Bomben- und Entführungs-Streiche: Irakische TV-Shows abgesetzt

Moritz Piehler
·Freier Autor
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Eine der beanstandeten Szenen aus
Eine der beanstandeten Szenen aus "Raslan's Shooting" (Bild: Twitter)

TV-Shows können manchmal über die Stränge schlagen. Doch was diese beiden Satire-Sendungen aus dem Irak zeigten, überschritt die Grenzen des guten Geschmacks deutlich.

In den Sendungen "Tony's Bullet" und "Raslan's Shooting" ging es darum, unwissenden Passanten oder Promis Streiche zu spielen. Die sogenannten Prank-Shows sind in den USA sehr beliebt, in Deutschland entspricht das etwa "Verstehen Sie Spaß?". Doch statt einer lebendigen Hand im Briefkasten oder einer Plastikschlange im Garten schockierten die irakischen Shows die Zuschauer mit drastischeren Streichen.

In einer Folge von "Raslan's Shooting" etwa wurde eine Schauspielerin ohnmächtig, nachdem ihr eine Weste mit Sprengsätzen angelegt wurde. Natürlich waren die Bomben nicht echt, dennoch ist solch ein Streich mehr als makaber in einem Land, das immer noch von gewaltsamen Anschlägen in Folge von jahrzehntelangen Kriegen geplagt wird. Bei "Tony's Bullet" wurde in einer Folge die Entführung des irakischen Nationalspielers Alla Mhawi vorgetäuscht. Mit einer Augenbinde konnten die Zuschauer sehen, wie Mhawi um sein Leben bettelt. 

Sender setzen die Prank-Shows ab

Wie die BBC berichtete, nahmen die Verantwortlichen in den Sendern nun beide Prank-Sendungen auf Druck der Aufsichtsbehörde aus dem Programm. Zuschauer hatten sich wiederholt über die grausamen Scherze beschwert. Sie bezeichneten die Shows als gefühllos angesichts der Leiden der Menschen, die ständig unter der Bedrohung von Anschlägen leben müssten. Das Konzept der Sendungen verstoße gegen interne Regeln, hieß es nun als Begründung für die Absetzung. Die Macher der Shows wehren sich gegen die Vorwürfe und sehen in den Sendungen ihren künstlerischen Umgang mit der Situation im Irak. 

Der Nachrichtenagentur AFP sagte Dargham Abu Rghif, einer der Autoren hinter den Shows: "Diese Szenen sind hart. Aber wenn der IS gewonnen hätte, dann hätten Künstler es noch viel schwerer gehabt und alle anderen Iraker auch." In vielen arabischen Ländern sind die Prank-Shows beliebt, oft überbieten sie sich mit ihren Streichen. In Ägypten gab es zum Beispiel eine Show, in der Prominente auf einem scheinbar sinkenden Schiff gefilmt wurden, umgeben von Körperteilen und Haifischen. 

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