Werbung

Dietmar Hamann erklärt verdutztem Sky-Reporter journalistische Grundprinzipien

In der Sky-Reportage aus der Reihe "Meine Geschichte" erklärt Dietmar Hamann sein Selbstverständnis als TV-Experte. (Bild: Sky)
In der Sky-Reportage aus der Reihe "Meine Geschichte" erklärt Dietmar Hamann sein Selbstverständnis als TV-Experte. (Bild: Sky)

Sky-Experte Dietmar Hamann pflegt "keine persönlichen Kontakte" zu den führenden Personen des deutschen Fußballs - weil er sonst seinen "Job nicht machen könnte". Für sein Bekenntnis zu journalistischer Unabhängigkeit wird der Ex-Nationalspieler im Netz auch von denen gefeiert, die ihn sonst kritisch sehen.

Wenn Dietmar Hamann in seiner Funktion als TV-Experte die Leistungen deutscher Fußballmannschaften bewertet, geht das seit Jahren mit erhöhter Schlagzeilenfrequenz einher. Der Ex-Profi von Bayern München und dem FC Liverpool gilt als besonders meinungsstarker, aber auch streitbarer Vertreter seiner Zunft.

In einer aktuellen Reportage aus der Sky-Reihe "Meine Geschichte" spricht der 50-Jährige nicht nur über seinen Werdegang, sondern auch über sein berufliches Selbstverständnis. In den sozialen Medien wird Hamann für seine Aussagen auch von denjenigen gefeiert, die seiner Expertise sonst skeptisch begegnen.

"Du kannst entweder Freund sein mit denen oder du machst den Job, den ich mache"

"Bei mir geht es immer um die Sache. Bei mir ist es nie was Persönliches", erklärt Hamann im Gespräch mit seinem Sky-Kollegen Riccardo Basile seine Herangehensweise. Von den Trainern und Funktionären, über die er regelmäßig und oft streng urteilt, kenne er "kaum einen persönlich". Der Ex-Nationalspieler: "Ich kannte die vor Jahren, aber ich habe mit keinem persönlichen Kontakt. Deswegen können sie mich auch nicht persönlich beleidigen. Sie kennen mich ja nicht."

"Warum?", will sein sichtlich verdutzter Gesprächspartner wissen und bekommt die Antwort prompt: "Weil's nicht geht. Du kannst entweder Freund sein mit denen oder du machst den Job, den ich mache." Als Beispiel nennt Hamann den Bundesligatrainer Marco Rose (aktuell bei RB Leipzig). Nachdem der Experte ihn zu dessen Dortmunder Zeit oft kritisiert hatte, habe Rose ihn zum Zweck einer Aussprache auf ein Glas Wein eingeladen.

Hamann über Treffen mit Marco Rose: "Dazu ist es nie gekommen, Gott sei dank"

"Dazu ist es nie gekommen, irgendwo auch Gott sei Dank", sagt Hamann im Rückblick. "Ich glaube, der Marco Rose ist ein super Typ. Du fährst dahin, trinkst ein Glas Wein, vielleicht auch noch eins, dann unterhältst du dich und dann hast du Sympathien für den Mann." Wenn dessen Mannschaft dann wieder schlecht spiele, komme man als Journalist sofort in einen "Interessenskonflikt oder in Abhängigkeiten, in die ich mich nie begeben möchte und werde".

Basile, der als Sky-Reporter ein anderes Selbstverständnis pflegt, ist bass erstaunt: "Also du hast keinen Kontakt mit den führenden Personen?", fragt er ungläubig und hakt nach: "Vermisst du es eigentlich?" - "Nee", beharrt Hamann, "sonst könnte ich meinen Job nicht machen".

Er habe nur einmal eine Ausnahme gemacht, als er "aus dem Dunstkreis des Verbandes" gebeten wurde, das Gespräch mit dem damaligen Nationaltrainer Hansi Flick zu suchen. Dem sei er nachgekommen, weil er ein Interesse habe, dass die DFB-Auswahl bei der EM eine gute Rolle spiele. Aber: "Das war ein Ausnahmefall."

"Da sieht man, wie niedrig die Latte im Sportjournalismus hängt"

Beim Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) wird der kurze Reportage-Ausschnitt rege geteilt und überwiegend begeistert kommentiert. "Ich wünsche mir eine ähnliche Haltung aller Journalisten wie Didi Hamann sie hier einnimmt. Vorbildlich", schreibt ein User. Der Sportjournalist Florian Reis honoriert: "Man kann von @DietmarHamann halten, was man will, aber die Aussagen hier sind schon stark. Looking at you, Selfie-Journalismus." Ein weiterer Kommentator erkennt ein grundsätzliches Problem: "Dietmar Hamann wird dafür gefeiert, dass er journalistische Grundregeln befolgt. Da sieht man, wie niedrig die Latte im Sportjournalismus hängt."

Zuletzt hatte ein öffentlich ausgetragener Disput mit FC-Bayern-Cheftrainer Thomas Tuchel für viel Aufsehen gesorgt. Tuchel hatte auf die von Dietmar Hamann und Lothar Matthäus vorgebrachte Kritik, der FC Bayern entwickle sich unter dem Trainer Tuchel nicht weiter, in einer Pressekonferenz gesagt: "Ich sehe bei den beiden auch keine Weiterentwicklung."

Krumm genommen hat ihm Hamann die Retourkutsche offenbar nicht. In der Sky-Doku sagt der TV-Experte: "Er hat den Spruch mit der Weiterentwicklung gebracht, was ich sehr amüsant fand. Das gehört dazu. Diese Streit- oder Diskussionskultur hat uns ausgemacht, wenn es auf einer vernünftigen Ebene stattfindet."