten finden, mit der Zensur umzugehen: Politisch heikle Themen werden daher oft verschlüsselt angesprochen. „Weil Silben im Chinesischen meist mehrere Bedeutungen und auch andere Schriftzeichen haben, werden Wege gesucht, Nachrichten mit anderen Zeichen, aber gleicher Pinyin-Schreibweise, zu verschlüsseln", erklärt Markus Sekulla. Pinyin ist die phonetische Umschrift der chinesischen Schriftzeichen auf Basis des lateinischen Alphabets. Weder die harten Restriktionen noch die Sprachbarriere schreckt westliche Firmen ab. Viele große Unternehmen, etwa Audi, Lufthansa, Siemens oder Adidas sind bereits mit eigenen Seiten in den chinesischen Netzwerken vertreten.

China macht mobil

Außerdem gibt es in China, genau wie im Rest der Welt, einen gemeinsamen Hype: mobile Endgeräte. „66 Prozent der User von Sina Weibo nutzen die Plattform schon von mobilen Endgeräten. Generell sind die Chinesen so Handy-affin wie kaum ein anderes Land", erklärt Sekulla. Vor allem der mobile E-Commerce-Markt boomt. Ein jährliches Wachstum von über 100 Prozent liegt auch darin begründet, dass die mobile Bezahlung inzwischen kinderleicht vonstatten geht. Ein riesiger Markt auch für westliche Firmen, den es überhaupt erst einmal zu erschließen gilt.

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