Dresdener "Neverland"-Villa: Das waren die seltsamsten "Tatort"-Schauplätze

Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski, links) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) machen eine ziemlich gruselige Tour durch das titelgebende "kalte Haus".
 (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski, links) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) machen eine ziemlich gruselige Tour durch das titelgebende "kalte Haus". (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)

Im Mittelpunkt des Dresdener Krimis mit stand die stimmungsvoll-skurrile Villa, die an eine altdeutsche Gruselversion von Michael Jacksons "Neverland"-Ranch erinnerte. Welche "Tatort"-Schauplätze der letzten Jahre waren ähnlich einprägsam?

So viel Zeit wie in die diesem "Tatort" mit Gorniak (Karin Hanczewski), Winkler (Cornelia Gröschel) und Schnabel (Martin Brambach) verbrachten die Ermittelnden selten an ein und demselben Ort. Gefühlt 90 Prozent der Szenen in "Tatort: Das kalte Haus" spielten auf dem Anwesen des seltsamen Verdächtigen Simon Fischer (Christian Bayer), dessen Frau angeblich während der Nacht von dort verschwunden war. Der Dresdener "Tatort", das weiß man mittlerweile, hat ein Faible für Gruselhäuser. Doch welche anderen Schauplätze aus "Tatort"-Krimis der letzten Jahre spielten ebenfalls eine Hauptrolle - und blieben lange im Gedächtnis?

Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach, links) spricht mit dem einflussreichen und wohlhabenden Simon Fischer (Christian Bayer), dessen Frau verschwunden ist. Vieles weit auf eine grausame Bluttat hin - und Fischer scheint mehr als nur verdächtig. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach, links) spricht mit dem einflussreichen und wohlhabenden Simon Fischer (Christian Bayer), dessen Frau verschwunden ist. Vieles weit auf eine grausame Bluttat hin - und Fischer scheint mehr als nur verdächtig. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)

Worum ging es?

Am späten Abend werden die Ermittelnden zur düsteren Villa eines einflussreichen Unternehmers gerufen. Simon Fischer vermisst seine Frau Kathrin (Amelie Kiefer). Die ist verschwunden, viel Blut im Haus weist auf schreckliche Geschehnisse hin. Zudem sind auch der Hund sowie das Auto des Paares nicht mehr da. Dabei hat Kathrin noch nicht mal einen Führerschein. Indizien weisen darauf hin, dass der zu aufbrausendem Verhalten neigende Simon Fischer seine Frau selbst hat verschwinden lassen. Andererseits wirkt der Mann so, als würde er Kathrin über alles lieben. Und warum sollte er die Polizei zu einem Zeitpunkt informieren, da auf dem Anwesen überall Spuren zu finden sind, die Fischer belasten?

Die Dresdener "Tatort"-Ermittelnden (von links:  Cornelia Gröschel, Martin Brambach und Karin Hanczewski) bekommen es in der Folge "Das kalte Haus" mit gerade mal einem Verdächtigen zu tun. War er's oder war er's nicht? (Bild: MDR/Hardy Spitz)
Die Dresdener "Tatort"-Ermittelnden (von links: Cornelia Gröschel, Martin Brambach und Karin Hanczewski) bekommen es in der Folge "Das kalte Haus" mit gerade mal einem Verdächtigen zu tun. War er's oder war er's nicht? (Bild: MDR/Hardy Spitz)

Worum ging es wirklich?

Zum zweiten Mal drehte die hochdekorierte Regisseurin und Autorin Anne Zohra Berrached ("24 Wochen") einen "Tatort mit nur einem Verdächtigen. "Der Fall Holdt" von 2017 ist der wohl beste Charlotte Lindholm-"Tatort" - und auch da ging es, nach einem wahren Fall, um einen Mann, der des Mordes an seiner verschwundenen Frau verdächtigt wurde. Trotz der offensichtlichen Parallelen ist "Das kalte Haus" keine Wiederholung des "Holdt"-Stoffes. War der fünf Jahre alte Krimi, in dem Aljoscha Stadelmann den Verdächtigen spielte, fast schon ein dokumentarisch angelegtes Psycho-Spiel und das bewegende Porträt eines verzweifelten Mannes, ist "Das kalte Haus" auf dunkle Weise "bunter". Ein Krimi als Spielwiese falscher Fährten und manipulierter Verdächtigungen - auch was toxische Männlichkeit betrifft.

Kommissarin Gorniak (Karin Hanczewski) findet eine Blutlache im Haus der Fischers. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
Kommissarin Gorniak (Karin Hanczewski) findet eine Blutlache im Haus der Fischers. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)

Welche Dresdener "Gruselhäuser" gab es sonst noch?

