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CDU-Politiker im Wolfskostüm trifft im Video auf Rotkäppchen – und es wird noch bizarrer

Wenn ein Märchen als kreative Horrorstory endet: Dieses Instagram-Reel ging nach hinten los

Rotkäppchen-Figur in einem nebligen Wald
Ach, hätte die junge Dame aus dem Video der CDU-Fraktion Mecklenburg-Vorpommern sich doch so leise aus dem Staub machen können wie dieses Rotkäppchen aus unseren Bildarchiven... (Symbolbild: Getty Images)

Welcher Presseverantwortliche hat dieses Video bitte schön freigegeben? Das fragt man sich unweigerlich, wenn man sich den "kreativen Erguss" ansieht, den die CDU-Fraktion Mecklenburg-Vorpommern vor Kurzem auf Instagram veröffentlicht hat. Ein als Wolf verkleideter Landtagsabgeordnete, der im Wackelvideo seine als Rotkäppchen inszenierte Kollegin um den Baum jagt – schon die Idee reicht eigentlich, um sämtlichen Krisen-PR-Verantwortlichen Nordostdeutschlands ein nervöses Zucken ins Gesicht zu zaubern. Doch es geht noch weiter – und, man ahnt es schon: Gerettet haben sich am Ende weder der böse Wolf noch das naive Rotkäppchen, zumindest, was die Häme der Instagram-Kommentator*innen angeht...

Doch wir wollen fair sein und zunächst verkünden, worum es der Fraktion der Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern eigentlich ging: Der Wolf wurde ins Landesjagdrecht aufgenommen. Und obwohl das Schießen eines "Problemwolfs" weiterhin im Einzelfall geprüft werden muss, ist diese Neuerung ein Grund zur Freude für Thomas Diener, demzufolge die Änderung eine Forderung sei, "die die CDU-Fraktion längst aufgemacht hatte" und einen "jahrelangen Kampf" beende. Das Problem am Video war aber nicht der Problemwolf, als den sich Diener selbst verkleidet hatte. Sondern wie der Dreh weiter ging…

Endlich sei es wieder einfacher, "mit dem Rotkäppchen einfach auf der Bank zu sitzen", setzte der Politiker hinzu, begleitet von seiner einen Knicks andeutenden Kollegin, die ja zuvor vor dem Wolf "immer Angst" haben musste. "Das wird jetzt besser!" Aber besser wurde – zumindest in Sachen Drehbuch – wenig: "Prost, Rotkäppchen", sagte der Wolf mit erhobenem Prosecco-Glas und schob hinterher: "Jetzt haben wir eine Situation erreicht, wo ich dich nicht mehr fressen kann. Das ist mir auch viel lieber, aber ich kann dich viel besser anlecken jetzt." Sprach’s und legte die Wolfsschnauze an den Hals der sichtbar irritierten Kollegin.

"Das ist gut. Das laden wir so hoch."

Was folgte, war – nach einem gestotterten Schlusssatz des Rotkäppchens – zunächst vor allem erstauntes Schweigen. Oder sollen wir die Stille besser schockiert nennen? "Löscht euch, sofort!" war der Rat eines Kommentatoren, wohingegen eine andere Instagram-Nutzerin differenzierte: "Das ist bedauerlicherweise sehr schwierig, auf ganz unterschiedlichen Ebenen unangemessen." Eine weitere stellte sich sarkastisch die Reaktion der PR-Abteilung auf den Dreh vor: "Das ist gut. Das laden wir so hoch." Und wieder ein anderer schlussfolgerte: "Wir sind alle verloren."

Immerhin einem "Ministerium" hat das schief gegangene Instagram-Video die Arbeit abgenommen: dem "Memeministerium MV", einem Satire-Account, der mit Memes die aktuelle politische Lage des Landes kommentiert. "Our job here is done", zu deutsch: "Unsere Arbeit ist getan", kommentierten die Macher das Video umgehend. Auf ihrem eigenen Instagram-Account gab es dann nur noch wenig zu sagen: "Hilfe."

Bliebe abschließend nur noch die Frage, ob es sich bei dem Alkohol im Glas der beiden Märchenfiguren um Rotkäppchen-Sekt gehandelt hat. Wir werden es nie erfahren – oder vielleicht doch, im nächsten Instagram-Reel der CDU-Fraktion. In diesem Sinne: Stößchen!