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Charles III. in Schottland: König von zwei Feinden

König Charles trägt gerne Kilt. (Bild: imago/i Images)
König Charles trägt gerne Kilt. (Bild: imago/i Images)

Charles III. (74) liebt Schottland. Wie seine Mutter Queen Elizabeth II. (1926-2022) verbringt der englische König seine Sommerferien in den Highlands. Während die Queen auf Schloss Balmoral Erholung suchte, nutzen Charles und seine Frau Camilla (75) vor allem den Landsitz Birkhall, nicht weit vom Schloss entfernt. Charles trägt dort bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Schottenrock Kilt, das Nationalkleidungsstück schottischer Männer.

Am kommenden Mittwoch wird diese Liebe gekrönt, im wahrsten Sinne des Wortes: Charles III. wird in Edinburgh auch zum König von Schottland ernannt.

Die Kronjuwelen von Schottland

Es ist seine zweite Krönung innerhalb von zwei Monaten. Am 6. Mai bekam Charles in London offiziell die Krone des Königs von Großbritannien auf sein Haupt gesetzt. Nun werden ihm am 5. Juli in der St. Giles-Kathedrale während eines Widmungs- und Dankgottesdienstes die "Honors of Scotland" überreicht. Das sind die Kronjuwelen von Schottland: Krone, Zepter und Schwert.

Die Honors of Scotland zählen zu den ältesten Königsinsignien in Europa. Die Krone von 1540 besteht zum Teil aus jenem Goldreif, mit dem 1306 Robert the Bruce zum König von Schottland gekrönt wurde. Das Zepter von 1494 war ein Geschenk des Papstes Julius II. (1443-1513).

Das ursprüngliche Schwert kam 1507 ebenfalls aus Rom, weil es aber mittlerweile zu zerbrechlich geworden ist, wurde für Charles III. ein neues "The Elizabeth Sword" in Auftrag gegeben. Es ist nach der verstorbenen Queen benannt. Laut BBC kostete die edle Waffe, die Charles nun überreicht wird, 22.000 Pfund (rund 25.000 Euro) und wurde von schottischen Kunsthandwerkern angefertigt.

Die Queen hatte jedes Jahr Anfang Juli eine Woche lang verschiedene Regionen Schottlands besucht. Sie residierte in Edinburgh im Palace of Holyroodhouse, der offiziellen Residenz britischer Könige in Schottland, und empfing Tausende von Schotten aus allen Gesellschaftsschichten. Diese Tradition wird von König Charles III. und Königin Camilla fortgesetzt, die zur sogenannten Holyrood Week gereist sind, um die enge Verbindung von Krone und Schotten zu würdigen.

Die Schotten und die Unabhängigkeit

Das sieht gut die Hälfte der über 5,5 Millionen Einwohner Schottlands etwas anders. Sie fühlt sich von den Engländern politisch und wirtschaftlich bevormundet und übervorteilt und würde am liebsten die 1707 durch den Act of Union vollzogene Vereinigung mit England zum Königreich Großbritannien verlassen, um einen eigenen souveränen Staat zu gründen.

2014 hat bei einem entsprechenden Referendum noch eine Mehrheit von 55,3 Prozent gegen eine solche Abspaltung gestimmt. Doch der Stimmenanteil der Befürworter dürfte seither erheblich gewachsen sein, zumal die Engländer 2016 den Brexit gewählt haben, während die Mehrheit der Schotten für einen Verbleib in der EU war.

Die Rivalität zwischen Schotten und Engländern besteht seit etwa 2.000 Jahren, lange bevor Schottland und England als eigene Königreiche existierten. Bereits zur Römerzeit fielen keltische Stämme aus dem Norden oft in den Süden ein, der von den Römern besetzt war. Der römische Kaiser Hadrian ließ deshalb von 122 bis 128 n. Chr. eine 117 Kilometer lange Wehranlage quer durch das Land bauen, die seine Truppen vor den "Barbaren aus dem Norden" schützen sollte.