Gorniak, Winkler und Schnabel zieht es auffällig oft in düstere Larger-than-Life-Häuser, die zum Co-Hauptdarsteller der Dresdener Fälle werden. "Das Nest" (2019), der erste Fall von Cornelia Gröschel als Kommissarin Leo Winkler, spielte - zum Teil - in einem kinematografisch inspirierten Horrorhaus. Noch gelungener war allerdings der "Haunted House"-Krimi "Parasomnia" (2020), in dem ein metaphysisch begabtes Kind tote Menschen sehen konnte. Vielleicht gibt es ja rund um Dresden mehr stimmungsvolle alte Gebäude als anderswo - oder die Redakteurinnen und Redakteure des produzierenden MDR haben bessere Location Scouts und ein größeres Interesse an Schauplatz-"Tatorten" als andere Sender.

In Visionen sieht der Verdächtige Simon Fischer (Christian Bayer) seine verschwundene Frau Kathrin (Amelie Kiefer) und erlebt mit ihr traute Harmonie.
 (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
In Visionen sieht der Verdächtige Simon Fischer (Christian Bayer) seine verschwundene Frau Kathrin (Amelie Kiefer) und erlebt mit ihr traute Harmonie. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)

Welche "Tatort"-Schauplätze blieben im Gedächtnis?

In über 50 Jahren Format-Geschichte kommt viel zusammen. Konzentrieren wir uns daher auf die letzten Jahre: Ein Locationkniff war sicher die Inszenierung des Kölner Falles "Hubertys Rache" auf einem entführten Rhein-Ausflugsdampfer (März 2022). Davor nutzte Regisseur Detlev Buck für seinen Maria Furtwängler & Udo Lindenberg-"Tatort: Alles kommt zurück" (Weihnachten 2021) die Räumlichkeiten des im Corona-Lockdown befindlichen Hamburger "Atlantic"-Hotels für einen exklusiven Dreh. Eine Woche davor ermittelten die Münchener Kommissare Batic und Leitmayr in "Wunder gibt es immer wieder" im oberbayerischen Kloster - inklusive transzendenter Erscheinungen dank Teegenuss aus dem Kräutergarten der Nonnen. Der vielleicht seltsamste "Tatort" Schauplatz der letzten Jahre findet sich jedoch im Münsteraner Fall "Limbus" vom November 2020: Da ermittelten Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) in einer Zwischenwelt oder Vorhölle, in der ein mit seinem Wagen von der Straße abgekommener Boerne ums Überleben kämpft. In Sachen Kulissen und Bildgestaltung ist dieser "Tatort" wunderbar kreativ inszeniert. Dazu ganz sicher der böseste, vielleicht sogar beste "Tatort" aus Münster.

Der Verdächtige Simon Fischer (Christian Bayer, links) will eine SD-Karte nicht herausgeben und greift Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, zweite von rechts) kräftig in den Arm. Ihre Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Chef Schnabel (Martin Brambach, dritter von links) versuchen zu beschwichtigen. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
Der Verdächtige Simon Fischer (Christian Bayer, links) will eine SD-Karte nicht herausgeben und greift Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, zweite von rechts) kräftig in den Arm. Ihre Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Chef Schnabel (Martin Brambach, dritter von links) versuchen zu beschwichtigen. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)

Wie geht es beim Dresdener "Tatort" weiter?

Der nächste Dresdener "Tatort" hört auf den Namen "Katz und Maus" (Drehbuch: Jan Cronauer und Stefanie Veith, Regie: Gregory Kirchhoff). Er soll im Herbst 2022 den Sonntagabend im Ersten bereichern. Die Story klingt, als wäre in Sachsen mal wieder Thriller-Time angesagt: Klatschreporterin Brigitte Burkhard (Elisabeth Baulitz) wird auf offener Straße verschleppt. Ihr Entführer versteckt sich hinter einer Maus-Maske und wendet sich mit einer Videobotschaft an die Polizei. Die Kommissarinnen Gorniak, Winkler und ihr Chef Schnabel werden mit der Behauptung konfrontiert, 150 in Sachsen entführte Kinder würden in einem Dresdner Keller gefangen gehalten. Befreit die Polizei sie nicht innerhalb von 24 Stunden, muss die entführte Journalistin sterben.

Ermittlerin Winkler (Cornelia Gröschel) stößt im Haus der Fischers auf ein eingerichtetes, aber offenbar unbenutztes Kinderzimmer. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
Ermittlerin Winkler (Cornelia Gröschel) stößt im Haus der Fischers auf ein eingerichtetes, aber offenbar unbenutztes Kinderzimmer. (Bild: MDR/MadeFor/Hardy Spitz)
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