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Sudan-Krise: Hat Großbritannien deutsche Evakuierung behindert?

Im Sudan kommt es trotz Waffenruhe zwischen Militär und Paramilitär weiter zu sporadischen Kämpfen. In der Hauptstadt Khartum sind die Straßen menschenleer, in den wenigen geöffneten Geschäfte drängen sich die Menschen, um das Nötigste zu kaufen. An den Tankstellen bilden sich Schlagen, die Menschen wollen sich mit Treibstoff eindecken.

Deutschland hat die Evakuierung abgeschlossen, andere Länder wie Großbritannien holen weiter Bürger:innen aus dem Land. Mehr als 4.000 Briten befinden sich im Sudan, die Hälfte hat um Ausreise gebeten.

Briten stören den Ablauf am Flughafen

Am Wochenende hat es offenbar Störungen beim Evakuierungsablauf auf dem Flughafen von Khartum gegeben. Und Deutschland scheint Großbritannien dafür verantwortlich zu machen. Das hätten "ranghohe deutsche Politiker" gegenüber der BBC gesagt.

Die britischen Streitkräfte sollen ohne Ankündigung und Erlaubnis der sudanesischen Armee auf dem Flughafen gelandet sein. Das habe für andere europäische Länder, die ihre Bürger:innen von dort in Sicherheit bringen wollten, zu Verzögerungen geführt.

Verteidigungsminister Boris Pistorius konnte sich eine Stichelei nicht verkneifen. Auf die Frage, warum es den Briten gelungen sei, ihr Botschaftspersonal schon am Samstag ausfliegen zu lassen, während die deutschen Flüge erst am Sonntag gestartet sind, sagte Pistorius: "Wie soll ich es diplomatisch ausdrücken? Sie haben ignoriert, was die Sudanesen vorgeschrieben haben."

Außenministerin Annalena Baerbock erwähnte Großbritannien zwar nicht namentlich, griff aber die Länder an, die ihre Bürger:innen im Stich gelassen und ihre Rettungsbemühungen nur auf das diplomatische Personal konzentriert hätten. "Es war uns wichtig, dass die Evakuierung im Gegensatz zu anderen Ländern nicht nur unser diplomatisches Personal, sondern alle Deutschen vor Ort und ihre Partner einbezogen hat", so Baerbock.

WHO besorgt über humanitäre Lage

Die evakuierten Briten, die am Londoner Flughafen gelandet sind, sind erleichtet. "Wir sind nicht mehr in Gefahr, keine Bombenanschläge, wir müssen uns nicht mehr wegducken, wir sind zu Hause", sagt eine Frau. Ein Mann beschreibt die Situation als Alptraum. "Ein einziger Alptraum und der ist zu Ende, Gott sei Dank."

Die Weltgesundheitsorganisation ist besorgt über die humanitäre Lage vor Ort und darüber, dass eine bewaffnete Gruppe ein medizinisches Labor mit Krankheitserregern besetzt hat.

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, dass die Organisation zusätzlich zu den Toten und Verletzten durch den Konflikt mit "vielen weiteren Todesfällen" rechne, "aufgrund von Krankheitsausbrüchen, mangelndem Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser sowie Unterbrechungen der grundlegenden Gesundheitsdienste, einschließlich Impfungen."

Nach UN-Angaben sind bei dem seit mehr als 10 Tagen andauernden Konflikt mindestens 512 Menschen getötet und mehr als 4.000 verletzt worden.