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China demonstriert Russland seine Macht: Bei der Gaspipeline Power of Siberia 2 lässt Xi seinen Freund Putin zappeln

Wirklich beste Freunde? Russlands Präsident Wladimir Putin braucht dringend eine neue Gaspipeline nach China. Doch Chinas Führer Xi Jinping verfolgt eigene Interessen.  - Copyright: Kyodo via Picture Alliance
Wirklich beste Freunde? Russlands Präsident Wladimir Putin braucht dringend eine neue Gaspipeline nach China. Doch Chinas Führer Xi Jinping verfolgt eigene Interessen. - Copyright: Kyodo via Picture Alliance

Es brodelt zwischen den Freunden China und Russland. Demonstrativ hatten Wladimir Putin und Xi Jinping im Februar 2022 bei den Olympischen Spiele in Peking ihre „grenzenlose Freundschaft“ verkündet. Wenige Tage später überfiel Russland die Ukraine. Doch statt die Ukraine zu gewinnen, hat Russland wichtige westliche Gasmärkte verloren. Mehr denn je ist Putin auf China angewiesen. Diese Schwäche nutzt Xi aus. Die grenzenlose Freundschaft der Autokraten stößt an Grenzen. Das zeigt aktuell der Fall der geplanten Gaspipeline Power of Siberia 2.

Für Putin ist die Pipeline vom Nordwesten Sibiriens bis nach Südchina enorm wichtig. Wirtschaftlich und strategisch. Für Xi ist das Projekt ein willkommener Anlass, um die Machtverhältnisse zwischen beiden Ländern klarzustellen.

Die Power of Siberia 2 soll 2560 Kilometer lang werden und die Gasfelder auf der Jamal-Halbinsel in Sibirien mit der wachstumsstarken Wirtschaftsregion Shanghai verbinden. Russland will damit Verluste im Gasgeschäft mit Europa ausgleichen. Die Route der Pipeline führt durch die Mongolei. Die Baukosten werden auf zehn bis 14 Milliarden US-Dollar geschätzt. Fertigstellung sollte 2030 sein. Doch daraus dürfte nichts werden.

Denn China spielt auf Zeit. Xi lässt seinen Freund Putin zappeln.

Echte Freunde.  - Copyright: picture alliance / dieKLEINERT | Martin Erl
Echte Freunde. - Copyright: picture alliance / dieKLEINERT | Martin Erl

Schon 2014 hatten beide Länder das Projekt angeschoben. Die Planung ist fortgeschritten. Schon bei den vergangenen beiden Treffen mit Xi hatte Putin gehofft, endlich die Verträge zu unterzeichnen. Doch Xi reiht Forderung an Forderung.

China und Russland: Problem der Pipeline Power of Siberia 2

Erstens verlangt Peking zusätzliche Rabatte auf den Gaspreis. China bezieht bereits Gas aus Russland über die Pipeline Power of Siberia 1. Im kommenden Jahr wird der Preisnachlass, den Russland China gewähren muss, auf 46 Prozent steigen. Laut Regierungspapieren aus Moskau, über die Bloomberg, berichtete, muss China dann 270 US-Dollar für tausend Kubikmeter Gas bezahlen. Für Abnehmer in Europa oder für die Türkei koste das Gas rund 480 Dollar. Doch China verlange noch höhere Rabatte, berichteten die „South China Morning Post“ Ende November.

Zweitens weigere sich China, sich an den Baukosten zu beteiligen. „In Bezug auf den Bau möchte Peking sicherstellen, dass es keine Risiken und keine Kosten hat. Russland ist die Seite, die die gesamte Rechnung bezahlt“, zitierte die Zeitung eine ungenannte Quelle in Moskau.

Drittens verfolge China ein eigenes Gasprojekt. Die Volksrepublik wolle die Gaspipeline „Linie D“ mit Turkmenistan bauen. Durch die Röhren sollen 30 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr fließen. China treibe das Projekt voran, obwohl das Gas aus Turkmenistan um ein Drittel deutlich teurer sei als Gas aus Russland, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Pipeline habe für China eine strategische Bedeutung. China wolle sich nicht von Russland abhängig machen.

Zu der Machtdemonstration könnte Xi auch eine Drohung Russlands verleitet haben. Im Oktober hatte Russland von China höhere Preise für Strom gefordert, den Russland nach China liefert. Moskau hatte dabei indirekt sogar gedroht, die Stromlieferung einzustellen. Die Führung in Peking hat solche Ansprüche anderer Länder schon häufig als Provokation aufgefasst und entsprechend hart geantwortet.