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Die zehn größten Skandale bei der Oscar-Verleihung

Die Oscar-Verleihung steht bevor. Auch so mancher Skandal? Wir zeigen die größten Oscar-Aufreger aller Zeiten.

HOLLYWOOD, CA - March 27, 2022.    Will Smith slaps Chris Rock onstage during the show  at the 94th Academy Awards at the Dolby Theatre at Ovation Hollywood on Sunday, March 27, 2022.  (Myung Chun / Los Angeles Times via Getty Images)
Skandal bei den Oscars 2022: Will Smith Ohrfeig Chris Rock (Bild: Myung Chun / Los Angeles Times via Getty Images)

Am 12. März werden zum 95. Mal die Oscars verliehen. Man darf gespannt sein – auf die Gewinner und darauf, ob sich der eine oder andere Skandal ereignet. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte des Preises. Vergreift sich am Sonntag also wieder jemand im Ton? Wird einmal mehr der falsche Sieger verkündet? Bekommt jemand eine Ohrfeige verpasst?

Zur Einstimmung lassen wir die zehn größten Oscar-Aufreger Revue passieren.

Will Smith ohrfeigt Chris Rock

Nein, von feiner englischen Art zeugt der Auftritt von Komiker Chris Rock nicht. Hatte sich aber Will Smith richtig verhalten, als er handelte, wie er handelte? Wohl auch nicht. Wir alle wissen, was damals passierte, bei der Oscarverleihung im Februar dieses Jahres. An dem Abend glaubte Rock, sich einen Scherz leisten zu können über die Frisur von Smiths Frau Jada Pinkett Smith.

Vor dem Skandal: Will Smith und seine Frau auf dem roten Teppich bei den Oscars (Bild: Getty Images)
Vor dem Skandal: Will Smith und seine Frau auf dem roten Teppich bei den Oscars (Bild: Getty Images)

Das Heikle daran war nicht der Witz an sich, Witze über Frisuren dürfen erlaubt sein. Nur: Pinkett Smith ist an der Haarausfall-Krankheit Alopezie erkrankt, und hier setzt das Tabu an – weshalb Rocks Aktion nicht goutiert werden kann. Das dachte wohl auch Pinkett Smith, an ihrem Gesichtsausdruck konnte man das ablesen, das dachte auch ihr Ehemann und das dachten sicher auch unzählige Zuschauer. Aber die Bühne stürmen, wie Smith es tat, und Rock ohrfeigen – nun, das ist auch nicht gerade die feine englische Art.

"La La Land" vermeintlicher Oscar-Gewinner

Eine Panne von so enormer Wucht musste ein Skandal werden. Es war wie ein monumentaler Aprilscherz, nur dass kein April war, sondern Februar, und außerdem sind Aprilscherze dann am besten, wenn sie von "unten" nach "oben" verlaufen, also wenn der Gefoppte erst enttäuscht ist und dann, mit der Aufdeckung des Scherzes, erleichtert aufatmet.

Bei der Mammutpanne während der Oscar-Verleihung 2017 war das Gegenteil der Fall. Man war an dem Abend beim Höhepunkt angelangt, der Preis für den besten Film sollte nur noch verkündet werden. Von den Präsentatoren Warren Beatty und Faye Dunaway. Beatty öffnete den Umschlag und Dunaway verkündete den Sieger: "La La Land". Falsch, wie sich wenige Minuten später herausstellte. Der beste Film des Jahres war "Moonlight". Jetzt freuten sich Macher des Dramas, die des Musicals schauten in die Röhre. Februar, Februar.

Oscars so weiß

Hier die Listen der Nominierten in den Darstellerkategorien bei den Oscars 2015. Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne, Steve Carell, Bradley Cooper, Benedict Cumberbatch, Michael Keaton. Beste Hauptdarstellerin: Julianne Moore, Marion Cotillard, Felicity Jones, Rosamund Pike, Reese Witherspoon. Bester Nebendarsteller: J. K. Simmons, Robert Duvall, Ethan Hawke, Edward Norton, Mark Ruffalo. Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette, Laura Dern, Keira Knightley, Emma Stone, Meryl Streep. Fällt Ihnen etwas auf? Genau! Hatte oder hat Hollywood ein Rassismus-Problem? Hier ist nicht der Platz, um die Frage zu erörtern. Es soll die Anmerkung genügen, dass 2015 das Geburtsjahr des Hashtags OscarsSoWhite war.

