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Chinas Investitionen in Europas Häfen: Welchen Einfluss will Peking?

Der Hafen von Piräus ist eine der umstrittenen Investitionen Chinas in Europa, doch die chinesische Cosco hat einen Anteil am Hafen von Hamburg.

China-Expertin Francesca Ghiretti sagt im Gespräch mit Euronews: "Europa ist in hohem Maße von China abhängig. China ist einer der wichtigsten Handelspartner für Europa. Ein großer Teil des Handels zwischen Europa und China läuft über staatliche chinesische Reedereien wie Cosco."

Europaparlament schlägt Alarm

Das Europaparlament ist alarmiert und ruft dazu auf, ausländische Investitionen in die Infrastruktur der EU - wie in Häfen - zu begrenzen. Damit wollen die EU-Abgeordneten die steigende Abhängigkeit von China eindämmen.

Cosco und der Hafen von Piräus

Der Hafen von Piräus gehört - wie Teile des Hamburger Hafens - dem chinesischen Staatskonzern COSCO. Im November 2019 wurde Chinas Staatschef Xi Jinping dort vom griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis empfangen.

2019 hat der griechische Ministerpräsident Mitsotakis den chinesischen Staatschef in Piräus empfangen
2019 hat der griechische Ministerpräsident Mitsotakis den chinesischen Staatschef in Piräus empfangen - Orestis Panagiotou/AP

Stratos Papadimitriou ist Professor für Maritime Studien an der Universität Piräus in Griechenland. Er sagt gegenüber Euronews: "Ursprünglich erteilte die Hafenbehörde Cosco eine Konzession für zwei der drei Terminals. Es gab also eine vertragliche Vereinbarung zwischen der Hafenbehörde und Cosco über den Betrieb der beiden Terminals. Später wurde auch die Hafenbehörde als Ganzes verkauft, und Cosco erhielt einen Anteil von 67 Prozent."

Mit dem Geld aus China ist der Hafen Piräus vor den Toren von Athen modernisiert worden, der jährliche Transport von Containern wurde mehr als verdoppelt.

Welchen Einfluss will Peking in Europa ausüben?

Doch auch Expertinnen sehen die wachsenden chinesischen Investitionen in Europa kritisch. Sie warnen vor der Abhängigkeit von China und sogar vor einem möglichen Einfluss des Regimes in Peking auf politische Entscheidungen.

Francesca Ghiretti sagt dazu: "Es ist nicht undenkbar, dass China seinen Fußabdruck in europäischen Häfen, wie in ganz Europa, aber in europäischen Häfen nutzen kann, um einen Politikwechsel oder einen Positionswechsel herbeizuführen."

Zivile und militärische Interessen gehen in China Hand in Hand

Der Bericht des EU-Parlaments warnt auch vor Risiken für die Cybersicherheit sowie vor Spionage und Sabotage.

Zumal in China zivile und militärische Interessen Hand in Hand gehen.

Der EU-Parlamentarier Klemen Groselj von Renew Europe erklärt: "Jede zivile Aktivität ist in gewisser Weise mit den umfassenderen strategischen und militärischen Interessen Chinas verknüpft. Investitionen in Europas kritische Infrastrukturen können kommerzielle Interessen haben. Es kann aber auch andere sicherheitspolitische oder militärische Interessen geben".

Viele Verantwortliche in Europa halten die Investitionen aus China für nützlich, um veraltete Infrastrukturen zu modernisieren, doch die meisten EU-Abgeordneten meinen, auch europäische Häfen sollten vor chinesischem Einfluss geschützt werden.