Dieser Hadrianswall war eine Art britannischer Limes und reichte vom heutigen Newcastle im Nordosten bis zum Meeresarm Solway Firth im Nordwesten der britischen Insel. Die Wallanlage, von der noch große Teile existieren, trennte die britische Insel: Aus dem lateinisch geprägten Süden gingen England und Wales hervor, aus dem wilden Norden Schottland. Der Name kommt vom keltischen Stamm der Skoten, die vom 3. bis 6. Jahrhundert aus Irland eingewandert waren und sich mit dem Stamm der Pikten 843 zum ersten schottischen Königreich vereint hatten.

William Wallace und die freiheitsliebenden Highlander

Mit dem Aussterben des schottischen Königshauses Alba ging die Auseinandersetzung mit dem Süden los. Der englische König Eduard I. (1239-1307), genannt Hammer of the Scots (Schottenhammer), scheiterte zwar bei seinem Versuch, Schottland militärisch zu erobern, doch es gelang ihm, einen ihm gewogenen Kandidaten auf den schottischen Thron zu setzen und somit de facto die Herrschaft zu erringen. Englische Adlige errichteten in Schottland Burgen, die schottischen Clans mussten Steuern zahlen und die freiheitsliebenden Highlander sich dem verhassten Nachbarn aus dem Süden erstmals beugen.

Die Folge waren Aufstände und Kleinkriege - bis 1297 der schottische Landadlige William Wallace in der Schlacht von Stirling Bridge das überlegene englische Heer geschlagen und die Unabhängigkeit Schottlands erkämpft hat. Seine Geschichte wurde von Hollywood mit Mel Gibson (67) als "Braveheart" (1995) verfilmt und ist bis heute der Inbegriff des schottischen Freiheitswillens.

1306 wurde Robert the Bruce (1274-1329) König von Schottland. Von da an war der Norden ein unabhängiges Königreich, das aber immer wieder Konflikte mit England hatte. Noch im 14. Jahrhundert kam die schottische Herrscherdynastie der Stuarts an die Macht, die ab 1603 unter König James VI. auch den englischen Thron erbten und 100 Jahre lang die englische Krone in Besitz hatten. 1707 wurden beide Länder zusammengeschlossen - unter englischer Führung.

Annäherung unter Queen Elizabeth II.

Seitdem sind England und Schottland geographisch und politisch eins, doch getrennt durch eine über 300-jährige Geschichte von Unterdrückung, Rebellion und Aufständen, die von den Engländern meist blutig niedergeschlagen wurden. Zeitweise war es den Schotten sogar verboten, Dudelsack zu spielen oder Kilts zu tragen, um das schottische Nationalgefühl auszumerzen. Das ist nicht gelungen.

Dafür hat sich die britische Krone unter Königin Elizabeth II. den Schotten angenähert. Sie hat aus ihrer Sympathie für Schottland nie einen Hehl gemacht, ihre Sommer stets in Schottland verbracht und die Holyrood Week eingeführt.

Außerdem hatte sie auch schottisches Blut: Die Familie ihrer Mutter entstammte dem schottischen Hochadel. Und über ihren Vater König George VI. (1895-1952) konnte sich Elizabeth auf eine direkte Abstammung vom schottischen König James VI. (1566-1625) berufen, der 1603 nach dem Tod der kinderlosen Königin Elizabeth I. (1533-1603) zum englischen König James I. gekrönt wurde und somit die Union der beiden Königreiche begründet hat.

Die Queen starb am 8. September 2022 auf Schloss Balmoral. Nach dem Tod wurde ihr Sarg zunächst in der St. Giles-Kathedrale in Edinburgh aufgebahrt. Trauernde aus ganz Schottland standen in einer kilometerlangen Schlange an, um sich von ihr zu verabschieden.

Ihr Sohn Charles III. sprach von der "tiefen Liebe" seiner Mutter zu Schottland, als er letztes Jahr bei seiner ersten Dienstreise als König die schottische Stadt Dunfermline und ihr mittelalterliches Benediktinerkloster Dunfermline Abbey besuchte, die letzte Ruhestätte zahlreicher schottischer Herrscher. Dort wurde auch der legendäre König Robert the Bruce bestattet. Damit hat Charles ein starkes Zeichen der Verbundenheit gesetzt.

Außerdem will der Monarch das schottische Schloss Balmoral, wo seine Mutter gestorben ist, zu einer öffentlichen Gedenkstätte für die in Schottland sehr beliebte Queen machen.