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Deutsche Oscar-Hoffnung: Das ist Sandra Hüller

Sandra Hüller gewann 2023 für "Anatomie eines Falls" den Europäischen Filmpreis. Am 10. März könnte sich ein Oscar dazugesellen. (Bild: 2023 Getty Images/Matthias Nareyek)
Sandra Hüller gewann 2023 für "Anatomie eines Falls" den Europäischen Filmpreis. Am 10. März könnte sich ein Oscar dazugesellen. (Bild: 2023 Getty Images/Matthias Nareyek)

Die Karriere von Schauspielerin Sandra Hüller hat atemberaubende Züge angenommen: Sie gewann 2023 für "Anatomie eines Falls" unter anderem den Europäischen Filmpreis. Jetzt ist sie als beste Hauptdarstellerin für den Oscar nominiert.

Sie ist der Star der Stunde: Sandra Hüller (45) erhielt im Dezember sowohl den Europäischen Filmpreis als auch die Auszeichnung der Kritiker der "Los Angeles Film Critics Association" für ihre Hauptrolle im Justizdrama "Anatomie eines Falls". Und das muss noch nicht alles gewesen sein: Bei den Golden Globe Awards ging die deutsche Schauspielerin zwar leer aus, dafür hat sie nun Chancen, am 10. März den Oscar als "beste Hauptdarstellerin" einzuheimsen.

Hüller ist damit überhaupt erst die dritte deutsche Schauspielerin, die in dieser Kategorie nominiert ist - nach Marlene Dietrich und Luise Rainer, die die Trophäe sogar zweimal (1936 und 1937) gewann. Doch selbst wenn sie den begehrten Preis nicht erhält, war 2023 das erfolgreichste Karrierejahr der Schauspielerin. Es bescherte Hüller, die viele Kritiker nicht erst seit ihren jüngsten Leistungen für eine, wenn nicht die beste deutsche Schauspielerin ihrer Generation halten, den internationalen Durchbruch.

Ihr Kinodebüt feierte Drama "Requiem" (2006): Für ihre Darstellung einer an Epilepsie erkrankten jungen Frau wurde sie mehrfach ausgezeichnet. (Bild: SWR / 23/5-Filmproduktion)
Ihr Kinodebüt feierte Drama "Requiem" (2006): Für ihre Darstellung einer an Epilepsie erkrankten jungen Frau wurde sie mehrfach ausgezeichnet. (Bild: SWR / 23/5-Filmproduktion)

Sandra Hüller: Ihre erste große Liebe war das Theater

Sandra Hüller, Pädagogentochter aus Suhl, spürte früh die Schauspiellust in sich. Schon in der Schule buchte sie Theaterkurse und Workshops. Nach dem Abitur im thüringischen Friedrichroda studierte sie von 1996 bis 2000 an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Danach wirkte sie in Theaterensembles in Jena, Leipzig, Basel, München und Bochum. Gastspiele führten sie nach Berlin, Zürich und Freiburg und auch zu den Salzburger Festspielen. Ihrer Liebe, dem Theater, blieb sie auch treu, als sie (ab 1999) erste kleine Filmrollen übernahm. Noch heute ist sie Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum, ihrem zweiten Wohnsitz neben Leipzig, wo sie mit Lebensgefährte und Tochter lebt.

Das Kino entdeckte sie 2006: Für ihre insgesamt erst fünfte Filmarbeit, die Hauptrolle in "Requiem", wurde sie für ihre Darstellung einer an Epilepsie erkrankten jungen Frau mit den Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis sowie dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet. Kritikerlob und Festivalpreise gab es auch für "Über uns das All" (2011).

2017 sammelte Hüller erstmals Oscarerfahrung. Das Drama "Toni Erdmann", in dem sie die weibliche Hauptrolle spielt, war als "bester ausländischer Film" nominiert. Zwar gab es keine Auszeichnung für den Film, für Hüller regnete es dafür Lob und Auszeichnungen für ihre Leistung. Sie schaffte den "Hattrick" und gewann den Bayerischen, Deutschen und Europäischen Filmpreis. Im selben Jahr erhielt sie eine besondere Ehrung: Sie wurde für ihre schauspielerischen Leistungen sogar in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen, was für Kunstschaffende einem Ritterschlag gleichkommt.