Schwule Cowboys in "Brokeback Mountain"

Aufreger im 21. Jahrhundert: ein Film über schwule Cowboys. Szene aus
Aufreger im 21. Jahrhundert: ein Film über schwule Cowboys. Szene aus "Brokeback Mountain" mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal (Bild: ddp)

2005 sorgte “Brokeback Mountain” in den USA für einen Skandal. Man sollte das wiederholen: Jahr 2005, 21. Jahrhundert. In einer Zeit also, als man denken sollte, die Ideen des Humanismus' und der Aufklärung hätten auch die letzten und dunkelsten Winkel der Erde erreicht, sorgt in den USA ein Film über zwei schwule Cowboys für moralische Entrüstung. Auch das muss betont werden: USAdem ersten demokratischen Land der Neuzeit. Und doch war es so. Man warf "Brokeback Mountain" "gay agenda" vor und die Untergrabung traditioneller Werte. Viele Mitglieder der Oscar-Academy dachten wohl ähnlich und sahen sich das Westerndrama nicht an. Empörend die Empörung. Bei der Oscar-Verleihung wurde das Meisterwerk von Ang Lee mit drei Preisen geehrt (Regie, Drehbuch, Musik). Hätten die beiden Cowboys aufeinander geschossen, statt sich anzufassen, hätte es auch zum besten Film gereicht.

Chris Rock lästert über Oscars

Chris Rock zum Zweiten: 2005 feierte Chris Rock seinen Einstand als Moderator der Oscar-Verleihung. Dass der Schauspieler nicht der größte Fan der Veranstaltung ist, wurde im Vorfeld deutlich. Das sei nichts anderes als eine "Modenschau", sagte Rock in einem Interview und trat dann mit diesem Satz nach: "Welcher schwarze Hetero-Mann würde sich hinsetzen und die Oscars schauen?”

Chris Rock bei den 77th Annual Academy Awards (Bild: Getty Images)
Chris Rock bei den 77th Annual Academy Awards (Bild: Getty Images)

Die Empörung war groß, doch die Produzenten der Show bemühten sich, die Wogen zu glätten. Ganz nach dem Motto: War doch alles nur ein Scherz von einem Komiker: "Chris’ Kommentare in den letzten Wochen, hieß es in einer Stellungnahme, "sollten humorvolle Anstöße für eine Show sein, die von vielen als ein wenig verstaubt wahrgenommen wird." Das nennt man Diplomatie im Interhaltungsgeschäft.

Adrien Brody knutscht Halle Berry

2003 konnte es Adrien Brody sichtlich nicht fassen, als er den Oscar für seine Hauptrolle in Roman Polanskis Holocaust-Drama "Der Pianist" erhielt, konkurrierte er um den Preis doch mit so Größen wie Daniel Day-Lewis, Jack Nicholson und Michael Caine.

Adrien Brody überrascht Halle Berry mit einem Kuss (Bild: Getty Images)
Adrien Brody überrascht Halle Berry mit einem Kuss (Bild: Getty Images)

Umso glücklicher war der US-Schauspieler, dass er sich durchsetzen konnte – so glücklich, dass er sich dazu hinreißen ließ, Halle Berry, die ihm den Preis überreichte, auf der Bühne zu küssen. Sein frecher Kommentar: “Ich wette, sie haben dir nicht gesagt, dass das hier in der Geschenktüte war.” Nicht alle konnten darüber lachen, für seine Aktion musste Brody auch viel Kritik einstecken.

