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Donald Trump richtet schon jetzt ein Blutbad an

Anhänger von Donald Trump im März in Palm Harbor, Florida (Bild: REUTERS/Marco Bello)
Anhänger von Donald Trump im März in Palm Harbor, Florida (Bild: REUTERS/Marco Bello)

Ein harter Wahlkampf wird in den USA bald beginnen. In der Doppelrolle des Bad Boy und selbst erklärten Messias: Donald Trump. Der warnte nun vor einem Blutbad, sollte er nicht gewählt werden. Das klingt krass, aber nicht überraschend. Trump sagte und machte schon ganz anderes.

Ein Kommentar von Jan Rübel

So eine Wahl wie in Russland, die wäre ganz nach Donald Trumps Geschmack. Dort wählt im Grunde Wladimir Putin sich selbst, und dass Trump die Bürger in den USA eher als lästige Schatten im Glanze seines Ruhmes sieht, war spätestens klar, als er bei der Amtseinführungsfeier im Januar 2017 über die Teilnehmerzahlen lügen ließ, dass sich die Balken des Weißen Hauses bogen.

Trump muss sich also einer echten Wahl stellen. Aber ein Demokrat ist er nicht, er ist Trumpokrat. Daher akzeptierte er seine Wahlniederlage 2020 nicht und ließ zum Sturm aufs Kapitol blasen. Und entsprechend pumpt er auch die nun im November anstehende Wahl auf und erklärt sie zu einem Endgame zwischen guten und bösen Mächten. Das ist zwar traurig und lächerlich zugleich, aber es hat Programm.

„Wenn wir diese Wahl nicht gewinnen, glaube ich nicht, dass es in diesem Land noch eine Wahl geben wird“

Also erklärte er am Wochenende vor Anhängern in Ohio, eine Wahlniederlage im November sei das wahrscheinliche Ende der amerikanischen Demokratie. „Wenn wir diese Wahl nicht gewinnen, glaube ich nicht, dass es in diesem Land noch eine Wahl geben wird“, sagte Trump nach Angaben der „tagessschau“.

Da kratzt man sich erstmal den Kopf. Warum sollte es keine Wahlen mehr geben, wenn Amtsinhaber Joe Biden gewinnt? Gibt es irgendwo einen Hauch von Anzeichen, seine Partei der Demokraten würde den erneuten Politikauftrag zur Überführung Amerikas in eine Diktatur nutzen?

Natürlich gibt es den nicht. Den gibt es indes bei Trump. Das Konzept seiner Reden folgt immer dem gleichen Strickmuster: Trump schaut sich, so stelle ich es mir vor, im Spiegel an und sagt zu sich: Ich bin böse. Das findet er bestimmt toll, merkt aber im nächsten Moment, dass Andere sowas vielleicht weniger goutieren. Also wendet er das Umkehrungsprinzip an – alles, was Trump beschreibt, attestiert er seinen Gegnern. Trump plant schon Sondergesetze im Falle seines Wahlsieges am ersten Regierungstag, mit Inhaftierungen von politischen Gegnern? Joe Biden will die Diktatur, nicht ich!

Dreimal D: Dämlich, durchschaubar und dreist

Alles reflektiert Trump durch sich selbst. In seiner Rede in Ohio meinte er auch, die bevorstehende Präsidentschaftswahl sei das „wichtigste Datum“ in der Geschichte der USA. „Das Datum - denken Sie daran, der 5. November – wird, so glaube ich, das wichtigste Datum in der Geschichte unseres Landes sein."

Wie er darauf kommt? Vielleicht wird dieses Datum das wichtigste in seinem politischen Leben, sozusagen die letzte Chance des 77-Jährigen, noch etwas zu wuppen. Und was wichtig für Trump ist, muss natürlich auch für das ganze Land sein. Alles klar?

Doch dies war noch nicht der Gipfel seiner aktuellen Rede. Zuerst sprach er über die heimische Autoproduktion und Zölle. Dann kam das bekannte und stets benötigte Feindbild – es ging um mögliche Pläne Chinas, in Mexiko Autos zu bauen und diese dann in den USA zu verkaufen. Vorhang auf für Trump: „Sie werden diese Autos nicht verkaufen können, wenn ich gewählt werde. Wenn ich nicht gewählt werde, wird es im Ganzen ein Blutbad geben, das wird das Mindeste sein, es wird ein Blutbad für das Land sein. Das wird das Mindeste sein. Aber sie werden diese Autos nicht verkaufen.“

Trump: Schon einmal nahm er Blut in Kauf

Ähm. Was erlauben Trump? Vielleicht geriet ihm etwas durcheinander. Welches Blutbad meinte er? Ein symbolisches im Geschacher, welche Autos zu welchen Zöllen in die USA exportiert werden dürfen? Oder meinte Trump mit „Blutbad“ eben ein Blutbad? Letzteres macht Sinn, wenn man wieder Trumps Spiegelbild befragt. Schon einmal nahm er Blut in Kauf, als er seine Anhänger zum Sturm aufs Kapitol anheizte. Bei der gewaltwollen Besetzung für ein paar Stunden starben Menschen. Mit dem sogenannten Blutbad wäre also zu rechnen.

Trump warnt. Sollte er nicht gewählt werden, dann wehe dem amerikanischen Volk – für diese Majestätsbeleidigung.

Das Blutbad richtet Trump schon jetzt an, es ist verbaler Natur. Er redet, als hätte er ein Buch von Adolf Hitler im Nachttisch. Dass er offizieller Kandidat in den USA wird, ist zum einen mit Kopfschütteln zu beantworten. Und zum anderen könnte den US-Amerikanern ja in ihrer Mehrheit klar werden, dass sie mit einem Trumpokraten im Weißen Haus an dem Ast sägen, auf dem die Menschheit sitzt. So gesehen wird der 5. November ein sehr, sehr wichtiges Datum.