2017 sammelte Hüller erstmals Oscarerfahrung: Das Drama "Toni Erdmann", in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte, war als "bester ausländischer Film" nominiert. (Bild: SWR)
2017 sammelte Hüller erstmals Oscarerfahrung: Das Drama "Toni Erdmann", in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte, war als "bester ausländischer Film" nominiert. (Bild: SWR)

Sandra Hüller: 2023 mit zwei Filmen international erfolgreich

Obwohl sie danach in populären Produktionen wie "Fack Ju Göhte 3" (2017) und "25 km/h" (2018) und dem viel gelobten "Proxima - Die Astronautin" (2019) mitwirkte, wurde es danach etwas stiller um sie. Bis sie nun mit gleich mehreren Filmen ins Rampenlicht zurückkehrte. 2023 war Hüller zunächst in der schwarzen Komödie "Sisi & ich" zu sehen, bevor sie mit ihren Hauptrollen in den internationalen Produktionen "The Zone Of Interest" und "Anatomie eines Falls" für Furore sorgte.

In "In The Zone" agiert sie als Hedwig, Ehefrau des Lagerkommandanten des KZ Auschwitz, Rudolf Höss. Der Film geht für Großbritannien für den "Auslandsoscar" 2024 ins Rennen und wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2023 mit dem "Großen Preis der Jury" geehrt, der zweitwichtigsten Auszeichnung.

Der wichtigste Preis, die "Goldene Palme", ging in Cannes an "Anatomie eines Falls" - und auch in dieser Produktion spielt Sandra Hüller die weibliche Hauptrolle: In dem französischen Drama "Anatomie eines Falls" spielt sie die Romanautorin Sandra, die in Verdacht gerät, ihren Ehemann ermordet zu haben. Für ihr eindringliches Spiel wurde Hüller mit ihrem zweiten Europäischen Filmpreis, der Nominierung für einen Golden Globe und jetzt auch für einen Oscar belohnt.

Für ihre Rolle in "Anatomie eines Falls" (Bild) erhielt Sandra Hüller bereits zahlreiche Auszeichnungen. (Bild: LesFilmsPelleas /LesFilmsDePierre)
Für ihre Rolle in "Anatomie eines Falls" (Bild) erhielt Sandra Hüller bereits zahlreiche Auszeichnungen. (Bild: LesFilmsPelleas /LesFilmsDePierre)

Sandra Hüller: Gewinnt sie den Oscar?

Die Konkurrenz ist allerdings groß, als Nominierte in der Kategorie "beste Hauptdarstellerin" ist sie in illustrer Gesellschaft. Annette Bening (65, "Nyad") hat bereits zwei Golden Globes zu Hause stehen. Lily Gladstone (37, "Killers of the Flower Moon") wurde für den Western mit Robert de Niro und Leonardo DiCaprio bereits mit dem New York Film Critics Circle Award und dem Golden Globe ausgezeichnet. Carey Mulligan (38, "Maestro") beeindruckte in der Filmbiografie von Bradley Cooper über Leonard Bernstein als dessen Ehefrau. Und Oscar-Preisträgerin Emma Stone (35, "Poor Things") überzeugte in der absurden Komödie die Kritiker, auch sie erhielt bereits den Golden Globe für ihre Darstellung.

Sandra Hüller wurde vom US-Filmkritikerverband in Los Angeles als beste Schauspielerin ausgezeichnet. (Bild: 2023 Getty Images/Matthias Nareyek)
Sandra Hüller wurde vom US-Filmkritikerverband in Los Angeles als beste Schauspielerin ausgezeichnet. (Bild: 2023 Getty Images/Matthias Nareyek)