Marlon Brando lehnt Oscar ab und übt Kritik

Auch Marlon Brando war immer für Skandale gut. Für Aufregung sorgte der Schauspieler bei der Oscar-Zeremonie 1973. Er wurde in dem Jahr für seine Hauptrolle im Mafia-Epos "Der Pate" ausgezeichnet. Doch er lehnte den Preis ab und erschien auch nicht zur Verleihung. An seiner Stelle kam Sacheen Littlefeather, Angehörige des indigenen Volksstamms der Apachen, auf die Bühne. Dort wollte sie einen von Brando verfassten Brief gegen die Darstellung US-amerikanischer Ureinwohner in Film und Fernsehen vorlesen, durfte das aus Zeitgründen jedoch nicht tun. Dennoch trug sie Brandos Anliegen in knappen Worten vor. Ihre kurze, berührende Rede, ein Plädoyer für Liebe und Achtung zwischen den Völkern, wurde im Saal mit Applaus bedacht – nachdem es zuvor vereinzelt auch Buhrufe gegeben hatte.

Noch ein Verweigerer: George C. Scott

Ein Hollywood-Rebell war auch George C. Scott. Besonders die Oscar-Verleihung war dem US-amerikanischen Charakterdarsteller ein Dorn im Auge. Er empfand es als entwürdigend, wie er sagte, mit anderen Schauspielern um einen Preis zu wetteifern. Zumal die Preisgala seiner Meinung nach eine "Fleisch-Parade" sei, der es vor allem ums Geld gehe.

George C. Scott hielt nicht viel von den Oscars (Bild: Getty Images)
George C. Scott hielt nicht viel von den Oscars (Bild: Getty Images)

Selbstredend, dass Scott 1971 die "barbarische" und "korrupte" Veranstaltung nicht mit seiner Anwesenheit beehrte und auch den Hauptdarsteller-Oscar ablehnte, den er für "Patton – Rebell in Uniform" zugesprochen bekam. Die Zeremonie soll er sich angeblich nicht einmal im Fernsehen angesehen haben, stattdessen schaute er Eishockey. Und während man ihm im Oscarsaal für die Auszeichnung Beifall zollte, lag er angeblich schon im Bett.

Die Lakonie des humorvollen Alfred Hitchcock

War das empörend, was sich Alfred Hitchcock bei der Oscarverleihung 1968 leistete, als er den Ehrenpreis Irving G. Thalberg Memorial Award entgegennahm? Oder handelte es sich bloß um schwarzen Humor, für den er neben seinem einzigartigen Talent für spannendes Filmerzählen auch bekannt war?

Alfred Hitchcock bei den Oscars (Bild: Getty Images)
Alfred Hitchcock bei den Oscars (Bild: Getty Images)

Seine Rede jedenfalls dürfte die kürzeste sein, die je bei den Oscars gehalten wurde: "Thank You", sagte der Meister und ging von der Bühne. Wie ist das zu verstehen? Einige Beobachter interpretieren den Auftritt als Abneigung Hitchcocks gegenüber der Academy, die ihm, einem der Größten Filmregisseure aller Zeiten, den Regie-Oscar trotz fünf Nominierungen nie verliehen hatte. So etwas, dachte sich wohl Hitchcock, verdient nicht mehr als zwei Wörter einer Dankesrede. Punkt.

Die Beine von Marlene Dietrich

Vielleicht war das kein ausgemachter Skandal, mit ihrem Auftritt 1951 bei der 23. Oscar-Verleihung sorgte Marlene Dietrich jedoch mindestens für Aufsehen. Allen Anwesenden im Saal stahl die deutsche Schauspielerin jedenfalls die Show.

Marlene Dietrich in einer Szene aus dem Film
Marlene Dietrich in einer Szene aus dem Film "The Blue Angel" (Bild: Getty Images)

Dietrich trug an dem Abend ein Kleid, das ihre Beine bis zu den Knien freigab. Obwohl – Thema revidiert: Ganz bestimmt wird seinerzeit manch einer bei dem Anblick gedacht haben: Skandalös. Wie konnte sie nur? Ging sie nicht schon damals zu weit, als sie in "Der blaue Engel" zu viel Haut zeigte?