Ehrlicher Finder: Amerikaner gibt 114.000 Dollar zurück

Als Leo Guarente nach einer Wohnungsauflösung eine alte Truhe aufbrechen ließ, machte ihn das vorübergehend zu einem reichen Mann. Denn darin befanden sich Wertpapiere im Wert von über 100.000 Dollar. Doch der Wertstoffhändler gab den Schatz an seine Besitzerin zurück – ohne zu überlegen, wie er sagt. Seine Ehrlichkeit könnte sich im Nachhinein auszahlen.

Marie war geschockt, als ihr Leo Guarente die 114.000 Dollar zurückbrachte. (Screenshot: nine news)Leo Guarentes Arbeiter trugen die Truhe, die ihre Besitzerin Marie reich und Guarente ein bisschen berühmt machen sollte, vergangene Woche zusammen mit anderem alten Gerümpel aus einem Haus im Städtchen Saugus in Massachusetts. Sie gehörte zum Haushalt der Mutter von Marie, die ihren Familiennamen nicht preisgeben will. Guarente ließ die verschlossene Kiste mit einem Vorschlaghammer aufbrechen – und fand darin einen Umschlag voller Sparbonds.

„Es sah nach Tausenden von Dollar aus“, erzählte Guarente gegenüber der Zeitung "The Boston Globe". Als die Charlestown Savings Bank die Bonds im Jahr 1972 herausgab, waren sie 20.000 Dollar wert. Bis heute hat sich ihr Wert vervielfacht – auf 114.000 Dollar (rund 88.600 Euro). Und die Wertpapiere waren nicht durch eine Unterschrift gekennzeichnet.

„Ich hätte die 114.000 Dollar nehmen können, wie jeder andere auch“, sagte Guarente. „Ich war zehn Jahre lang nicht im Urlaub. Aber ich dachte nicht eine Minute daran, das Geld zu behalten.“

Er habe es nicht erwarten könne, der Besitzerin von ihrem neuen Reichtum zu erzählen, sagte Guarente. Er rief Marie an und sagte ihr, dass er etwas interessantes in der Kiste gefunden hatte. Die ehemalige Besitzerin dachte zuerst an Schmuck oder Kleidung.

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Wie es der Zufall wollte, drehte Guarente zum Zeitpunkt des Fundes die Pilotfolge einer Realityshow über sein Gewerbe; „Trash to Cash“ soll die Serie heißen. Am Samstagnachmittag fuhr er mit Kameramännern und Angestellten zu Maries Haus. Er überraschte sie, als sie gerade ihre Einkäufe nach Hause brachte.   

Als Marie von ihrem Reichtum hörte, umarmte sie den ehrlichen Finder. „Ich war geschockt“, sagte sie dem "Boston Globe". „Ich bin ein bisschen rückwärts gegangen. Zum Glück stand mein Bruder hinter mir.“ Guarente gab Marie auch eine goldene Armbanduhr zurück, 1854 gefertigt, die ihrem Großvater gehörte.

Marie erklärte, durch den Fund endlich eine Lektion gelernt zu haben, die ihre Mutter ihr jahrelang beibringen wollte. „Bevor du etwas weggibst, schau es gründlich an.“

Für Guarente scheint sich seine Ehrlichkeit nachträglich auszuzahlen. Er erhielt zwar keinen Finderlohn. Aber seit die Medien über den Fall berichten, bekommt er jeden Tag 50 bis 75 E-Mails von Menschen, die ihn für seinen Anstand rühmen. Und nicht nur das: Ein Mann aus Texas lud Guarente und seine Familie ein, gratis in seinem Restaurant zu essen. Und ein Mann aus der Stadt Malden in Massachusetts bezahlte Guarentes Handyrechnung für ein Jahr. „Ich schlafe nachts gut“, sagte der ehrliche Finder.

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