Werbung

Unter diesen tragischen Umständen starb Soul-Legende Marvin Gaye

Der einflussreiche Soul- und Protestsänger Marvin Gaye wurde nur einen Tag vor seinem 45. Geburtstag von seinem eigenen Vater erschossen. (Bild: Angela Deane-Drummond)
Der einflussreiche Soul- und Protestsänger Marvin Gaye wurde nur einen Tag vor seinem 45. Geburtstag von seinem eigenen Vater erschossen. (Bild: Angela Deane-Drummond)

 

Er war einer der größten Stars des Soul, galt als "Stimme seiner Generation". Doch Marvin Gayes Leben fand ein dramatisches Ende, als er vor 40 Jahren von seinem eigenen Vater erschossen wurde. Der wurde möglicherweise durch den Erfolg seines Sohnes zu der schrecklichen Tat getrieben.

Es war der Tag vor seinem 45. Geburtstag, als das Leben Marvin Gayes ein vorzeitiges Ende fand. Der Soul-Superstar mischte sich in einen Streit seiner Eltern ein, schützte seine Mutter vor den verbalen Attacken des Vaters, schlug sogar auf ihn ein, damit er sie in Ruhe lasse.

Marvin Gay Sr. zog sich darauf kurz zurück. Als er wenige Minuten später zurückkehrte, erschoss er seinen Sohn - mit einer Pistole, die ihm dieser zum vorherigen Weihnachtsfest geschenkt hatte.

Die Beziehung zwischen Sohn und Vater war von Beginn an vergiftet. Gay Sr. habe seinen Sohn nie haben wollen, ihn nie geliebt. Als die Polizei ihn nach seiner Tat - aber bevor er vom Tod Gayes unterrichtet worden war - fragte, ob er seinen Sohn liebe, antwortete der Vater: "Sagen wir, ich habe nichts gegen ihn."

Vom Vater tyrannisiert

Das Leben mit dem Vater, einem extrem religiösen Priester, der darauf bestand, dass seine Kinder gemäß den Lehren der Bibel lebten, verglich Gaye mit dem Leben unter einem "sehr verwandlungsfähigen, grausamen und allmächtigen König". Wurden die Kinder den moralischen Ansprüchen ihres Vaters nicht gerecht, ahndete dieser ihr Verhalten mit erbarmungslosen Prügelstrafen.

Ein deutlich friedlicheres Bild gaben die beiden anfangs in ihrer Gemeinde ab: Als der spätere Soul-Superstar als Kind seine ersten Schritte als Sänger machte, wurden diese vom Vater begleitet, und zwar buchstäblich: Als Marvin Jr. mit vier Jahren anfing, in Gottesdiensten zu singen, wurde er oft vom Klavierspiel seines Vaters begleitet.

Im kirchlichen Kontext konnte der strenggläubige Vater dem musikalischen Talent seines Sohnes etwas abgewinnen. Doch das änderte sich, als dieser sich der weltlichen Musik zuwandte, in den 60er-Jahren zum Soul-Superstar und später mit seinem einflussreichen Erfolgsalbum "What's Going On", inklusive des gleichnamigen Megahits, sogar zu einer zentralen Figur der Protestbewegung der 70er-Jahre wurde.

"Ich habe bekommen, was ich wollte"

Gayes Schwester zufolge habe der strenge Vater stets klargemacht, dass er, sollte eines seiner Kinder gegen ihn Hand anlegen, nicht vor Mord zurückschrecken würde. Vielleicht hatte Gay Sr. diese Drohung in die Tat umgesetzt, nachdem er an jenem fatalen 1. April vor 40 Jahren von seinem berühmten Sohn geschlagen worden war.

Der Gaye-Experte Steve Turner vermutet aber, dass die schreckliche Tat tiefer liegende Wurzeln hatte. Gay Sr. habe sich selbst als "Prophet und Verbreiter von Botschaften" verstanden. Als der Sohn dann als "Stimme seiner Generation" zelebriert wurde, zeitgleich aber ein gottloses Leben führte, habe er das nicht verkraften können.

Das Leben Marvin Gayes befand sich zum Zeitpunkt seines Todes an einem Tiefpunkt. Trotz seines Erfolges hatte er immense Schulden, kämpfte außerdem mit Depressionen und Drogenabhängigkeit. Weil sich zum Zeitpunkt seines Todes unter anderem Kokain in seinem System befand und der Vater körperliche Verletzungen von sich getragen hatte und auf Notwehr plädierte, kam Gay Sr. schließlich auch mit einer Bewährungsstrafe davon.

Gayes Geschwister gehen davon aus, dass ihr Bruder den Mord provoziert habe. Gayes Bruder Frankie hielt den Sänger in den Armen, als er im Sterben lag. Seine letzten Worte seien gewesen: "Ich habe bekommen, was ich wollte. Ich konnte es nicht selbst tun, also habe ich es ihn tun lassen." Seine Schwester Jeanne gab an, ihr verstorbener Bruder habe durch den Vorfall drei Ziele erreicht: der Mutter den Vater vom Hals geschafft, den Vater bestraft und sein eigenes Leid beendet.